Han, Geongoo, Rebecca Yunker, Mohammad H. Hasan, Alex Bruce, Kellie Baldaro, Jessica Pacia, Nicholas N. Jarjour, Lalit K. Beura & Shipra Vaishnava (2026): A host-adapted commensal fungus from pet store mice drives type 2 immunity and cross-kingdom protection. – iScience 29(8): 117169.
Ein an den Wirt-angepasster kommensaler Pilz der bei Mäusen in Zoohandlungen vorkommt, fördert die Typ-2-Immunität und liefert einen das Tierreich überspannenden Schutz.
DOI: 10.1016/j.isci.2026.117169 (externer Link)

Clemmys guttata,
© Hans-Jürgen Bidmon
Die Modelle „Naturalich“, „Wild“, und „Dreckig“ bzw. Mäuse aus Zoohandlungen stellen ein Spektrum von Ansätzen dar, die darauf abzielen, Labormäuse immunologisch und physiologisch stärker an Wild- oder menschliche Kontexte anzupassen, indem sie verstärkt natürlich vorkommenden Mikroben und Krankheitserregern ausgesetzt werden. In dieser Studie haben wir das Darmmykobiom von Mäusen aus Zoohandlungen untersucht und Kazachstania pintolopesii als dominanten Pilz bei Mäusen aus Zoohandlungen an verschiedenen geografischen Standorten identifiziert. K. pintolopesii-Stämme, die aus Mäusen in geografisch unterschiedlichen Zoohandlungen isoliert wurden, besiedeln den Magen-Darm-Trakt von Labormäusen stabil, unabhängig von der Zusammensetzung der Darmflora, und sorgen über längere Zeiträume für eine hohe Pilzlast. K. pintolopesii entwickelte sich in konventionellen, mit Antibiotika behandelten und keimfreien Umgebungen rasch zum dominanten Pilz im Mäusedarm und verdrängte dabei andere, nicht von Mäusen stammende Pilzstämme. Der aus Tierhandlungen stammende K. pintolopesii wies einzigartige immunologische Eigenschaften auf, die sich von typischen Antimykotika-Reaktionen unterschieden. Im Gegensatz zur Besiedlung durch C. albicans induzierte K. pintolopesii weder eine Zunahme zirkulierender Neutrophilen noch Th17-Zellpopulationen in der Darmschleimhaut. Bei systemischer Verabreichung zeigten mit K. pintolopesii infizierte Mäuse eine Überlebensrate von 100 % bei minimaler Pilzlast in den Nieren, was in scharfem Kontrast zu letalen C. albicans-Infektionen stand. Ein adaptiver Immundefekt (Rag1-Knockout-Mäuse) hatte keinen Einfluss auf die Besiedlung durch K. pintolopesii oder die Wirtsreaktion, was darauf hindeutet, dass die durch B- und T-Zellen vermittelte Immunität diesen Pilz nicht hemmt. Die Besiedlung durch K. pintolopesii bot keinen Kreuzschutz gegen systemische Candidiasis, was das Fehlen einer Immunaktivierung weiter untermauert. Diese Ergebnisse zeigen, dass K. pintolopesii durch neutrophilenunabhängige Mechanismen eine gutartige Wirt-Pilz-Beziehung aufbaut, wobei die klassische antimykotische Immunaktivierung vermieden wird und gleichzeitig eine stabile Besiedlung des Darms aufrechterhalten wird. Stattdessen induziert er selektiv starke Typ-2-Immunantworten der Schleimhaut, erhöht die Anzahl der Tuften und Becherzellen und stimuliert Th2- sowie Gruppe-2-Populationen der angeborenen lymphoiden Zellen (ILC2). Dieses Immunprofil verleiht einen bemerkenswerten Schutz vor Infektionen mit Darmnematoden, was durch eine verringerte Anzahl von Heligmosomoides polygyrus-Eiern belegt wird. Insgesamt dient K. pintolopesii als exemplarisches Modell für kommensale Mykobiota und offenbart spezifische Mechanismen der Wirts-Toleranz und Immunmodulation.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Arbeit beschäftigt sich in keiner Weise mit Schildkröten, liefert aber interessante Ergebnisse, die auch für Zootierärzte von Bedeutung sein können und die eventuell auch für jene von Interesse sein können, die sich über alternative Behandlungsmethoden bei Reptilien und Schildkröten Gedanken machen oder danach suchen (Minnich et al., 2026). Zumindest verdeutlicht diese Studie aber in welche Richtung zukünftige Forschung gehen sollte, um so manche noch offene Frage zu beantworten und um vielleicht auch bessere Behandlungserfolge zu erzielen. In der gesunden Natur halten sich ja auch krankmachende und vor Krankheit-schützende Keime die Waage, die sich aber auch durch Umweltveränderungen, übertriebene Hygiene, auch in das eine oder andere verschieben können. Genau das wird auch oben im einleitenden Satz (Wild, dreckig) erwähnt. Ja und nicht zuletzt stimmt das auch mit so mancher von Schildkrötenhaltern/innen gemachten Beobachtung überein, dass zu häufiger Wasserwechsel des Öfteren auch mit bakteriellen Hautveränderungen einhergeht (z. B. Krolak & Bidmon, 2016). Manchmal kann dabei auch eine bestimmte Art der Fütterung unterstützend wirksam sein (Bidmon, 2016).
Literatur
Bidmon, H.-J. (2016): Which role may freshly molted (white) insect pupae play in the diet of omnivorous or carnivorous turtles or does self-medication occur in turtles? Commented observations – Schildkröten im Fokus Online 2016(4): 1-8 oder im Artikel-Archiv.
Krolak, Monika & Hans-Jürgen Bidmon (2016): Klärung von Gesundheitsproblemen im Internet: Hilfegesuch bei der Haltung einer Tropfenschildkröte, Clemmys guttata. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 13(2): 22-25 (externer Link).
Minich, David J., Anthony J. Cerreta, Alexis Nix, Daniel Thompson, Lilyvette Barajas, Ashley Portala, Dania Gamez, Allison Sacerdote-Velat, Matthew R. O'Connor, Jennifer M. Reinhart, Sherry Cox, Laura Adamovicz, Karisa N. Tang & Matthew C. Allender (2026): 12-month clinical trial of bioencapsulated terbinafine yielded inconsistent resolution for the treatment of Emydomyces testavorans in the Blanding's turtle (Emydoidea blandingii). – American Journal of Veterinary Research 2026: 1-6; Online ahead of print oder im Abstract-Archiv.
Wu, B., L. Huang, J. Chen, Y. Zhang, J. Wang & J. He (2021): Gut microbiota of homologous Chinese soft-shell turtles (Pelodiscus sinensis) in different habitats. – BMC Microbiology 21(1): 142 oder im Abstract-Archiv.
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Clemmys guttata – Tropfenschildkröte