Tromp, Jared J., Mohd Uzair Rusli, David T. Booth & Graeme C. Hays (2026): Changes in breeding periodicity of a long-lived vertebrate over 30 years. – Royal Society Open Scienc 13(9): rsos260642.
Veränderungen bei den Perioden zwischen den Eiablagen für ein langlebiges Wirbeltier über 30 Jahre.
DOI: 10.1098/rsos.260642 (externer Link)

Chelonia mydas,
© Hans-Jürgen Bidmon
Veränderungen in der Fortpflanzungsperiodizität bei Wirbeltieren können wichtige Trends in der Populationsdemografie aufzeigen, die Auswirkungen auf den Artenschutz haben. Nach umfassenden Schutzmaßnahmen haben einige zuvor gefährdete Arten in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet eine Erholung ihrer Populationen verzeichnet, wobei die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) ein Paradebeispiel für die weltweite Erholung von Arten darstellt. An Standorten im Indopazifik hat sich die Zahl der Nistplätze der Grünen Meeresschildkröte in 30 Jahren vervierfacht. Da Meeresschildkröten in der Regel nicht jährlich brüten, haben wir insgesamt 1.399 Messungen des Brutintervalls bei markierten Individuen herangezogen, um nachzuweisen, dass der relative Anteil der Individuen, die im 4-Jahres-Intervall gegenüber dem 3-Jahres-Intervall brüten, im Laufe der Zeit zugenommen hat: 28 % im Zeitraum 1997-2012 gegenüber 37 % im Zeitraum 2013–2024. Darüber hinaus stand dieser prozentuale Anteil der 4- gegenüber den 3-jährigen Nistintervallen in Zusammenhang mit der jährlichen Nestanzahl (R² = 0,23, F₁₅,₂₃ = 6,92, p = 0,01). Diese Verlängerung des Brut- (Rückwanderungs-)Intervalls könnte auf Dichteabhängigkeit hindeuten, die den Nahrungserfolg einschränkt, sodass die Tiere mehr Zeit benötigen, um ihre körperliche Verfassung für die Wanderung und die Fortpflanzung aufzubauen. Diese Ergebnisse liefern den ersten Nachweis für eine langfristige Verlängerung der Brutintervalle bei dieser Art und könnten wichtige globale Auswirkungen auf den Artenschutz haben, da sie eine Verringerung der pro Kopf erzielten Fortpflanzungsleistung bedeuten – ein Befund, der jüngste Beobachtungen bei Walen widerspiegelt.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Bislang wurden ja die Erfolge beim Niststrandschutz dahingehend positiv interpretiert, dass man heute an den jeweiligen Niststränden immer mehr kleinere und jüngere Weibchen beobachtet, die dorthin zurückkehren, wobei dies aber bislang meist für Caretta caretta beschrieben wurde (Le Gouvello et al., 2020; Margritoulis et al.,2025). Hier deutet sich aber auch erstmals zumindest für die überwiegend herbivore Chelonia mydas an, dass deren Nahrungsgründe entweder durch den Klimawandel oder durch Überweidung der verbliebenen Seegrasbestände eine optimale Ernährung in dem Umfang wie früher nicht mehr gewährleisten. Insofern muss sich zukünftig zeigen, ob und eventuell bei welchen Niststrandpopulationen weitere Bestandsaufstockungen den Langzeiterfolg eher gefährden als fördern würden. Siehe auch Cardona et al. (2010) und Russel & Balazs (2009).
Literatur
Cardona, L., P. Campos, Y. Levy, A. Demetropoulos & D. Margaritoulis (2010): Asynchrony between dietary and nutritional shifts during the ontogeny of green turtles (Chelonia mydas) in the Mediterranean. – Journal of Experimental Marine Biology and Ecology 393(1-2): 83-89 oder im Abstract-Archiv.
Le Gouvello, D. Z. M., M. Girondot, S. Bachoo & R. Nel (2020): The good and bad news of long-term monitoring: an increase in abundance but decreased body size suggests reduced potential fitness in nesting sea turtles. – Marine Biology 167(8): 112 oder in Abstract-Archiv.
Margaritoulis, Dimitris, Alan F. Rees & Thomas E. Riggall (2025): Exponential Increase in a Loggerhead Sea Turtle Nesting Population: Investigating the Role of Multi-decadal Nest Protection in Kyparissia Bay, Greece. – Zoological Studies 64: e29 oder im Abstract-Archiv.
Russell, D. F. & G. H. Balazs (2009): Dietary Shifts by Green Turtles (Chelonia mydas) in the Kāne'ohe Bay Region of the Hawaiian Islands: A 28-Year Study. – Pacific Science 63(2): 181-192 oder im Abstract-Archiv.
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Chelonia mydas – Grüne Meeresschildkröte