Abedin, Imon, Hye-Eun Kang, Arunima Singh, Jayaditya Purakayastha, Shailendra Singh, Hyun-Woo Kim & Shantanu Kundu (2025): From past to future: matrilineal evolutionary history, genetic diversity and habitat dynamics of the vulnerable Indian roofed turtle (Pangshura tecta) in South Asia. – Biodiversity and Conservation 34: 4977-5006.
Von der Vergangenheit in Zukunft: mütterliche Evolutionsgeschichte, genetische Diversität und die Habitatdynamiken der bedrohten Indischen Dachschildkröte (Pangshura tecta) in Südasien.
DOI: 10.1007/s10531-025-03192-w ➚

Pangshura tecta,
© Hans-Jürgen Bidmon
Die Indische Dachschildkröte (Pangshura tecta) ist eine bedrohte und wenig erforschte Süßwasserart, die auf dem indischen Subkontinent endemisch ist. Um diese Art in freier Wildbahn zu schützen, ist ein geeigneter wissenschaftlicher Eingriff unter Verwendung eines vielschichtigen Ansatzes aus genetischen und ökologischen Erkenntnissen von entscheidender Bedeutung. Die Studie stellte das neuartige Mitogenom von P. tecta (16.732 bp) mithilfe von Next-Generation-Sequencing zusammen, das einen typischen Gengehalt von Wirbeltieren und eine Strangsymmetrie aufwies, die mit anderen Testudines übereinstimmt. Bemerkenswert ist, dass die Kontrollregion eine einzigartige strukturelle Konfiguration aufweist, die sich durch konservierte Domänen, deutliche Nukleotid-Deletionen und variable Tandem-Wiederholungen im Vergleich zu anderen Batagurinae-Taxa auszeichnet. Die phylogenetischen Analysen unter Verwendung von Bayes'scher Inferenz und maximaler Wahrscheinlichkeit, basierend auf 13 verketteten proteinkodierenden Genen, zeigen eine Schwesterbeziehung zwischen P. tecta und P. tentoria und bestätigen damit die matrilineare Evolutionsgeschichte und die monophyletische Gruppierung der Batagurinae. Darüber hinaus zeigten populationsgenetische und haplotypische Analysen auf der Grundlage von COI- und Cytb-Genen eine minimale intraspezifische genetische Divergenz (1,12 % und 0,68 %) und das Vorhandensein gemeinsamer Haplotypen, was auf eine erhebliche Verringerung der genetischen Vielfalt in verschiedenen Flussgebieten innerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets von P. tecta hindeutet. Darüber hinaus ergab die Ensemble-Artenverbreitungsmodellierung (SDM), dass derzeit 134.791 km2 (10,83 %) des von der IUCN definierten Verbreitungsgebiets einen geeigneten Lebensraum für diese Art darstellen. Prognosen unter zukünftigen Klimaszenarien sagen jedoch einen erheblichen Rückgang des geeigneten Lebensraums um mehr als 60 % voraus, wobei die stärksten Verluste im Narmada-Becken (50,86 %-74,77 %) und im Indus-Ganges-Brahmaputra-Mahanadi-Becken (64,85 %-72,47 %) zu erwarten sind. Dieser klimabedingte Rückgang dürfte die Fragmentierung des Lebensraums verschärfen und damit eine erhebliche Gefahr für den Fortbestand lebensfähiger Populationen darstellen. Insgesamt bietet die Integration vollständiger mitogenomischer Daten, partieller genbasierter Populationsgenetik und ökologischer Nischenmodellierung einen umfassenden Rahmen zur Aufklärung der evolutionären Entwicklung, der aktuellen phylogeografischen Struktur und der ökologischen Vulnerabilität von P. tecta. Ein solcher ganzheitlicher Ansatz verbessert das Verständnis der Biologie der Art und untermauert evidenzbasierte Schutzstrategien in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet auf dem indischen Subkontinent.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Durch den Klimawandel scheinen diese indischen Flussbecken erhebliche Einbußen zu erleiden, der Lebensräume für deren wassergebunden Bewohner drastisch reduziert. Allerdings habe ich noch keine Erklärung dafür gefunden, warum mit dem Klimawandel einhergehende stärkere Niederschlagsmengen nicht auch zu einer Verbesserung beitragen könnten, solange dabei nicht zu viele Niststrände verloren gehen. Oder verlieren diese Flüsse in ihrem Ursprungsgebiet ihren Wasserzufluss durch immer geringere Schneemengen und durch den Verlust der Gletscher?
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Pangshura tecta – Indische Dachschildkröte
