Aleksic-Kovacevic, S., J. Oezvegy, N. Krstic, M. Rusvai, C. Jakab, Z. Stanimirovic & Z. Becskei (2014): Skin and skeletal system lesions of European pond turtles (Emys orbicularis) from natural habitats. – Acta Veterinaria Hungarica, 62: 180–193.

Hautläsionen und Skelettanomalien bei Europäischen Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) aus natürlichen Habitaten.

Es ist bekannt, dass verunreinigtes Wasser eine wichtige Rolle bei Erkrankungen des Plastrons, des Carapax‘ und bei Hauterkrankungen von Wasserschildkröten spielt. In dieser Studie untersuchten wir insgesamt 150 Europäische Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) unterschiedlichen Alters und beiderlei Geschlechts, die aus natürlichen Habitaten in Serbien stammten. Wir untersuchten dabei die morphologischen Veränderungen an Haut, Plastron, Carapax und am Skelettsystem. Die Schildkröten wurden ihren natürlichen Habitaten wie den Seen Ludas, Palic und Tresetiste entnommen. Nach einer künstlichen Überwinterung wurden sie genau untersucht, wenn nötig behandelt und wieder zurück in ihre natürlichen Herkunftsbiotope überführt. Dabei wurden Haut- und Panzerbiopsien sowohl histopathologisch als auch mikrobiologisch untersucht, und es wurden Röntgenaufnahmen angefertigt, um die Veränderungen am Skelettsystem zu erfassen. Makroskopische Hautveränderungen, von denen die meisten eine Degeneration oder eine Entzündung zeigten oder einer Neoplasie zuzurechnen waren, wurden bei 49,33 % der Schildkröten diagnostiziert. Dermatiden unterschiedlichen Ursprungs und unterschiedlicher Form waren die auffälligsten histopathologischen Befunde (28,00 %). An den Plastra wurden häufig entzündliche, degenerative Krankheitsverläufe diagnostiziert. Osteopathien und mechanische Verletzungen waren ebenfalls dominant. Makroskopische Verformungen an den Plastra, dem Carapax und am Skelettsystem wurden bei 67,33% der untersuchten Schildkröten festgestellt. Anhand der Röntgenuntersuchungen wurden generalisierte Osteopathien, Anomalien und Verformungen unterschiedlichsten Ursprungs diagnostiziert werden und betrafen auch die Beine und das Schwanzskelett. Die mikrobiologischen Analysen zeigten eine Vielzahl von Bakterien und Pilzen, die zum einen als primäre Krankheitsverursacher oder zum anderen als Keime bekannt sind, die charakteristisch für verschmutzte und belastete Gewässer und sowohl in die Haut und den Panzer eindringen, als auch in den Kloakenproben zu finden waren. Infektionen mit Bakterien wurden bei 76,66 % der Schildkröten gefunden, meistens bei jenen mit Hautläsionen und Panzernekrosen. Mykosen wurden bei 33,33 % der Tiere diagnostiziert.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Untersuchung, die sehr nachdenklich stimmt und die zeigt, wie belastet manche der Sumpfschildkrötenhabitate in Serbien sind. Sicher wäre es hier interessant, die Ursachen der Verschmutzung(en) zu ergründen, denn wenn es sich dabei im Wesentlichen um Einträge aus der Landwirtschaft handeln sollte, wäre das äußerst interessant und sicher anders zu bewerten als so genannte ungeklärte urbane (städtische) Abwassereinträge. Allerdings, und das wird hier auch besonders deutlich, gibt es die heile, oftmals verklärt dargestellte wunderschöne Natur, wie sie so manche Tierschützer und Haltungsverbotsbefürworter oft anführen, auch nicht mehr überall, und ich möchte mal davon ausgehen, dass so manche hierzulande im Freiland im Garten gehaltene Emys orbicularis Zuchtgruppe wesentlich gesündere und sauberere Bedingungen vorfindet, als jene, die hier aus so genannten natürlichen Habitaten beschrieben wird. Die Emys-Haltung kann sicher aus anderen Gründen auch hierzulande problematisch gesehen werden (siehe Schneeweiss et al. 2014) aber in den wenigsten Fällen dürften dafür hygienische Ursachen als Grund anzuführen sein.

Literatur

Schneeweiss, N., J. Hintzmann, J. Lippert, M. Stein & B. Thiesmeier (2014): Amphibien- und Reptilienhandel als Gefährdungsfaktor für heimische Populationen. – Zeitschrift für Feldherpetologie 21: 101–120 oder SiF 2/2014.

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