Minich, David J., Anthony J. Cerreta, Alexis Nix, Daniel Thompson, Lilyvette Barajas, Ashley Portala, Dania Gamez, Allison Sacerdote-Velat, Matthew R. O'Connor, Jennifer M. Reinhart, Sherry Cox, Laura Adamovicz, Karisa N. Tang & Matthew C. Allender (2026): 12-month clinical trial of bioencapsulated terbinafine yielded inconsistent resolution for the treatment of Emydomyces testavorans in the Blanding's turtle (Emydoidea blandingii). – American Journal of Veterinary Research 2026: 1-6; Online ahead of print.
Ein über 12 Monate laufender Versuch mit bioeingekapselten Terbinafin lieferte inkonsistente Ergebnisse bei der Behandlung von Infektionen mit Emydomyces testavorans bri Blanding’s-Schildkröten (Emydoidea blandingii).
DOI: 10.2460/ajvr.26.06.0242 (externer Link)

Emydoidea blandingii,
© James Harding
Ziel: Bewertung von bioverkapselten Terbinafin-Mehrfachdosen zur Behandlung von Emydomyces testavorans bei natürlich infizierten Blanding-Schildkröten (Emydoidea blandingii) und Feststellung, ob dieses Protokoll zu therapeutischen Wirkstoffkonzentrationen führte.
Methoden: In dieser experimentellen Studie wurden Blanding-Schildkröten, die in einer Quarantäneeinrichtung untergebracht waren, 12 Monate lang alle 48 Stunden mit oral verabreichtem Terbinafin (30 mg/kg) behandelt, das in Regenwürmer injiziert worden war (bioverkapselt). Bei allen Schildkröten wurden die Terbinafin-Plasmakonzentrationen quantifiziert, und die Schildkröten wurden routinemäßig mittels quantitativer PCR anhand von kombinierten Abstrichen aus Mundhöhle, Kloake sowie Panzer und Plastron auf E. testavorans getestet.
Ergebnisse: Es wurden 13 Blanding-Schildkröten in die Studie aufgenommen, und keine der Schildkröten wies nach 12-monatiger Behandlung im quantitativen PCR-Test durchgehend negative Ergebnisse auf E. testavorans auf. Die medianen Terbinafin-Plasmakonzentrationen im 3. und 6. Monat (Talspiegelkonzentration) betrugen 18 ng/ml (11 bis 78 ng/ml) bzw. 36 ng/ml (10 bis 76 ng/ml). Die medianen Terbinafin-Plasmakonzentrationen im 9. und 12. Monat (Spitzenkonzentrationen) betrugen 163 ng/ml (61 bis 575 ng/ml) bzw. 100 ng/ml (13 bis 247 ng/ml). Die gemessenen Terbinafin-Plasmakonzentrationen lagen uneinheitlich über der MHK für E. testavorans. Es wurde keine Korrelation zwischen den Terbinafin-Plasmakonzentrationen und der mittels quantitativer PCR ermittelten Zielkopienzahl von E. testavorans beobachtet.
Schlussfolgerungen: Eine Mehrfachdosierung von 30 mg/kg oral verabreichtem, bioverkapselten Terbinafin alle 48 Stunden über 12 Monate hinweg führte bei Blanding-Schildkröten nicht zu einer molekularen Beseitigung der natürlichen E. testavorans-Infektion und ermöglichte es nicht, durchgehend angemessene Plasmakonzentrationen zu erreichen.
Klinische Relevanz: Emydomyces testavorans ist mit einem schwer zu behandelnden Krankheitsverlauf verbunden und gibt zunehmend Anlass zur Sorge hinsichtlich der Gesundheit, des Wohlergehens und des Artenschutzes von Schildkrötenarten. Weitere Untersuchungen zu alternativen Dosierungsschemata und/oder zum Einsatz von oralem Terbinafin als Teil multimodaler Behandlungsprotokolle sind erforderlich.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Hier wurden nur Schildkröten untersucht, die schon mit dem Pilz E. testavorans infiziert waren. Auch hier in Deutschland haben Zuchtprogramme für unsere einheimische Emys orbicularis-Population damit große Probleme. Allerdings erkranken nicht alle Schildkröten und anscheinend ist der Pilz nicht schon im Ei vorhanden, sodass die Infektion nach dem Schlupf erfolgen muss. Deshalb sollte eine Desinfektion der äußeren Eischale geboten sein, um die Übertragung zu minimieren. Um den Ursprung solch einer Infektion ausfindig zu machen wäre die von Nousias et al. (2026) beschriebene Methode sicher hilfreich. Hier in der vorliegenden Arbeit wurde das Antimykotikum (Terbinafin) oral verabreicht und es ergaben sich sehr schwankende Plasmakonzentrationen, die zudem im Endeffekt den Erreger nicht eliminieren konnten. Letzteres spricht dafür, dass das Darmmikrobiom oder gar das Darmmykobiom welche ja auch bei Schildkröten vorhanden sind das Medikament verstoffwechselt (z. B. Liao et al., 2026; Hetterich & Pees, 2025; Wu et al.; 2021). Daraus, dass während der Behandlung die Plasmakonzentrationen ansteigen könnte man schließen, dass das Medikament auch zu einer Verschiebung der Bakterien- und Pilzgemeinschaften (Darmmikobioms) führt, wobei die das Medikament verstoffwechselnden Anteile abnehmen. Zwar könnten die Schildkröten das Medikament auch selbst verstoffwechseln, aber da die Plasmakonzentration ja mit der Zeit ansteigt scheint das nur in geringeren Umfang zu geschehen. Zudem klärt die Studie nicht, warum die Plasmakonzentrationen zwischen den einzelnen Individuen so unterschiedlich ausfallen. Hier wäre es dringend angeraten eine Untersuchung des Darmmikrobioms bei gesunden Schildkröten im Vergleich zu mit E. testavorans infizierten durchzuführen, ebenso wie es sinnvoll wäre zu analysieren, wie sich die Behandlung mit Terbinafin auf das Darmmikrobiom auswirkt. Bei Schildkröten ist noch wenig über das Darmmikrobiom bekannt, aber wir wissen heute aus der humanmedizinischen Forschung welche wichtige Rolle ein gesundes Darm-, Vaginal- und Hautmikrobiom spielt (z. B. Rosenn et al., 2026; Sasidharan & Ashraf, 2026). Dabei wurden nicht nur schädigende Mikroorganismen ausfindig gemacht, sondern auch welche die uns schützen und es wäre töricht zu denken, dass das bei anderen Lebewesen nicht so wäre wofür auch so mancher Befund bei Schildkröten spricht (z. B. Mills et al., 2026). Vielleicht könnte es ja sogar so weit gehen, dass man mit entsprechenden gesundheitsfördernden Darmmikroorganismen solche Infektionen besser heilen kann als mit Medikamenten, wobei eine gute pharmakologisch-biochemische KI-Studie eventuell sogar wirksamere Formulierungen als Terbinafin finden könnte. Diesbezüglich ist mir aber neulich eine interessante Untersuchung bei Maus und Mensch aufgefallen, die gerade andeuten könnte, dass man mit bestimmten Darmmykobiomorganismen auch therapeutische Erfolge erzielen könnte (Han et al., 2026).
Literatur
Han, Geongoo, Rebecca Yunker, Mohammad H. Hasan, Alex Bruce, Kellie Baldaro, Jessica Pacia, Nicholas N. Jarjour, Lalit K. Beura & Shipra Vaishnava (2026): A host-adapted commensal fungus from pet store mice drives type 2 immunity and cross-kingdom protection. – iScience 29(8): 117169 oder im Abstract-Archiv.
Hetterich, J. & M. Pees (2025): Case Report: Oral fecal microbiota transplantation in a Mediterranean spur-thighed tortoise (Testudo graeca) suffering from chronic gastrointestinal disease-procedure, clinical outcome and follow-up. – Frontiers in Veterinary Science 12: 1560689 oder im Abstract-Archiv.
Liao, Yuhong, Hao Fu, Ganlin Lv, Huihui Quan, Qing Qiu, Huahua Mao, Jubin Xing, Zirui Wang, Qingman Yang & Xionge Pi (2026): Novel Endogenous Probiotics Enhance Host Intestinal Health, Liver Immune Capacity, Meat Nutritional Composition, and Aquatic Environmental Quality in Pelodiscus sinensis. – Aquaculture Nutrition 2026(1): 7893677 oder im Abstract-Archiv.
Mills, Taylor, Julia M. Vinzelj, Emma R. Cook, Emma Mills, Alexander J. Rurik, Jason W. Dallas, Donald M. Walker, Paul A. Stone, Cameron D. Siler, Mostafa S. Elshahed & Noha H. Youssef (2026): Exploring the diversity and community structure of the Testudines fecal mycobiome. – bioRxiv 2026.04.22.720109 oder im Abstract-Archiv.
Nousias, Orestis, Fiona G. Duffy, Isabelle J. Duffy, Mark McCauley, Jenny Whilde & David J. Duffy (2026): Long-read nanopore shotgun metagenomic DNA sequencing for river biodiversity, wildlife, pollution, and environmental health monitoring. – NAR Genomics and Bioinformatics 8(2): lqag040 oder im Abstract-Archiv.
Rosenn, Eric H., Maayan Zuniga, Maya Lipshitz, Eryn Fox, Max Engel & Giulio Maria Pasinetti (2026): The cervicovaginal gut microbiota axis as a key determinant of systemic physiology. – Gut Microbes 18(1): 2726648; DOI: 10.1080/19490976.2026.2726648 (externer Link).
Pillai, Sabitha Sasidharan & Ambika P. Ashraf (2026): Gut Microbiota and Metabolic Health: From Dysbiosis to Therapeutics. – Diabetes Therapy 17(4): 483-497; DOI: 10.1007/s13300-026-01851-x (externer Link).
Wu, B., L. Huang, J. Chen, Y. Zhang, J. Wang & J. He (2021): Gut microbiota of homologous Chinese soft-shell turtles (Pelodiscus sinensis) in different habitats. – BMC Microbiology 21(1): 142 oder im Abstract-Archiv.
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Emydoidea blandingii – Amerikanische Sumpfschildkröte