Ngwava, Jacob Mueti, Fanrong Xiao, Patrick K. Malonza, Beryl A. Bwong & Hai-Tao Shi (2024): Reproductive ecology of the critically endangered pancake tortoise (Malacochersus tornieri) in the wild. – Wildlife Biology 2024(5): e01181.
Fortpflanzungsökologie der vom Aussterben bedrohten Spaltenschildkröte (Malacochersus tornieri) in freier Wildbahn.
DOI: 10.1002/wlb3.01181 (externer Link)

Malacochersus tornieri,
frisst Hibiscusblüte
© Hans-Jürgen Bidmon
Über die Fortpflanzung der Spaltenschildkröte in freier Wildbahn ist seit Jahrzehnten nur wenig bekannt. Diese Studie schließt diese Wissenslücke, indem sie die Fortpflanzungsökologie der Art in ihren natürlichen Lebensräumen in Kenia untersucht. Die Daten wurden mithilfe der zeitlich begrenzten „Search-and-Seize“-Methode, des „Group-Level-Scan-Sampling“, der Funkortung und von Kamerafallen erhoben. Unsere Beobachtungen ergaben insgesamt 19 Paarungsereignisse, die zwischen Dezember und April stattfanden, vorwiegend während der Regenzeit. Die Paarungsdauer betrug im Durchschnitt 15,2 ± 2,4 min. Während der Paarungszeit wurde Aggression zwischen Männchen beobachtet, wobei das dominante Männchen alle anderen Männchen fernhielt und sich mit den ansässigen Weibchen paarte. Die Nestvorbereitungen fanden zwischen April und Juni statt. Es wurden neun Nestbauvorgänge registriert, doch nur bei fünf davon wurde ein Ei abgelegt. Die Nester waren in lockerer Erde ausgegraben, wirkten fast kreisförmig und waren 8,4 ± 0,9 cm breit und 7,0 ± 0,1 cm tief (n = 7). Die durchschnittliche Gelegegröße betrug ein Ei. Die Eier waren weiß, hatten eine harte Schale, waren oval und länglich, 4,4 ± 0,4 cm lang, 2,7 ± 0,04 cm breit und wogen 17 ± 0,6 g (n = 3). Die Brutzeit betrug 177 ± 5,7 Tage (n = 2), und das Schlüpfen fiel mit dem Beginn der kurzen Regenzeit im November zusammen, was mit dem reichlichen Nahrungsangebot für die Landschildkröten einherging. Die Jungtiere waren geringfügig breiter als lang und wiesen eine durchschnittliche gerade Panzerlänge von 4,5 ± 0,6 cm, eine durchschnittliche Breite von 4,5 ± 0,4 cm sowie ein durchschnittliches Gewicht von 14,7 ± 3,7 g auf (n = 9). Sie blieben 4–5 Tage lang in der Nähe des Nistplatzes, bevor sie sich in winzige Felsspalten zurückzogen, die von den Spalten der erwachsenen Schildkröten entfernt lagen. Die Prädation an Eiern und Jungtieren war hoch: Vier der insgesamt sechs Eier, die nach der Ablage beobachtet wurden, wurden zerstört. Drei der neun Jungtiere wurden ebenfalls von Raubtieren gefressen. Diese Erkenntnisse liefern nützliche Informationen für die Entwicklung wirksamer Schutz- und Managementstrategien für diese vom Aussterben bedrohte Art.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Nach nunmehr 23 Jahren der Spaltenschildkrötenhaltung kann ich nur feststellen, dass die Inkubationsdauer im Vergleich zur artifiziellen Inkubation in diesem Lebensraum um mindestens 60 Tage oder gar mehr überschritten wird. Ob es diesbezüglich auch Taxonunterschiede gibt müsste noch geklärt werden (siehe Jiang et al.2026) wobei es sicher auch interessant wäre solche Daten bei der von Malonza et al. (2023) beschriebenen „artifiziellen Wildpopulation“ zu erheben.
Literatur
Jiang, Chuan, Nassoro Mohamed, Rudolf Mremi, Xuda Liu, Gabriel Mayengo, Yang Liu, Reginald T. Mwaya, Wenwen Zhu, Yiming Gao & Bo Li (2026): Mitogenomes reveal multiple evolutionary units and low genetic diversity of the critically endangered pancake tortoise Malacochersus tornieri. – iScience 29(3): 115142 oder im Abstract-Archiv.
Malonza, P. K., D. K. Korir, J. O. Nyamache & S. N. Kyalo (2023): Learning from the Wild: Status of the Introduced Pancake Tortoise Malacochersus tornieri Population in Tsavo East National Park, Kenya. – Chelonian Conservation and Biology 22(1): 30-38 oder im Abstract-Archiv.
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