Rowe, J. W., P. E. Converse & D. L. Clark (2014): Daily and annual patterns of thermoregulation in painted turtles (Chrysemys picta marginata) living in a thermally variable marsh in Northern Michigan. – Journal of Thermal Biology 40: 9–19.

Tägliche und jährliche Thermoregulationsmuster bei Zierschildkröten (Chrysemys picta marginata), die in einem thermisch variablen Sumpf im Norden Michigans leben.

Die Fähigkeit eines ektothermen Reptils zur Thermoregulation beeinflusst vielfältige Komponenten seines Lebens. Über zwei Jahre hinweg untersuchten wir während der Sommermonate im Norden Michigans das Thermoregulationsverhalten bei einer Population von Zierschildkröten (Chrysemys picta marginata) in einem flachen, thermisch sehr variable Feuchtgebiet. Die mittlere Körpertemperatur (Tb) von frei umherstreifenden Schildkröten lag im Jahr 2008 höher (25,8 °C) als in 2010 (19,7 °C). Die im Labor festgestellten Fixpunkte für die Thermoregulation (Tset) reichten von 25 °C (Tset-min) bis 31 °C (Tset-max) und lagen während des Herbsts niedriger (17–26 °C). Die Abweichungen der im Freiland gemessenen Tbs, die so genannten operativen Temperaturen (Te) und das Thermoregulationsverhalten lassen erkennen, dass C. picta marginata nur begrenzte Möglichkeiten für eine optimale Thermoregulation hat. Die operativen Temperaturen und der errechnete Thermale-Qualitätsindex (de=|Tset-min-Te| und |Te-Tset-max|) schwankte täglich, wobei das tägliche thermale Qualitätsmaximum am späten Vormittag und späten Nachmittag auftrat. Die Genauigkeit der Thermoregulation, die sich aus (db=|Tset-min-Tb| und |Tb-Tset-max|) kalkulieren lässt, war maximal (db Werte waren minimal), wenn die Tb absank und die Tset-Marke während des späten Nachmittags zu den frühen Abendstunden hin kreuzte, wobei sie an bewölkten Tagen höher war als an sonnigen Tagen, weil die relativ niedrigen Te-Werte die Anzahl der Tb-Werte reduzierte, die über Tset lagen. Unser Index für die Thermale-Ausnutzung (Ex=Frequenz der Tb-Messungen die im Bereich von Tset liegen) lag bei 36 % und damit geringfügig niedriger als jene, die für Ontario-Population von C. picta marginata beschrieben worden ist. Die Regression von db (thermale Genauigkeit) auf die de (thermale Qualität) deutete an, dass die Schildkröten mehr Zeit in die Thermoregulation investierten, wenn die thermale Qualität niedrig lag und die Wasserstände hoch waren, als wenn letztere niedrig waren. Es traten übers Jahr keine Geschlechtsunterschiede bei der mittleren Tb auf, allerdings zeigten die Weibchen bei den im Labor bestimmten Tb-Werten während des Herbstes höhere Werte, was anzeigen könnte, dass für sie die Aufrechterhaltung der Ovarienreifung vor dem Winter von Wichtigkeit ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Dieses Abstract ist sicher nicht leicht verständlich, deshalb sollte man sich schon die Orginalarbeit anschauen, um sich mit den Befunden vertraut zu machen. Aber wir können aus dieser Arbeit nicht nur die jährlichen Schwankungen bei der durchschnittlichen Körpertemperatur erfahren, sondern auch für die Haltung solcher Schildkröten lernen, dass sich die angestrebten Temperaturoptima zwischen den Jahreszeiten unterscheiden und dass adulte Weibchen auch im Herbst höhere Temperaturen für die schon stattfindende Eireifung brauchen. Also auch hier ein klares Indiz dafür, dass für das Reproduktionsgeschehen im aktuellen Jahr schon die Bedingungen im Herbst des Vorjahres mit entscheidend sind. Zudem zeigt die Arbeit deutlich, dass die Tiere im Schnitt nur ein gutes Drittel ihrer Zeit während einer Jahresaktivitätsperiode im angestrebten Temperaturoptimum verbringen können. Letzteres könnte auch erklären, warum Schildkröten aus solchen Regionen bei uns in der Tierhaltung so rasch wachsen können, wenn sie in geschützten Innenterrarien regelmäßig Temperaturoptima geboten bekommen.