Filippi E., L. Rugiero, M. Capula, R. L.Burke & L. Luiselli (2010): Population and Thermal Ecology of Testudo hermanni hermanni in the Tolfa Mountains of Central Italy. – Chelonian Conservation and Biology 9(1): 54-60.

Populations- und Thermalökologie von Testudo hermanni hermanni in den Tolfa Bergen zentral Italiens.

DOI: 10.2744/CCB-0776.1

Die westliche Griechische Landschildkröte, Testudo h. hermanni, ist eine bedrohte Unterart in Italien, Frankreich und Spanien. Wir studierten eine Testudo h. hermanni Population in der Riserva Naturale Regionale Monterano in den Tolfa Bergen Zentralitaliens.
Wir fanden im Gegensatz zu vielen anderen Studien zu dieser und verwandten Arten ein Geschlechterverhältnis von 1:1. Des Weiteren bestand die Hälfte der Population aus Jungtieren. Männchen erreichten die Geschlechtsreife mit 12 Jahren, Weibchen mit 12-13 Jahren. Die Weibchen waren signifikant größer als die Männchen.
Die Schildkröten bevorzugten die offenen Maquis-Habitate gegenüber anderen Habitattypen und sie realisierten eine Thermoregulation die dafür sorgte, dass die Körpertemperatur durchgängig über der Umgebungstemperatur lag was insbesondere bei niedriger Umgebungstemperatur der Fall war. Das Vorhandensein von Zecken an den Tieren war signifikant assoziiert mit dem Index für das Thermoregulations Verhalten. Wir vermuten dass die Erhaltung offener Maquis-habitate innerhalb des Naturreservats sehr wichtig für die Produktion von Schlüpflingen ist und den Tieren eine gute Thermoregulation erlaubt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sehr schöne Studie die durchaus genauere Detailinformationen liefert die keinen Platz im Abstract gefunden haben. Da wäre zum einen das Geschlechterverhältnis das tatsächlich bei 0,6 M : 1 W lag was nicht signifikant von 1:1 abweicht, aber letzteres ist Statistik (die zwar besagt, dass das Durchschnittsalter für Menschen bei 75 Jahren liegt aber jeder von uns kennt auch die Ausnahmen von diesem Wert). Ebenso interessant ist, dass bei dieser Population die adulten Weibchen mit ca. 22,5 Jahren älter waren als die adulten Männchen (20,56 Jahre). Die Größenunterschiede waren zwar signifikant aber mit 14,8 cm für Weibchen und 13,2 cm für Männchen nicht wirklich sehr auffällig. Die Autoren kalkulierten jährliche Wachstumsraten auf Prozentbasis, die für Weibchen bei 6,6% und für Männchen bei 6,3 % lagen (sich statistisch auch nicht unterschieden) während der Zuwachs bei ausschließlich adulten Tieren bei 4,7 % lag. Juvenile und Subadulte zeigten eine Zuwachsrate von 8,6 %. Interessant sind auch die Temperaturprofile, die zeigen dass die Schildkröten versuchen ihre Körpertemperatur nach Möglichkeit zwischen 27 °C und 34 °C zu halten, wobei Männchen durchschnittlich 30,5 °C und Weibchen durchschnittlich 31,4 °C aufwiesen. Bei juvenilen Tieren lag die Temperatur durchschnittlich bei 29,4 °C. Insofern scheinen auch hier die Vorzugstemperaturen die Köhler für türkische Testudo graeca gemessen hat zu zutreffen (siehe Köhler XXX). Solch ausführliche Datensammlungen liefern durchaus gute Anhaltspunkte für die Haltungsoptimierung wobei man berücksichtigen sollte, dass sich nicht alle Populationen gleich verhalten müssen (siehe dazu Anmerkungen zu: Ligon D. B., J. R. Bidwell & M. B. Lovern (2009) Incubation temperature effects on hatchling growth and metabolic rate in the African spurred tortoise, Geochelone sulcata. Canadian Journal of Zoology - Revue Canadienne de Zoologie; Volume: 87 Issue: 1 Pages: 64-72 oder Schildkröten im Fokus 6(3), 2009

Literatur

Schildkröten im Fokus – Ausgabe 3/2009

Köhler H. (2008): Aufzucht europäischer Landschildkröten Babys – Schildi-Verlag.

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