Lavigne, Alessia Marialydia, Richard Baxter, Eric Blais, Mark Brown, Robert Bullock, Christina Marques, Angelin Bernardis Sanders, Nirmal Jivan Shah, Chris Tagg, Elisabeth Wareing, James Wareing & Nicola Hemmings (2026): High Early Embryo Mortality and Low Hatching Success Observed in Aldabra Giant Tortoise Populations. – Ecology and Evolution 16(7): e73862.
Eine hohe Embryonensterblichkeit und sehr niedrige Schlupfraten die bei Populationen der Aldabra-Riesenschildkröte beobachtet werden.
DOI: 10.1002/ece3.73862 (externer Link)

Aldabrachelys gigantea,
© Hans-Jürgen Bidmon
Schildkröten sind stark bedroht und dennoch unzureichend erforscht, insbesondere hinsichtlich ihrer Fortpflanzungsmerkmale und frühen Lebensstadien. Bei langlebigen Arten kann die ausschließliche Verwendung von Daten aus Erhebungen bei adulten Tieren Fortpflanzungsversagen jahrzehntelang verschleiern, bevor ein Rückgang der Populationen sichtbar wird. Diese Wissenslücke zeigt sich deutlich bei den Aldabra-Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea), obwohl diese Art häufig bei Artenschutz-Umsiedlungen und der Wiederherstellung von Ökosystemen eingesetzt wird. Wir präsentieren vorläufige Daten zum Befruchtungserfolg, zum Überleben früher Embryonen und zum Schlupferfolg bei einer natürlichen und fünf umgesiedelten Populationen auf den Seychellen. Von 317 Eiern aus 24 Gelegen schlüpften nur 16 % erfolgreich. Die meisten fehlgeschlagenen Eier (97 %) waren unentwickelt. Unter Verwendung neu entwickelter mikroskopischer Methoden zur Beurteilung der Eifertilität liefern wir die ersten Vergleiche der Befruchtungs- und Schlupfresultate auf Populationsebene für diese Art. Obwohl die Stichprobengrößen begrenzt sind, deuten unsere Ergebnisse auf einen geringen und variablen Schlupferfolg hin, der in erster Linie auf die Embryonalsterblichkeit zurückzuführen ist. Ein vollständiges Scheitern des Geleges war häufig (67 %), und die Embryonalsterblichkeit war selbst bei Gelegen vorherrschend, die einen gewissen Schlupferfolg aufwiesen. Die Schlupfraten lagen bei den umgesiedelten Populationen bei(0 %–26 %) im Vergleich zu einer natürlichen Population auf dem Aldabra-Atoll (46 %) deutlich reduziert und lagen alle unter den historischen Schätzungen von vor etwa 50 Jahren (60 %–80 %). Wir stellten zudem einen negativen Zusammenhang zwischen dem Schlupferfolg und einem Index für menschliche Eingriffe fest, wobei dieses Ergebnis angesichts der geringen Stichprobengröße mit Vorsicht interpretiert werden sollte. Diese Erkenntnisse liefern die ersten Daten zum Fortpflanzungserfolg für umgesiedelte Populationen der Aldabra-Riesenschildkröte und die ersten für diese Art seit fünf Jahrzehnten. Wir vertreten die Ansicht, dass die Einbeziehung von Produktivitätskennzahlen in Überwachungskonzepte unerlässlich ist, um Vorhersagen zur Anfälligkeit zu verbessern und eine effektive Artenschutzverwaltung zu ermöglichen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Während der negative Einfluss des Menschen in Bezug auf die Veränderung der natürlichen Umweltbedingungen (H-Index) durchaus verständlich ist, muss man bei dieser Studie festhalten, dass die Ursachen für die hohe frühe Embryosterblichkeit völlig unklar sind (siehe dazu auch Hunter et al. 2026). Zur Lösung des Rätsels sollte man sich aber zukünftig auf die natürliche noch große Population auf Aldabra konzentrieren, denn ich denke, dass hier nicht nur der Klimawandel die Befruchtungseffizienz und insbesondere die Embryosterblichkeit auch durch genetisch bedingte Faktoren bedingt sein könnten, die man dann natürlich auch bei den von dort stammenden umgesiedelten Populationen sehen würde. Sich negativ auswirkende genetische Flaschenhälse wird man, wenn überhaupt, zumindest kurzfristig nicht rückgängig machen können. Zudem sollten inselbewohnende Spezies deren Populationen auch leicht, wenn z. B. Beutegreifer fehlen, in die Situation einer Überbesiedlung geraten können, die eventuell auch biologische Anpassungen induzieren (z. B. Stress, Tracy et al., 2006) könnte, um diese Situation zu entschärfen. Dazu könnten z. B. ressourcenabhängige Faktoren (Mineral- Vitamin- etc. Mangel) zu einer erhöhten Embryosterblichkeit führen. Außerdem wäre es wohl auch angeraten einmal diese natürliche Situation mit der in den Nachzuchtstationen für Aldabra-Riesenschildkröten, die ja noch regelmäßig in den Handel kommen, zu vergleichen, denn dort müsste man eigentlich recht zügig ermitteln können, ob es sich hier, um sich unter natürlichen Verhältnissen verschlechternde Inkubationsbedingungen handeln könnte.
Literatur
Hunter, Christina, Deborah S. Bower, Richard A. Peters & James U. Van Dyke (2025): Reversing global causes of juvenile recruitment loss as a means to recover endangered freshwater turtles. – Biological Reviews 101(2): 926-943 oder im Abstract-Archiv.
Tracy, C. R., K. E. Nussear, T. C. Esque, K. Dean-Bradley, C. R. Tracy, L. A. DeFalco, K. T. Castle, L. C. Zimmerman, R. E. Espinoza & A. M. Barber (2006): The importance of physiological ecology in conservation biology. – Integrative and Comparative Biology 46(6): 1191-1205 oder im Abstract-Archiv.
Galerien
Aldabrachelys gigantea – Aldabra-Riesenschildkröte