Esposito, Mauro, Sara Lambiase, Roberto Miniero, Cynthia C. Muñoz, Peter Vermeiren, Fulvio Maffucci, Gianfranco Brambilla, Sandra Hochscheid, Pasquale Gallo & Silvia Canzanella (2026): Occurrence and toxicological assessment of PCDD/Fs and PCBs in loggerhead turtle eggs undergoing climate-induced nesting expansion in the southern Tyrrhenian Sea. – Aquatic Toxicology 298: 107881.
Das Vorkommen und der toxikologische Nachweis von PCDD/Fs und PCBs in Eiern der Unechten Karettschildkröte, die aufgrund des Klimawandels ihre Eiablageregionen in der Tyrrhenischen-See ausweiten.
DOI: 10.1016/j.aquatox.2026.107881 (externer Link)

Caretta caretta,
© Hans-Jürgen Bidmon
Meeresverschmutzende Stoffe wie polychlorierte Dibenzo-p-dioxine (PCDDs), polychlorierte Dibenzofurane (PCDFs) und polychlorierte Biphenyle (PCBs) können den Schutz gefährdeter Wildtierarten wie der Unechten Karettschildkröte (Caretta), der häufigsten Meeresschildkrötenart im Mittelmeer, ernsthaft gefährden. Die vorliegende Studie untersucht das Vorkommen von PCDD/Fs und DL-PCBs in 26 Eiproben von Unechten Karettschildkröten, die an den Küsten der Region Kampanien nisten, die als wichtiger neuer Nistplatz im südlichen Tyrrhenischen Meer gilt, nachdem sich das Nistgebiet aufgrund des Klimawandels ausgeweitet hat. Im gesamten Untersuchungsgebiet (einschließlich neuer, aufkommender Nistplätze im Norden) wurde eine chronische Präsenz einer Mischung aus PCDD/Fs und PCBs festgestellt, wobei die Kontaminationswerte in den Eiern (berechnet unter Verwendung von Vogel-TEFs) zwischen 2,01 und 33,32 pg TEQ g-1 Lipid für PCDD/ Fs und 3,99 bis 62,98 pg TEQ g-1 Lipid für DL-PCBs. Diese Ergebnisse deuten auf ein mögliches toxikologisches Risiko für Embryonen und Jungtiere hin. Dennoch wurden keine signifikanten Korrelationen zwischen den Kontaminationswerten der Eier und den Fortpflanzungsparametern, einschließlich Gelegegröße, Schlupferfolg und Schlupfrate, beobachtet. Im Gegensatz dazu zeigten Klimafaktoren, insbesondere extremes Wetter, Unterschiede zwischen Nord und Süd und waren mit einem geringeren Schlupferfolg verbunden. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, bei der Risikobewertung für marine Megafauna, deren Verbreitungsgebiet sich klimabedingt ausdehnt, die vielfältigen Belastungen durch Klima und Umweltverschmutzung zu berücksichtigen. Diese Studie liefert wichtige Daten zur Kontamination der an den Küsten der Region Kampanien nistenden Unechten Karettschildkrötenpopulation und berichtet über die erste Bewertung der PCDD/F-Konzentrationen in Eiern dieser Art. Diese Basisdaten liefern wertvolle Informationen für zukünftige ökotoxikologische Bewertungen und Schutzstrategien, die auf die Erhaltung dieser Art im Mittelmeerraum abzielen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Studie liefert eigentlich gleich zwei wichtige Befunde nämlich sie belegt sehr ausführlich, dass Meeresschildkröten versuchen sich dem Klimawandel anzupassen, indem sie ihre Nistregionen ausdehnen und sie verweist auch auf mögliche Gefährdungen die ihnen dabei menschengemacht zum Verhängnis werden könnten. Sicher ist nicht klar wo die Schildkrötenweibchen diese toxischen Substanzen aufgenommen haben, die sich jetzt in den Gelegen nachweisen lassen, aber da es sich um Nistpopulationen aus dem Mittelmeer handelt darf man wohl davon ausgehen, dass einige der Nahrungsgründe dort schon ziemlich belastet sind. Dabei kann es auch sein, dass bestimmte der neu aufgesuchten Küstenabschnitte und Gewässer besonders belastet sind. Wieder mal eine schöne Arbeit, die darauf verweist, wie schwierig es werden kann, Biodiversitätserhalt zu gewährleisten, wenn wir auf der anderen Seite mit unserem Tun und Wirtschaften dem entgegenwirken. Mich machen dann solche Vorwürfe nachdenklich, wie „es gäbe einen Mangel an wissenschaftlichen Beweisen für die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen“ gepaart oft mit dem Ruf nach noch mehr „Monitoring“ (Überwachung, Bestandserfassung siehe Editorial, Nature 650: 8100, p. 7-8; 2026 (https://www.nature.com/articles/d41586-026-00309-1)), wenn wir auf der anderen Seite ständig weiter dafür sorgen, dass das Überlebensrisiko für die Arten immer weiter ansteigt. Es wäre doch sehr wahrscheinlich sinnvoller solche Arbeiten wie die von z. B. Wolfram et al. (2026) einmal ernst zu nehmen und anfangen diese Gefährdungen wirklich einzudämmen, damit auch langfristig der Schutzerfolg für Arten nachgewiesen werden kann. Manchmal hat man fast den Eindruck, dass dabei Autokratien, auf einzelne Maßnahmen hin ausgerichtet, wesentlich besser verhalten (Xiong et al. 2026).
Literatur
Xiong, Fangyuan, Zhongyang Li, Sébastien Brosse, Julian D. Olden, Steven J. Cooke, Bo Yang, Ying Lu, Wenqi Gao, Wei Xin 6amp; Yushun Chen (2026): Fishing ban halts seven decades of biodiversity decline in the Yangtze River. – Science 391(6786): 719-723; DOI: 10.1126/science.adu5160 (externer Link).
Wolfram, Jakob, Dino Bussen, Sascha Bub, Lara L. Petschick, Larissa Z. Herrmann & Ralf Schulz (2026): Increasing applied pesticide toxicity trends counteract the global reduction target to safeguard biodiversity. – Science 391(6785): 616-621 oder im Abstract-Archiv.
Galerien
Caretta caretta – Unechte Karettschildkröte