Dach-Moschusschildkröte, Sternotherus carinatus, ein Schlüpfling – © Hans-Jürgen Bidmon
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Brown - 2024 - 02

Brown, Grover J. & Brian R. Kreiser (2024): A Tale of Two Turtles: Sympatry of Two Lotic Musk Turtle Species in the Pascagoula River Drainage. – Herpetological Conservation and Biology 19(2): 275–288.

Die Geschichte zweier Wasserschildkröten: die sympatrie von zwei lotischen Moschusschildkrötenarten im Pascagoulaflusssystem.

DOI: None (externer Link)

Nördliche Zwerg-Moschusschildkröte, Sternotherus minor peltifer, – © Annett Werner
Nördliche Zwerg-Moschusschildkröte,
Sternotherus minor peltifer,
© Annett Werner

Konkurrenz und Hybridisierung zwischen eng verwandten Arten sind seit Jahrzehnten Themen von Interesse. Die Verbreitungsgebiete der Dach-Moschusschildkröte (Sternotherus carinatus) und der Nackenstreifen-Moschusschildkröte (Sternotherus peltifer) überschneiden sich größtenteils nicht, aber sie sind im Süden und in der Mitte von Mississippi, USA, sympatrisch. In der Allopatrie besetzt jede Art die Nische einer flussbewohnenden, bodenlaufenden Moschusschildkröte und kann in ihrem Lebensraum von kleinen, montanen Quellbächen bis hin zu großen, schlammigen Bayous in der Küstenebene reichen. Anhand von Umwelt-, morphologischen und genetischen Daten haben wir untersucht, ob die beiden Arten unterschiedliche Habitatassoziationen aufweisen, sich in ihrer Morphologie unterscheiden und ob sie in Sympatrie eine reproduktive Isolation aufrechterhalten. Die beiden Arten unterschieden sich signifikant in der Habitatassoziation in Sympatrie, wobei die Nackenstreifenschildkröte hauptsächlich in kleinen Bächen oder Quellbachhabitaten vorkommt und die Dach-Moschusschildkröte größere Flusshabitate frequentiert. Die beiden Arten traten in Zwischenhabitaten in Syntopie auf, und obwohl wir drei Individuen mit gemischter Abstammung entdeckten, wird eine Hybridisierung wahrscheinlich durch prä- und postzygotische Barrieren verhindert, insbesondere durch die signifikanten Unterschiede in der Körpergröße zwischen den Arten und den umgekehrten sexuellen Größendimorphismus, den jede Art aufweist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Arbeit beschreibt sehr ausführlich die vorgefundenen Schildkrötenlebensgemeinschaften für mehrere Spezies in diesen Flusssystemen und die Biotopaufteilungen für S. carinatus und S. peltifer, die wohl zusammen mit den morphologischen und vielleicht auch biochemischen (olfaktorischen) Unterschieden dazu beitragen, dass es zu keinen wesentlichen Hybridisierungsereignissen kommt. Allerdings wurden, wie oben angesprochen 3 Individuen mit Introgessionshintergrund eindeutig nachgewiesen, worunter auch eine F1-Generationshybride war. Hier muss man sich wahrscheinlich in Bezug auf das Arterhaltungsmanagement schon die Frage stellen welche vom Menschen induzierte Nutzungsveränderung innerhalb dieser noch natürlichen Nischenaufteilung zwischen diesen beiden Spezies eventuell zu gehäuft auftretenden Introgressionsereignissen führen würde? Denn wie die Befunde andeuten, wären sie möglich. Siehe dazu auch: Scott et al. (2019).

Literatur

Scott, P. A., T. C. Glenn & L. J. Rissler (2018): Formation of a recent hybrid zone offers insight to the geographic puzzle and maintenance of species boundaries in musk turtles. – Molecular Ecology 28(4): 761-771 oder im Abstract-Archiv.

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