Grüne Meeresschildkröte, Chelonia mydas, ein Albino-Schlüpfling – © Justin R. Perrault

Hays - 2026 - 01

Hays, Graeme C., Kimberley L. Stokes, Giulia Cerritelli, Daniel P. Costa, Arina B. Favilla, Paolo Luschi, Matthew Rutishauser, Jared Tromp & Nicole Esteban (2026): Records of compass heading for long-distance ocean migrators show mid-ocean reorientation. – Science Advances 12(26): eaed8113.

Aufzeichnungen des Kompasskurses für ozeanische Langstreckenwanderer zeigen mitten im Ozean stattfindende Orientierungsanpassungen.

DOI: 10.1126/sciadv.aed8113 (externer Link)

Grüne Meeresschildkröte, Chelonia mydas, – © Hans-Jürgen Bidmon
Grüne Meeresschildkröte,
Chelonia mydas,
© Hans-Jürgen Bidmon

Die Mechanismen, mit denen Tiere während langer Ozeanwanderungen zu bestimmten Zielen navigieren, bleiben trotz über eines Jahrhundert der Forschung unklar. Um diese Frage zu klären, haben wir einen neuen Sender entwickelt und eingesetzt, der es ermöglichte, den Kompasskurs der Wanderer per Satellit fernübertragen zu lassen. Bei transozeanischen Wanderungen (>1.000 Kilometer und durchschnittliche Dauer 27,5 Tage) zwischen Nist- und Nahrungsgebieten neigten Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) dazu, bestimmte Abschnitte der Reise mit einem konstanten Kompasskurs zurückzulegen, selbst wenn dies sie vom Kurs abbrachte, bevor sie sich neu orientierten. Dieses Verhalten ist in Übereinstimmung mit der Annahme, dass sie geomagnetische Richtungsweiser oder andere ungenauere Karteninformation nutzen um damit dann eine ab und zu stattfindende erleichtere Kurskorrektur durchzuführen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit beschreibt sehr schön, wie Suppenschildkröten ihre Langstreckenwanderungen durchführen, wobei sie auf offener See diese groben Magnetkarten nutzen wobei sie nahe der Küstenlinie wahrscheinlich anhand anderer Signale eine schnelle Feinorientierung praktizieren. Die Arbeit belegt auch wie frühere, dass kräftige Schwimmer sind, die nur selten von zu starken Meeresströmungen vom Kurs abgebracht werden können. Wie genau und warum sie diese magnetsinngesteuerte Wanderstrategie verfolgen ist bislang laut der Ausführungen in der Diskussion noch nicht völlig verstanden. Aber dafür könnte es vielleicht sogar eine einfache Erklärung geben, denn manchmal kann einen eine grobe Richtungsorientierung, die man erst beim Erkennen des Ziels durch Feinjustierung ersetzt schneller ans Zielbringen, als wenn man bei noch großer Entfernung anhand noch ungenauerer Signale ständig versucht eine Feinorientierung durchzuführen bei der sich auch kleine Fehlentscheidungen über die gesamte Wanderstrecke aufsummieren können. Siehe dazu auch Goforth et al. (2025); Mackiewicz et al. (2025); Hays et al. (2020); Lohmann et al. (2008).

Literatur

Goforth, K. M., C. M. F. Lohmann, A. Gavin, R. Henning, A. Harvey, T. L. Hinton, D. S. Lim & K. J. Lohmann (2025): Learned magnetic map cues and two mechanisms of magnetoreception in turtles. – Nature 638: 1015–1022 oder im Abstract-Archiv.

Hays, Graeme C., Giulia Ceritelli, Nicole Esteban, Alex Rattray & Paolo Luschi (2020): Open Ocean Reorientation and Challenges of Island Finding by Sea Turtles during Long-Distance Migration. – Current Biology 30(16): 3236-3242.e3; DOI: 10.1016/j.cub.2020.05.086 (externer Link).

Lohmann, Kenneth J. Nathan F. Putman & Catherine M. F. Lohmann (2008): Geomagnetic imprinting: A unifying hypothesis of long-distance natal homing in salmon and sea turtles. – Proceedings of the Natural Academy of Science U.S.A. 105(49): 19096-19101; DOI: 10.1073/pnas.0801859105 (externer Link).

Mackiewicz, Alayna G., Abigail M. Glazener, Kayla M. Goforth, Dana S. Lim, Catherine M. F. Lohmann & Kenneth J. Lohmann (2025): Disruption of the sea turtle magnetic map sense by a magnetic pulse. – Journal of Experimental Biology 228(22): jeb251243 oder im Abstract-Archiv.

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