Litzgus, J. D. (2006): Sex differences in longevity in the Spotted Turtle (Clemmys guttata). – Copeia 2006(2): 281-288.

Geschlechtsunterschiede in Bezug auf die Lebensdauer bei der Tropfenschildkröte (Clemmys guttata).

DOI: 10.1643/0045-8511(2006)6[281:SDILIT]2.0.CO;2

Tropfenschildkröte, Clemmys guttata, – © Hans-Jürgen Bidmon
Tropfenschildkröte,
Clemmys guttata,
© Hans-Jürgen Bidmon

Schildkröten sind von einem weltweiten Rückgang betroffen und es gibt nur wenige Studien mit der Aufnahme von art- und altersspezifischen demographischen Daten zur Lebensgeschichte, die ja eine wesentliche Rolle spielen, wenn es darum geht, die Überlebensfähigkeit von Populationen abzuschätzen und adäquate Erhaltungsmaßnahmen einzuleiten. Hier berichte ich über Geburts- und Todesraten sowie über das Überleben und die Lebensdauer von der Tropfenschildkröte (Clemmys guttata) unter der Anwendung von logarithmischen Abnahmegleichungen bei an einer der nördlichsten Populationen im Gesamtverbreitungsgebiet der Art gesammelten Daten, die bislang in einer 24-jährigen Markierungs-Wiederfangstudie erhoben wurden. Die Zuwachsrate war mehr als doppelt so hoch wie die Sterberate. Die Überlebensdaten und die Lebensdauerabschätzungen liegen für die Tropfenschildkröten sehr hoch und gehören wohl mit zu den höchsten, die je für Tierarten berichtet wurden, wobei Weibchen signifikant länger leben als Männchen. Das Minimum der jährlichen Überlebensrate für Weibchen lag bei 96,5 % mit einer maximalen Lebensdauer von 110 Jahren, wobei die Geschlechtsreife im Alter von 12 Jahren erreicht wird. Das Minimum der jährlichen Überlebensrate der Männchen liegt bei 94,2 %, die maximale Lebenserwartung bei 65 Jahren, bei einem Erreichen der Geschlechtsreife mit 11 Jahren. Diese immer noch weitergeführte Studie ist die am längsten andauernde für die Tropfenschildkröte und trotzdem ist die Datenlage noch immer unzureichend, um einen detaillierten Lebenslauf zu konstruieren. Das liegt im Speziellen daran, dass es aus dem Freiland kaum Daten zur Überlebensrate der Embryos in den Eiern sowie für die Schlüpflinge gibt, so dass zukünftig insbesondere die Erhebung solcher Daten fokussiert werden sollte. Die Daten aus der hier vorgelegten Studie haben jetzt schon wesentliche Konsequenzen für das Management, wenn es darum geht, welche der Entwicklungsstadien besonders zu schützen sind, um die Population dieser sehr langlebigen Wirbeltiere zu erhalten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die einmal wieder zeigt, wie langfristig solche Datensammlungen vor Ort sein können und wie viel Ungewissheit in den Modellrechnungen stecken kann, solange sie nicht wirklich im Freiland bezüglich ihrer Prognosen überprüft sind. Dennoch sollten solche Projekte international zumindest so viel Aufmerksamkeit erregen, dass ihre Fortführung gesichert bleibt. Denn solche Projekte, von denen es nur wenige gibt, sind die einzigen, die wirklich in der Lage sein dürften, uns eine Überprüfung unserer Prognosemodelle an echten Daten zu erlauben und diese eventuell für die Zukunft zu verbessern. Wenn man bedenkt, welche Planungen und Entwicklungen in der Vergangenheit allein auf modellierten, errechneten Prognosen basierend initiiert wurden, für die schon Jahre später feststand, dass sie nutzlos waren, so sieht man, wie wertvoll solche Langzeitstudien sein können.

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