Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, sitzt sonnend am Ufer – © Hans-Jürgen Bidmon
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Vodrážková - 2022 - 01

Vodrážková, M., I. Šetlíkova, J. Navrátil & M. Berec (2022): Presence of an alien turtle accelerates hatching of common frog (Rana temporaria) tadpoles. – Neobiota 74: 155-169.

Das Vorhandensein einer fremden Schildkröte beschleunigt die Metamorphose der Kaulquappen des Grasfrosches (Rana temporaria).

DOI: 10.3897/neobiota.74.82250 ➚

Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, – © Hans-Jürgen Bidmon
Rotwangen-Schmuckschildkröte,
Trachemys scripta elegans,
© Hans-Jürgen Bidmon

Die Anwesenheit eines Beutegreifers hat Auswirkungen auf die Population seiner Beute, entweder durch direktes Erbeuten oder durch Veränderungen bei verschiedenen Verhaltensweisen in seiner Lebensweise. Wir untersuchten hier, ob die Metamorphose, die Entwicklungsphasen sowie die Körpergröße zum Zeitpunkt der Metamorphose bei den Kaulquappen des Grasfrosches (Rana temporaria) durch die Anwesenheit eines Beutegreifers, der Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) verändert werden. Die Anwesenheit des Beutegreifers beeinflusste alle untersuchten Parameter. Wir fanden, dass, wenn keine Schmuckschildkröte vorhanden war, die Metamorphose der Kaulquappen 12 Tage dauerte, während sie bei Anwesenheit einer Schmuckschildkröte sich um zwei Tage verkürzte. Dabei waren die kleinen Frösche nach dieser beschleunigten Entwicklung kleiner und noch vergleichsweise unterentwickelter als jene, die sich ohne Anwesenheit der Schildkröte entwickelt hatten. Unsere Studie erweitert die Anzahl an untersuchten Beutegreifern auf die verschiedenen Entwicklungsphasen ihrer potenziellen amphibischen Beutetiere.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch diese Arbeit zeigt, wie ihre frühere Arbeit (Vodrážková et al., 2020), dass die Kaulquappen die Anwesenheit dieses exotischen Beutegreifers wahrnehmen können, und sie versuchen sich auch darauf einzustellen. Letzteres wurde ja auch schon einmal etwas anders beschrieben (siehe Polo-Cavia et al.,2020). Allerdings würde ich einmal davon ausgehen, dass die Kaulquappen durchaus auch auf die Anwesenheit einer einheimischen Wasserschildkröte wie Emys orbicularis so oder ähnlich reagieren würden. Sicher wird durch die Anwesenheit von solchen Beutegreiferen (dazu gehören übrigens auch Libellenlarven oder Gelbrandkäfer) die Frosch- oder Amphibienpopulation beeinträchtigt aber wie nachteilig sich diese Beeinträchtigung auf die jeweilige Population auswirkt bleibt hier offen. Eigentlich müsste man davon ausgehen können, dass es zumindest für einheimische Amphibien in manchen Biotopen eine Coevolution mit einheimischen Sumpfschildkröten E. orbicularis gab, die es bis heute sicherstellte, dass diese Froschart überlebt hat. Hier wäre es wohl eher so, dass man eigentlich einmal untersuchen müsste, ob die adulten Frösche solche Gewässer, in denen Schildkröten vorkommen, meiden und langfristig so dafür sorgen würden, dass sie und ihr Nachwuchs überleben können. Das Einzige, was mir dazu aus eigener Beobachtung einfällt, ist die Beobachtung des Verschwindens etlicher Amphibienarten (mit Ausnahme der Erdkröte, für die es nur eine Populationsabnahme über die Jahre hinweg gab) als man in einem Waldtal anfing einige sumpfige Stellen, in denen sich nahe eines kleinen Bachlaufs kleine Laichgewässer befanden diese in Forellenteiche für den Angelsport anzulegen. Diese Angelteiche wurden, dann auch weiterhin zum Ablaichen genutzt was dazu führte, dass über die ersten 3-5 Jahre hinweg viele Amphibienarten verschwanden oder zumindest so dezimiert wurden, dass man sie selten und meist weiter von diesen Fischteichen entfernt, noch mal beobachten konnte. Ja und solche Szenarien wirken sich dann wohl auch insbesonders in trockenen Jahren besonders verheerend aus, weil dann oft solche künstlichen Fischteiche die einzigen verbleibenden Gewässer sind.

Literatur

Vodrážková, M., I. Šetlíková & M. Berec (2020): Chemical cues of an invasive turtle reduce development time and size at metamorphosis in the common frog. – Scientific Reports 10(1): 7978 oder Abstract-Archiv.

Polo-Cavia N., A. Gonzalo, P. López & J. Martín (2010): Predator Recognition of Native (Euopean Pond) but not invasive Turtle Predators (red-eared sliders) by naïve anuran tadpoles – Result- sliders out compete native turtles for food. – Animal Behaviour 80(3): 461-468 oder Abstract-Archiv.

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