Tomović, L., D. Arsovski, A. Golubović & X. Bonnet (2020): Inside the shell: body composition of free-ranging tortoises (Testudo hermanni). – Zoology 142:125821.

Im Panzer: Die Körperzusammensetzung von freilebenden Landschildkröten (Testudo hermanni).

DOI: 10.1016/j.zool.2020.125821

Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni boettgeri – © Hans-Jürgen Bidmon
Griechische Landschildkröte,
Testudo hermanni boettgeri
© Hans-Jürgen Bidmon

Der Körperkonditionsindex (BCI – Körpermasse skaliert in Abhängigkeit von der Größe) wird sehr häufig für ökologische Studien genutzt. Es wird angenommen, dass diese BCI’s Unterschiede bei den endogenen Körperfettreserven bei freilebenden Tieren reflektieren. Im freien Feld lassen sich aber die internen Körperfettreserven nur schwer quantifizieren. Letzteres trifft insbesondere auf gepanzerte Tiere zu bei denen leichter zu bestimmende Parameter die bei der BCI–Einschätzung helfen (wie z.B. sichtbare unter der Haut liegende Fettpolster unzugänglich bleiben. Als Alternative kann eine detaillierte Sektion anatomische Anhaltspunkte dafür liefern wie die Körperreserven eines Individuums aussehen. Allerdings ist ein töten der Tiere für diesen Zweck nicht akzeptabel. Wir testeten daher, wenn sich die Möglichkeit ergab ob der BCI eine Aussage über die Körperreserven bei 13 freilebenden Griechischen Landschildkröten (Gmelin, 1789) die kurz nach ihrem natürlichen Ableben seziert werden konnten. Im Durchschnitt lagen die BCI-Werte bei den sezierten Schildkröten niedriger als bei noch lebenden Individuen (N > 10,000 Messungen) aber sie bewegten sich immernoch innerhalb der Schwankungsbreite dieser Untersuchungspopulationen. Die Panzermasse in Bezug zur Gesamtkörpermasse lag sehr hoch und zeichnete sich durch erhebliche interindividuelle Schwankungen aus (33.5% bis zu 52.3%). Magen- und Darminhalt repräsentierten ebenfalls einen wichtigen und individuell schwankenden Anteil der Gesamtkörpermasse (4.4% bis zu 14.5%). Der Beitrag des Körperfetts war dagegen vernachlässigbar (0.0% bis 0.5%). Insgesamt lässt sich sagen, dass bei den untersuchten Landschildkröten die Unterschiede im Körperfettgehalt nur eine sehr schwache Aussage über die Körperkondition zulassen. Andere endogene Gewebe (z.B. Muskulatur, Eingeweide, Leber) sowie "exogene" (z. B. Magendarmtraktfüllung, Gelege) sollte man eventuell in Erwägung ziehen um ein besseres Verständnis über Alter und geschlechtsspezifische Beeinträchtigungen im Leben von Schildkröten zu gewinnen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier handelt es sich um eine recht aufschlussreiche Feststellung, denn diese Werte haben ganz gewiss auch Auswirkungen auf die Behandlung von Schildkröten. Die Feststellung, dass bei Griechischen Landschildkröten allein das Panzergewicht über 33% des Gesamtkörpergewichts ausmacht ist nicht nur für ökologische Studien von Interesse. Wie schon mehrmals diskutiert muss das auch bei der Dosierung von Medikamenten mitberücksichtigt werden. Dabei zeigen die Autoren hier, dass bei Testudo hermanni der Gewichtanteil des Panzers noch höher liegt als die früher schon mal bestimmten 28% bei Testudo marginata (siehe auch Kommentare zu Griffioen et al., 2020). Sicher werden jetzt wieder einige Veterinäre/innen argumentieren, dass Knochen ja lebt und durchblutet wird und deshalb wie Körperknochen zu behandeln sei. Aber dennoch möchte ich darauf verweisen, dass die Medikamentendosierungen meistens nur für Tiere mit einem üblichen Endoskelett (inneren Skelett) ausgetestet sind und wie bei den oben zierten Studien doch zu erheblichen Unterschieden bei der Behandlung von insbesondere landlebenden Schildkröten beitragen. Grundsätzlich möchte ich hier noch anmerken, dass es wohl zu sein scheint, dass man bei Schildkröten einschließlich der Wasserschildkröten nur sehr vage vom Fettgehalt auf die Körperkondition Rückschlüsse ziehen kann (siehe auch Newman et al., 2019). Vielleicht liegt das daran, dass aufgrund der beengten Verhältnisse innerhalb des Panzers meist Fett (Lipide) in normal physiologischen Rahmen eher in der Leber gespeichert werden als außerhalb als Depotfett, denn dort findet man nur kleine sogenannte Verschiebefettpölsterchen die notwendig sind um bestimmte Organe zu schützen und beweglich zu halten wie z.B. ums Herz oder in den Augenhöhlen zwischen der Augenmuskulatur.

Literatur

Griffioen, J. A., G. A. Lewbart & M. G. Papich (2020): Population pharmacokinetics of enrofloxacin and its metabolite ciprofloxacin in clinically diseased or injured Eastern box turtles (Terrapene carolina carolina), yellow-bellied sliders (Trachemys scripta scripta), and river cooters (Pseudemys concinna). – Journal of Veterinary Pharmacology and Therapeutics 43(2): 222-230 oder Abstract-Archiv.

Newman, E. M., M. C. Allender, D. Thompson, G.A. Glowacki, M. Ivančić, M. J. Adkesson &aqmp; D. M. Lindemann (2019): Measuring fat content using computed tomography to establish a body condition index in free-ranging Blanding's turtles (Emydoidea blandingii) in Illinois. – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 50: 594-603. DOI: 10.1638/2018-0154.

Galerien

 

Seitenanfang