Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2008): Experimental evidence for density-dependent responses to mortality of snake-necked turtles. – Oecologia. 2008 Nov 27.

Der experimentelle Nachweis dichteabhängiger Reaktionen bezüglich der Sterberate bei Schlangenhalsschildkröten

Eine populationsdichteabhänge Kompensation wurde bei langlebigen Wirbeltieren, die in unterschiedlichen Umgebungen wie den feucht-trockenen Tropen leben, wo komplexe Faktoren wirken, selten gezeigt. Wir führten dazu experimentelle Manipulationen durch, die die Populationsdichten bei sechs wild lebenden Populationen der nördlichen Schlangenhalsschildkröte (Chelodina rugosa) veränderten. Es ließ sich zeigen, dass diese Spezies eine Absenkung der Populationsdichte sehr rasch ausgleichen kann, wodurch die Populationen sehr widerstandsfähig gegen das Absammeln durch Ureinwohner und die Bejagung durch Wildschweine sind. Bemerkenswerterweise brauchten einige Populationen nicht mehr als ein Jahr, um deutliche negative Auswirkungen (Populationsrückgänge) in Bezug auf die Dichte adulter Tiere auszugleichen (>50 % experimentelle Reduktion der Population). Erreicht wurde das durch einen Zuwachs bei der Schlüpflingszahl und Schlüpflingsüberlebensrate hin zu größeren Größenklassen. Daher zeigen unsere manipulativen Experimente im Einklang mit früheren vergleichenden Beobachtungen, dass im Gegensatz zu den häufig vertreten Meinungen, dass Wasserschildkröten auf jede Art von Tierentnahmen aus der Klasse der Subadulten und Adulten sehr anfällig bezüglich der Langzeitstabilität in den Populationen sind, das so verallgemeinert für C. rugosa nicht zutrifft. Im Fall von C. rugosa würde solch eine Verallgemeinerung nur zu übertriebenen Vorschriften für das Erhaltungsmanagement führen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne Arbeit, gerade weil sie an wild lebenden Populationen durchgeführt interessante Befunde liefert. Allerdings macht diese Arbeit auch klar, dass der Lebensraum oder besser ausgedrückt die Habitate der Schildkröten noch intakt sind. Es gibt also keinen Nahrungsmangel und eine ganz bestimmte Zahl essentieller Mikrohabitate, die sobald sie durch zu hohe Bejagung frei geworden sind, wiederbesiedelt werden können. Das ist ein sehr großer Unterschied zu jenen Populationen, die eben nicht aufgrund eines hohen Jagddrucks dezimiert werden, sondern deren Populationsrückgänge durch eine Abnahme der Habitatqualität bedingt sind. Denn in Habitaten, die keine optimalen Ernährungs- und Überlebensbedingungen mehr bieten, geht das eben nicht, oder nur sehr schwer. Siehe dazu Gerlach, J. (2008): Fragmentation and demography as causes of population decline in Seychelles freshwater turtles (Genus Pelusios). – Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 78-87 oder Abstract-Archiv; Riedle, J. D., P. A. Shipman, S. F. Fox & D. M. Leslie (2005): Status and distribution of the alligator snapping turtle, Macrochelys temminckii, in Oklahoma. – Southwestern Naturalist 50 (1): 79-84 oder Abstract-Archiv; Riedle, J. D., P. A. Shipman, S. F. Fox & D. M. Leslie (2006) Microhabitat use, home range, and movements of the alligator snapping turtle, Macrochelys temminckii in Oklahoma. – Southwestern Naturalist 51 (1): 35-40 oder Abstract-Archiv; Lewis, T. L., J. M. Ullmer & J. L. Mazza (2004): Threats to spotted turtle (Clemmys guttata) habitat in Ohio. – Ohio Journal of Science 104: 65-71 oder Abstract-Archiv.