Woolrich-Piña, Guillermo A., Geoffrey R. Smith, Jesús A. Loc-Barragán, Rafael Loaiza-Ramírez, Erik J. Torres-Romero & Julio A. Lemos-Espinal (2026): Thermal ecology of three potentially at-risk species of Mexican kinosternid turtles. – Neotropical Biology and Conservation 21(1): 87-100.
Die thermische Ökologie für drei potentiell gefährdete mexikanische Wasserschildkröten aus der Gattung der Kinosternidae.
DOI: 10.3897/neotropical.21.e186009 (externer Link)

Kinosternon cora,
© Jesus A. Loc-Barragan
Über die thermische Ökologie mexikanischer Kinosterniden-Schildkröten ist überraschend wenig bekannt. Wir untersuchten die Körpertemperaturen von Kinosternon cora, K. durangoense und K. herrerai aus Mexiko. Die mittleren Körpertemperaturen der drei Arten betrugen 25,0 °C für K. cora, 21,9 °C für K. durangoense und 23,3 °C für K. herrerai. Die Körpertemperatur (Tb) bei K. cora stand in einem negativen Zusammenhang mit der Wassertemperatur (Tw). Die Körpertemperaturen bei K. cora lagen unter Tw, und die Unterschiede zwischen Tb und Tw nahmen mit steigender Tw zu. Sowohl bei K. durangoense als auch bei K. herrerai stieg die Tb sowohl mit der Lufttemperatur (Ta) als auch mit der Tw an. Bei K. durangoense war die Tb unterhalb von etwa 22 °C höher als die Tw und oberhalb von etwa 22 °C niedriger als die Tw. Bei K. herrerai war die Tb unterhalb von etwa 23,5 °C höher als die Tw und oberhalb von etwa 23,5 °C niedriger als die Tw. Bei allen drei Arten gab es keine Unterschiede in der Tb zwischen Männchen und Weibchen. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Umgebungstemperaturen – insbesondere die Wassertemperatur – eine Rolle bei der Bestimmung der Körpertemperatur dieser drei mexikanischen Kinosternon-Arten spielen. Unsere Ergebnisse deuten jedoch auch darauf hin, dass diese Schildkröten eine von ihrem aquatischen Lebensraum abweichende Tb aufrechterhalten können, was auf zumindest eine begrenzte Fähigkeit zur Thermoregulation hindeutet.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Arbeit zeigt eigentlich deutlich, dass diese Schildkröten aktiv ihre Körpertemperatur in Abhängigkeit von der Wassertemperatur regulieren. Ob sie dazu zu warmen Wassertemperaturen stärker beschattete Gewässerbereiche oder tiefere kühlere Stellen auswählen, bleibt offen, aber sie könnten auch Sonnenbadeplätze in kurzen Zeitabständen nutzen, um sich über Verdunstungskälte zu kühlen, was auch durch ein Treiben an der Wasseroberfläche erreicht werden kann solange der Carapax nass ist (siehe dazu auch Snover et al. 2015). Hier wäre es sogar möglich, dass sie nächtliche Mondlichtbäder nehmen wie das von Nordberg & McKnight (2020) für Emydura macquarii krefftii beschrieben wurde. Zumindest konnte ich bei Sternotherus minor minor solche nächtlichen Aufenthalte auf entsprechenden Strukturen außerhalb des Wassers bei hohen sommerlichen Temperaturen auch hierzulande schon selbst beobachten.
Literatur
Nordberg, E. J. & D. T. McKnight (2020): Nocturnal basking behavior in a freshwater turtle. – Ecology 101(7): e03048 oder im Abstract-Archiv.
Snover, M. L., M. J. Adams, D. Ashton, J. B. Bettaso & H. H. Welsh Jr. (2015): Evidence of counter-gradient growth in western pond turtles (Actinemys marmorata) across thermal gradients. – Freshwater Biology 60(9): 1944-1963 oder im Abstract-Archiv.
Galerien
Kinosternon durangoense – Durango-Klappschildkröte