de Solla, S. R., K. J. Fernie & S. Ashpole (2007): Snapping turtles (Chelydra serpentina) as bioindicators in Canadian Areas of Concern in the Great Lakes Basin. II. Changes in hatching success and hatchling deformities in relation to persistent organic pollutants. – Environmental Pollution 153 (3): 529-536.

Schnappschildkröten (Chelydra serpentina) als Bioindikatoren in belasteten kanadischen Gebieten im Becken der Großen Seen. II Veränderungen beim Schlupferfolg und die Schlüpflingsdeformationen im Bezug zu den vorhandenen organischen Schadstoffen

Der Schlupferfolg und die Deformationen der Schlüpflinge von Schnappschildkröten (Chelydra serpentina) wurden untersucht an Eiern, die an 14 verschiedenen Lokalitäten im Bereich der unteren Großen Seen zwischen 2002 und 2004 gesammelt wurden, wobei es sich um belastete Regionen (AOC) handelte. Das Vorkommen von PCBs, PBDEs und Pestiziden in den Eiern wurde analysiert. Zwischen 2002 und 2004 lag die Rate für die Deformation in zwei der AOCs am höchsten (18,3-28,3 %), während sie in Kontrolllokalitäten bei (5,3-11,3 %) lag. Der Schlupferfolg war in drei AOCs mit 71,3-73,1 % am niedrigsten, während er in den Kontrollregionen 86,0-92,7 % betrug. Die Schlupfraten und die Deformationsraten lagen 2001 generell niedriger, im Vergleich zu den Jahren 2002-2004, wobei sich auch kein Bezug zur jeweiligen Lokalität ergab, was eventuell auf Stressphänomene bei der Handhabung der Eier zurückgeführt werden könnte. Der Schlupferfolg und das Ausmaß der Missbildungen war generell am schlimmsten bei Eiern, die aus den Regionen vom Wheatley Harbour, St. Lawrence River (Cornwall), Detroit River, und Hamilton Harbour stammten. Assoziationen zwischen dem Grad der Belastungen mit der Embryonalentwicklung waren nur schwach ausgeprägt, sodass die biologische Relevanz fraglich ist. Stressfaktoren, die hier nicht gemessen wurden, könnten auch zur Entwicklung von Missbildungen beigetragen haben.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier bleibt die Frage offen, wie wohl die Schlupfraten und Deformationsraten ausgefallen wären, wenn man die Eier nicht künstlich, sondern in dem belasteten Boden vor Ort inkubiert hätte. Da die Schale der Schildkröteneier für das Wasser im Boden durchlässig ist, lässt sich vermuten, dass auch während der Inkubation mit der Feuchtigkeit gelöste Schadstoffe auf die Embryonen wirken. Bei künstlicher Inkubation in unkontaminierten Substrat kann nur die schon in den Eiern vorhandene Schadstoffmenge wirken, ob diese dann von denn Müttern in die Eier abgegeben wurden oder wie viel davon auch nach der Ablage noch in die Eier gelangt wäre, lässt sich somit kaum abschätzen. Was letztendlich die Aussage der Ergebnisse etwas in Frage stellen dürfte, denn vielleicht hätte die natürliche Inkubation in den belasteten Substraten zu relevanteren Erkenntnissen geführt.