Simang, A., P. L. Cunningham & B. T. Henen (2010): Color Selection by Juvenile Leopard Tortoises (Stigmochelys pardalis) in Namibia. – Journal of Herpetology 44 (2): 327-331.

Farbauswahl bei juvenilen Pantherschildkröten (Stigmochelys pardalis) in Namibia.

Obwohl viele Reptilien einschließlich der Landschildkröten eine morphologische Ausstattung besitzen, die sie zur Farbwahrnehmung und Unterscheidung von Farben befähigt, gibt es sehr wenige experimentelle Beweise, dass Reptilien zwischen Farben, der Farbsättigung und Intensität unterscheiden können. Die visuellen Fähigkeiten und das Farbsehen sind für die meisten Schildkrötenspezies nicht untersucht. In einem Verhaltensexperiment testeten wir, welche visuellen Signale für juvenile Pantherschildkröten (Stigmochelys pardalis) wichtig sind. Juvenile Pantherschildkröten suchten die Farben Rot, Hellgrün und Oliv am häufigsten auf, was wesentliche Fragen in Bezug auf die Pflanzenfarben und die Pflanzen-(Futter)-Selektion aufwirft.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier wurden zwar keine farbigen Futterpflanzen angeboten, sondern farbige Kartonkarten zur freien Auswahl aufgestellt, dennoch gab es auch Futter. Die Autoren schließen auch nicht ganz aus, dass es bei der experimentellen Durchführung zu einem gewissen Lernprozess kam, der letztendlich einen Einfluss auf das Ergebnis gehabt haben könnte. Allerdings, egal ob nun die Hierarchie der Farbpräferenz von diesen Nebeneffekten beeinflusst worden ist oder nicht, ist hier klar belegt, dass Pantherschildkröten Farben erkennen können. Wenn die Auswahl der Farben etwas mit der Futterauswahl zu tun hat – was nahe liegt –, dann ist auch das ein Beleg dafür, dass Schildkröten ein Gedächtnis haben und sich die Farben bevorzugter Futterpflanzen oder Pflanzenteile merken können. Wenn sie sich diese Farben merken können und sie mit ihrem bevorzugten Futter in Beziehung setzen (also assoziieren) können, können sie nach unserem Verständnis auch lernen, dass heißt sie lernen, wie ihr favorisiertes Futter aussieht und sehr wahrscheinlich auch wie ihr Futter riecht und oder schmeckt. Folglich sollten wir uns nicht wundern, wenn sie auch noch etwas mehr lernen können. Auf alle Fälle sollten wir aber nicht den Fehler begehen, sie als stumpfsinnige Reptilien zu bezeichnen. Da ihr Gehirn auch noch nicht so gebaut ist wie das eines Säugetiers, sie aber dennoch schon ein Gedächtnis und ein Farbsehen zeigen, ohne dass sie z.B. einen visuellen Neokortex besäßen, sollten wir uns daran erinnern, dass durchaus auch anders gebaute Gehirne vergleichbare Leistungen realisieren können. Wir als Menschen sollten lieber einmal fragen, wie sinnvoll wohl das ist, was wir mit unserem Gehirn manchmal leisten? Dazu ein aktuelles Beispiel: Letzten Freitag bei einem Konzertbesuch standen in der Pause einige Herren zusammen und „orakelten“ über die Fußballweisheiten von Oktopus Paul – als einer plötzlich meinte, vielleicht hat der wirklich eine besondere Gabe, denn schließlich habe er gehört, dass er ja acht Gehirne besitzen soll. Mir lag auf der Zunge mich einzumischen und den Vorschlag zu unterbreiten, doch das nächste Mal einen Tausendfüßler zu engagieren, die hätten dann immerhin pro Segment oder Beinpaar auch ein Gehirnpaar (Ganglienpaar). Aber vielleicht wäre es dann doch zu langweilig, wenn die einem schon vorhersagen könnten, wer in 12 Jahren Weltmeister wird ….

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