White, Emma, Jana Stupavsky, Brandon T. Hastings, Austin Ray, Miguel A. Carretero, Pierre Moisson, Julien Claude, Scott Glaberman & Ylenia Chiari (2026): Drivers of Thermal Habitat Use in Turtles Studied Under Semi‐Natural Conditions. – Ecology and Evolution 16(4): e73325.
Untersuchung der Faktoren, welche die thermische Habitatnutzung bei Schildkröten unter naturnahen Bedingungen beeinflussen.
DOI: 10.1002/ece3.73325 ➚

Indotestudo elongata,
© Abhijit Das
Um zu verstehen, welche Faktoren die Empfindlichkeit von Arten gegenüber dem Klimawandel vorhersagen, sind vergleichende Studien unter standardisierten Bedingungen erforderlich. Reptilien sind besonders anfällig für Klimaveränderungen, da sie zur Regulierung ihrer Körpertemperatur auf Außentemperaturen angewiesen sind. Daher können die vorherrschenden Umgebungstemperaturen ihr Verhalten beeinflussen, da sie nach optimaleren Bedingungen suchen. In dieser Studie haben wir die thermische Habitatnutzung bei 73 Individuen aus neun Schildkrötenarten gemessen, die unter naturnahen Bedingungen an einem einzigen Standort gehalten wurden. Die Umgebungstemperaturen in jedem Gehege wurden zudem drei Monate lang alle 20 Minuten aufgezeichnet, um den Bereich der verfügbaren thermischen Optionen zu bestimmen, was zu über 650.000 Datenpunkten führte. Anschließend verglichen wir die erlebten Habitat-Temperaturen mit den Umweltbedingungen im gesamten natürlichen Verbreitungsgebiet jeder Art. Die erlebten Habitat-Temperaturen stimmten im Allgemeinen mit den natürlichen Bedingungen überein. Allerdings erlebten mehrere Arten – darunter Terrapene carolina, Chelonoidis denticulata und Indotestudo elongata – Lebensraumtemperaturen nahe der Untergrenze des in den Gehegen verfügbaren Spektrums und zeigten nur geringe individuelle Unterschiede, was auf eine begrenzte Fähigkeit zur Verhaltensanpassung unter künftigen Erwärmungsbedingungen hindeutet. Die erlebten Lebensraumtemperaturen unterschieden sich zwischen den Arten und wurden durch die Körpermasse, nicht jedoch durch das Geschlecht beeinflusst. Durch die Bereitstellung des ersten groß angelegten, artenübergreifenden Datensatzes zu den erfassten Lebensraumtemperaturen bei Schildkröten unter standardisierten Bedingungen bietet diese Studie einen Rahmen für die Bewertung der thermischen Anfälligkeit und der Anpassungsfähigkeit als Reaktion auf den Klimawandel. Diese Erkenntnisse fließen auch in Naturschutzbemühungen ein, einschließlich der Gestaltung von Haltungsumgebungen, die die artspezifischen thermischen Bedürfnisse widerspiegeln.

Terrapene carolina,
© Hans-Jürgen Bidmon
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Studie wurde auf Korsika im Schildkrötenzentrum A Cupulatta durchgeführt. Neben den oben Arten waren noch Chelonoidis carbonaria, C. niger, Testudo graeca, T. hermanni, und T. marginata einbezogen. Dabei wurde die Temperatur in den Gehegen aufgezeichnet ebenso wie Carapaxoberflächentemperatur aufgezeichnet. Diese Temperaturdaten wurden dann mit den verfügbaren Temperaturen aus den natürlichen Herkunftsgebieten und dort gemessenen Temperaturen abgeglichen. Die dazu notwendigen Voraussetzungen sowie Ausschlusskriterien sind im umfangreichen Methodenteil der Arbeit ausführlich beschrieben. Die Daten zeigen, dass die Tagestemperaturen für die 3 im Abstract genannten Spezies in zwischen Sonnenplätzen und Schattenplätzen in einem engen Bereich lagen, sodass die Autoren daraus den Schluss ziehen, dass für diese Arten die mit dem Klimawandel ansteigenden Temperaturen bedrohlich werden könnten. Allerdings sollte man bei diesen in den Gehegen gemessen Temperaturen berücksichtigen, dass die Tiere keine zusätzlichen Ausweichmöglichkeiten hatten, die aber natürliche Habitate durchaus bieten könnten. Zusätzlich interessant wäre es gewesen, wenn die Autoren auch Daten zur Luftfeuchte mit erfasst hätten, denn aus meinen eigenen Beobachtungen bei A. radiata scheinen sich die Individuen auch in Bezug zur Luftfeuchte anders zu verhalten und zum Teil auch andere Aktivität zeigen, die sie bei gleicher Temperatur und niedriger Luftfeuchte so nicht zeigen. Insofern würde ich vermuten, dass sie in natürlichen Habitaten auch andere Ausweichmöglichkeiten nutzen würden.
Galerien
Chelonoidis denticulata – Waldschildkröte
Indotestudo elongata – Gelbkopfschildkröte
Terrapene carolina – Carolina-Dosenschildkröte