Ferrara, C. R., R. C. Vogt, R. S. Sousa-Lima, B. M. R. Tardio, & V. C. Diniz Bernardes (2014): Sound communication and social behavior in an Amazonian river turtle (Podocnemis expansa). – Herpetologica 70(2): 149–156.

Lautkommunikation und Sozialverhalten bei der Arrau-Schienenschildkröte (Podocnemis expansa).

DOI: 10.1655/HERPETOLOGICA-D-13-00050R2

Das während der Brutsaison beobachtete Sozialverhalten von Schildkröten kann einer Reihe von Funktionen zugeordnet werden, wie einer Reduzierung der Bejagung durch Beutegreifer, einer gesteigerten Überlebensrate bei den Schlüpflingen und nicht zuletzt kann es auch dem Informationsaustausch der adulten Weibchen untereinander dienen. Allerdings müssen die Mechanismen, die innerhalb einer Gruppe während der unterschiedlichen Phasen des Ablageverhaltens genutzt werden, erst noch erforscht werden. Das Ziel dieser Studie ist, die Kommunikationslaute aufzuzeichnen, die von diesen großen südamerikanischen Flussschildkröten, Podocnemis expansa während der Nistsaison produziert werden und dabei zu analysieren, wie diese akustischen Signale das Sozialverhalten und die Gruppenbildung steuern. Von September 2009 bis Oktober 2011 zeichneten wir das Repertoire der Lautäußerungen während der Nistsaison auf, die mit der Migration (Wanderung) der Schildkröten aus den überfluteten Waldgebieten zu den Niststränden beginnt, und die damit endet, dass die Schildkröten mit den Schlüpflingen in die überfluteten Waldgebiete zurückziehen. Es wurden die Laute der Schildkröten während verschiedener Verhaltensweisen aufgezeichnet und zwar 1. während der aktiven Wanderung, 2. während der Versammlung der Gruppen adulter Weibchen vor den Niststränden vor dem Sonnenbaden, 3. während der nächtlichen Eiablagen, 4. während des Wartens vor dem Niststrand nach erfolgter Eiablage und 5. während der Zeit des Schlüpfens bis zum Eintreffen der Schlüpflinge. Wir beobachteten während dieser Nistphasen in unseren Aufzeichnungen sechs Typen an Lauten. Diese Daten zeigen, dass diese Schildkrötenart sozial lebt und dass die Lautäußerungen eine wichtige Information zur Synchronisation der Gruppenaktivitäten während der Nistsaison darstellen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Man kann sich bei einer solchen Lebensweise, bei der die adulten Tiere ihre Nahrung nicht nur in den Flüssen selbst suchen, sondern dabei zu Nahrungsgründen in den saisonal überfluteten Waldgebieten aus den Flüssen herauswandern, leicht vorstellen, dass es ein bedeutender Selektionsvorteil ist, wenn man zum einen diese extrafluvialen Nahrungsgründe immer wieder findet, und zweitens, bei abnehmendem Wasser auch immer wieder rechtzeitig den Weg in das eigentliche Flussbett zurückfindet. Ebenso dürfte es einen Selektionsvorteil darstellen, wenn man diese existenziellen Wanderrouten an seine Nachkommen weitergeben kann, sprich sie so führt, dass sie dabei diese Wege kennenlernen. Für diese beiden essentiellen Verhaltensweisen, die auch sicher oft in schlammigen Überschwemmungswasser bei schlechter Sicht gemeistert werden müssen, dürften diese Kommunikationslaute und die damit assoziierten Verhaltensäußerungen der Schlüssel zum Erfolg sein. Siehe auch: Giles et al. (2009) und Ferrara et al. (2013).

Literatur

Ferrara, C. R., R. C. Vogt & R. S. Sousa-Lima (2013): Turtle Vocalizations as the First Evidence of Posthatching Parental Care in Chelonians. – Journal of Comparative Psychology 127(1): 24–32 oder Abstract-Archiv.

Giles, J. C., J. A. Davis, R. D. McCauley & G. Kuchling (2009): Voice of the turtle: the underwater acoustic repertoire of the long-necked freshwater turtle, Chelodina oblonga. – The Journal of the Acoustical Society of America 126(1): 434–443 oder Abstract-Archiv.