Converse, S. J., J. B. Iverson & J. A. Savidge (2005): A Demographics of an ornate box turtle population experiencing minimal human-induced disturbances. – Ecological Applications 15(6): 2171-2179.

Demographie einer Population der Schmuck-Dosenschildkröte unter minimalen human-induzierten Störungen

DOI: 10.1890/04-0431

Durch Menschen induzierte Störungen können die Überlebendfähigkeit vieler Schildkrötenpopulationen gefährden., inklusive der Nordamerikanischen Dosenschildkröten. Die Abschätzung des potentiellen Einflusses dieser Störungen kann durch Langzeit-Studien an Populationen unterstützt werden, die einem minimalen Einfluss menschlicher Aktivität unterliegen. In so einer Population der Schmuck-Dosenschildkröte (Terrapene ornata ornata) im westlichen Nebraska, untersuchten wir basierend auf Fang-Wiederfang-Daten Überlebensraten und Populationswachstumsraten von 1981-2000. Die durchschnittlich auftretende Überlebensrate bei adulten Männchen war 0,883 (Standardabweichung = 0,021) und bei adulten Weibchen 0,932 (Standardabweichung = 0,014). Die minimale Wintertemperatur war die beste von fünf Klimavariablen bezüglich der Überlebensvorhersage der Adulten. Die Überlebensraten waren am höchsten in Jahren mit niedrigen Minimumtemperaturen, was vermuten lässt, dass die globale Erwärmung sich in verringerten Überlebensraten niederschlägt. Wir schätzten eine durchschnittliche Wachstumsrate der Population ? (veranschlagt) von 1,006 (Standardabweichung = 0,065) mit einer geschätzten Varianz für zeitlich begrenzte Schwankungen (z. B. sporadisch auftretende schlechte bzw. gute Jahre oder häufigeres Auftreten warmer Winter etc.), (? (veranschlagt (2)) von 0,029 (95 % Konfidenzintervall, CI = 0,005-0,176). Stochastische Simulationen lassen vermuten, dass die durchschnittliche Varianz zeitlich begrenzter Prozesse mit einer Wahrscheinlichkeit von 58 % in einen Populationsrückgang während der nächsten 20 Jahre resultieren. Diese Forschung bietet Belege, dass falls nicht unbekannte dichteabhängige Mechanismen in der Altersklasse der Adulten wirken, signifikante menschliche Störungen wie kommerzieller Verbrauch oder Schildkrötentod auf Straßen ein potentielles Risiko für Dosenschildkrötenpopulationen darstellen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier ein interessanter Befund, dass in den nördlichsten Verbreitungsgebieten die Winterminimaltemperaturen entscheidend für das Überleben der adulten Schildkröten ist. Wahrscheinlich deshalb, weil gerade in den nördlichsten Verbreitungsgebieten die Winter am längsten sind und es entscheidend ist über diese lange Zeit mit den Energiereserven auszukommen und auch noch genug Energie zu besitzen sich wieder ausgraben zu können (siehe dazu auch Bernstein, N.P. & R.W. Black (2005): American Midland Naturalist 153: 370-377 oder Abstract-Archiv). Denn gerade beim Energieverbrauch gilt – Je kälter desto reduzierter der Metabolismus – so dass auch hier die Schildkröten am meisten davon profitieren, wenn sie an der untersten Grenze des tolerierbaren Temperaturminimums ruhen und Energie sparen. Hieran zeigt sich auch schön, dass globale Erwärmung eben nicht a priori gleichzusetzen ist mit verkürzten Wintern. Denn insbesondere in den nördlichsten Regionen werden die Winter wohl milder, aber eben auch feuchter und wahrscheinlich dahingehend sogar länger, dass sich die kühlen, nassen Phasen immer weiter in den eigentlichen Frühsommer hinein ausdehnen.

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