Hieb, E. E., D. H. Nelson & A. B. Morris (2014): Oviductal eggs from road-kill turtles provide a novel source of DNA for population studies of the Alabama red-bellied turtle. – Conservation Genetics Resources 6(4): 837–839.

Eier aus den Eileitern von überfahrenen Schildkröten stellen eine neue Ressource für DNS zur Untersuchung der Populationsgenetik der Alabama-Rotbauchschildkröte dar.

DOI: 10.1007/s12686-014-0283-8

Genetische Analysen zur gefährdeten Alabama Rotbauchschildkröte (Pseudemys alabamensis) können wichtige Fragen bezüglich ihrer Populationsdynamik und Reproduktionsökologie beantworten. Hier verwendeten wir die Eier aus den Eileitern von auf Straßen überfahrenen Weibchen, um die DNS von einzelnen P. alabamensis zu isolieren. Sechs Mikrosatellitenmarker konnten erfolgreich aus dem Eidotter der sich entwickelnden Embryonen amplifiziert werden. Die DNS aus den verschiedenen Eiern des gleichen Geleges zeigten Unterschiede in der Allelgröße an mehreren Loki, was anzeigte, dass wir sowohl mütterliche als auch väterliche Allele amplifiziert hatten. Diese Ergebnisse belegen, dass die DNS-Extraktion aus Eiern, die sich schon in den Eileitern von überfahrenen Schildkröten befinden, als neu eingeführte DNS-Ressource zur Untersuchung des Reproduktionsverhaltens und der Populationsdynamiken von P. alabamensis und vergleichbarer Arten benutzt werden kann. Dieses Vorgehen kann sich als effektive Möglichkeit erweisen, um die Paarungsmuster und die Populationsstabilität bei bedrohten Spezies zu untersuchen für die andere Probenentnahmemöglichkeiten nur schwer durchzuführen sind.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine innovative, praktische Arbeit, die zumindest dazu beiträgt, dem nicht in jedem Falle zu vermeidenden Straßentod seltener Reptilien und sicher auch Amphibien aus Sicht der Wissenschaft etwas Sinnvolles abzugewinnen. Hier könnten sogar Naturschutzaktivisten, die ansonsten wissenschaftliche Laien sind, einen Beitrag leisten, denn heute gibt es schon Methoden, solche molekulargenetische Untersuchungen an in Alkohol fixiertem Material durchzuführen. Diesbezüglich wäre es sicher nicht schlecht, bei Biotopbegehungen gefundenes Material einzulegen und zu konservieren. Denn solche Sammlungen könnten es durchaus ermöglichen, weitreichende, populationsbezogene, molekularökologische Studien über Reptilien und Amphibien selbst länderübergreifend durchzuführen, was gerade auch hierzulande im Amphibienschutz im Frühjahr bei den vielerorts ehrenamtlich getragenen Schutz der Laichwanderungen sehr rasch zu einer guten fundierten Materialsammlung beitragen könnte, vor allem ohne dass dazu zusätzliche Störungen der überlebenden Tiere durch Probesammlungen notwendig wären. Dabei gibt es nur eines zu bedenken, denn langfristig untersucht man dabei natürlicherweise die DNS der Nachkommen von Individuen, die es nicht geschafft hatten, sich den neuen Umweltveränderungen entsprechend anzupassen, was über lange Zeiträume gesehen natürlich zu einem etwas verzerrten Bild führen könnte. Aber selbst das hätte einen Vorteil, denn man hätte dann Ausgangsmaterial, um nach den Unterschieden zu suchen, die es vielleicht einer Teilpopulation ermöglicht haben, sich trotz neuer Straßen der Situation im Sinne des Überlebens angepasst zu haben. Dass es zu solchen unerwarteten Anpassungen kommen kann, wurde zumindest schon beschrieben (siehe Wolak et al. 2010).

Literatur

Wolak, M. E., G. W. Gilchrist, V. A. Ruzicka, D. M. Nally & R. M. Chambers (2010): A Contemporary, Sex-Limited Change in Body Size of an Estuarine Turtle in Response to Commercial Fishing – Conservation Biology 24: 1268–1277 oder Abstract-Archiv.

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