Hillyard, Lara B., Nancy Bunbury, Christopher N. Kaiser-Bunbury, Dave Hodgson, Luke A'Bear, Cheryl L. Sanchez, Christopher W. Jones, April Burt, Frauke Fleischer-Dogley & Dave W. Hudson (2026): Inferring the Abundance of an Island Megaherbivore from Semi-Structured Distance Sampling. – Ecology and Evolution 16(9): e74282.
Die Abschätzung der Vorkommenshäufigkeit für eine Inselmegaherbivore mittels einer semi-strukturierten Distanzstichprobenverfahrens.
DOI: 10.1002/ece3.74282 (externer Link)

Aldabrachelys gigantea,
© Hans-Jürgen Bidmon
Ein zentraler Bestandteil von Artenschutzprojekten ist die Schätzung und Überwachung der Bestandsgröße von Zielarten, sowohl räumlich als auch zeitlich. Die Überwachung von Wildtieren ist komplex und beruht auf der Erkennung, die wiederum von den Umweltbedingungen, den Phänotypen und dem Verhalten der überwachten Arten abhängt. Aldabra-Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea) sind als Ökosystemingenieure, Schlüsselarten und ökologische Ersatzarten von großer Bedeutung. Eine genaue Überwachung ist unerlässlich, um sowohl die Größe und Dynamik ihrer heimischen und umgesiedelten Populationen als auch den Einfluss der Art auf das gesamte Ökosystem zu verstehen. Trotz einer langen Geschichte organisierter Forschung und Bestandserhebungen in ihrem heimischen Verbreitungsgebiet auf dem Aldabra-Atoll auf den Seychellen wurde bisher kein rigoroser, das gesamte Atoll umfassender Versuch unternommen, die Populationsgröße der Riesenschildkröten zu schätzen. Die Komplexität unregelmäßiger Transektuntersuchungen durch eine Vielzahl von Lebensräumen in mehreren Bereichen des Atolls erfordert den Einsatz statistischer Zustandsraummodelle, die Heterogenitäten sowohl im Bestand als auch in der Erkennbarkeit erfassen. Hier entwickeln wir ein bayessches hierarchisches Distance-Sampling-Modell (HDS), um die lebensraum- und saisonabhängige Nachweisbarkeit und Bestandsgröße der Aldabra-Riesenschildkrötenpopulation auf Aldabra abzuleiten. Zwischen 2018 und 2021 war der Bestand offenbar relativ stabil und umfasste etwa 180.000 Individuen – die bislang höchste Schätzung für diese Population. Wir führen diese Stabilität und hohe Bestandsgröße auf die langjährige Geschichte der Naturschutzbemühungen auf Aldabra zurück, einschließlich der Ausrottung invasiver gebietsfremder Arten, die fortgesetzt und ausgeweitet werden sollten. Wir stellen einen reproduzierbaren Arbeitsablauf für bayessche Distance-Sampling-Methoden unter Verwendung von Datenaugmentation (KI-gestützte Datenerweiterung) und habitatabhängiger Nachweisbarkeit bereit und empfehlen dessen Anwendung auf ältere Datensätze sowie zukünftige Bestandserhebungen für ähnliche Arten. Diese Methoden ermöglichen eine robuste Ableitung von Bestandsgröße und Nachweisbarkeit, selbst wenn die Daten unregelmäßig oder uneinheitlich erhoben wurden, und bieten einen Rahmen für die Integration älterer Datensätze in moderne Naturschutz-Workflows.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Arbeit verweist auf eine relativ individuenstarke und stabile sehr große Populationsabschätzung. Dennoch wäre ich dabei vorsichtig, denn sie sagt eigentlich wenig über die Verteilungsmuster und die genetische Diversität innerhalb der Gesamtpopulation aus.
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Aldabrachelys gigantea – Aldabra-Riesenschildkröte