Waldschildkröte, Chelonoidis denticulata, zwei in freier Wildbahn während einer Studie gefundene Exemplare – © Thais Queiroz Morcatty
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Strong- 2026 - 02

Strong, Joel N. & José M. V. Fragoso (2026): Density, Biomass, and Population Structure of Red-Footed Tortoises (Chelonoidis carbonarius) and Yellow-Footed Tortoises (Chelonoidis denticulatus) in the Northern Amazon, Brazil. – Herpetological Conservation and Biology 21(2): 352-362.

Die Bestandsdichte, Biomasse und Populationsstruktur für Köhlerschildkröten (Chelonoides carbonarius) und Waldschildkröten (Chelonoidis denticulatus) im nördlichen Amazonasgebiet, Brasilien.

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Köhlerschildkröte, Chelonoidis carbonaria, – © Hans-Jürgen Bidmon
Köhlerschildkröte,
Chelonoidis carbonaria,
© Hans-Jürgen Bidmon

Köhlerschildkröten (Chelonoidis carbonarius) und Waldschildkröten (C. denticulatus) sind in Südamerika sowohl ökologisch als auch sozioökonomisch von Bedeutung, da sie als Samenverbreiter fungieren und für ländliche sowie indigene Gemeinschaften wichtige Wildarten darstellen. Leider gehen die Bestände beider Arten zurück, und dennoch fehlen uns grundlegende Daten zur Populationsstruktur und Biologie, die bei der Entwicklung von Managementstrategien zum Schutz dieser Arten helfen könnten. Wir nutzten Distanzstichproben entlang von Linientransekten und Zufallsfänge, um von Januar 2002 bis Juli 2004 die Dichte, Biomasse und Populationsstruktur der Schildkrötenbestände im nordwestlichen Amazonasgebiet Brasiliens zu schätzen. Die geschätzten Bestandsdichten betrugen 0,45 Individuen/ha für C. carbonarius und 0,10 Individuen/ha für C. denticulatus, wobei ein Verhältnis von 4,38:1 zwischen C. carbonarius und C. denticulatus festgestellt wurde. Das Geschlechterverhältnis (Männchen : Weibchen) betrug 4,83:1 bei C. carbonarius und 3,00:1 bei C. denticulatus; die geschätzte Biomasse lag bei 2,87 kg/ha bzw. 0,61 kg/ha. Jungtiere machten 8 % der C. carbonarius-Population aus, während bei C. denticulatus keine Jungtiere gefunden wurden. An unserem Untersuchungsstandort waren die C. carbonarius etwas größer, während die C. denticulatus kleiner waren als Populationen in den südlichen Kerngebieten des Verbreitungsgebiets dieser Arten. Die kombinierten Biomasse-Schätzungen liegen über den für alle anderen Wildarten am Untersuchungsstandort gemeldeten Werten. Diese Daten liefern Basisinformationen zur Populationsgröße für nicht bejagte Populationen dieser Arten in einem Gebiet mit einer relativ ungestörten Flora und Fauna – ein wichtiges Element bei der Entwicklung von Managementstrategien zur Erhaltung lebensfähiger Populationen dieser bedrohten Arten an anderen Orten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher ist es auch heute noch von Interesse zu erfahren, wie die Bestandsdichten für diese Arten vor etwas mehr als 20 Jahren in einem laut Aussage der Autoren relativ ungestörten Lebensraum ausgesehen haben. Allerdings weiß man auch da nicht, wie viele auch hier schon abgesammelt worden waren. Zudem sollte man sich auch die Frage stellen, warum dieser Lebensraum noch ungestört war? Handelte es sich dabei vielleicht um eine vergleichsweise wenig fruchtbare Region, die deshalb von der Bevölkerung weniger genutzt wurde als vergleichsweise ertragreiche Flächen? Letztendlich wäre es aber auch wichtig, wie die Bestandsdichten dort aktuell aussehen. Haben sie sich verschlechtert oder sind die Bestände noch in gleicher Dichte vorhanden? Diese Fragen müssen eigentlich zusätzlich Berücksichtigung finden, damit man einschätzen kann, ob diese Studie für aktuelle Schutzbemühungen als eine anzustrebende Bestandsdichte dienen kann. Ja und selbst dann wäre das ja auch nur für diesen Lebensraum erstrebenswert, da man ja davon ausgehen müsste, dass dieser Lebensraum für höhere Bestandsdichten nicht genug Ressourcen bereitstellen würde. Siehe dazu auch den Kommentar zu Bertolero et al. (2007).

Literatur

Bertolero, A., D. Oro, & A. Besnard (2007): Assessing the efficacy of reintroduction programmes by modelling adult survival: the example of Hermann’s tortoise. – Animal Conservation 10(3): 360-368 oder im Abstract-Archiv.

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