Zbinden, J. A., C. R. Largiadèr, F. Leippert, D. Margaritoulis & R. Arlettaz (2007): High frequency of multiple paternity in the largest rookery of Mediterranean loggerhead sea turtles. – Molecular Ecology 16 (17): 3703-3711.

Eine hohe Frequenz für multiple Vaterschaften innerhalb der größten Nistpopulation Unechter Karettschildkröten im Mediterranraum

Paarungssysteme spielen eine zentrale Rolle für die Evolution von Arten und Verwandtschaftslinien und sind daher wichtiger Bestandteil der Erhaltungsgenetik. Zum Beispiel spielt das Muster des männlichen Reproduktionsverhaltens und die elterlichen Anteile in Gruppen von Nachkommen eine wesentliche Rolle für die effektive Größe einer genetischen Population. Ein herausragendes Charakteristikum des Paarungsverhaltens von Meeresschildkröten scheint die intra- und interspezifische Variabilität in Bezug auf das Ausmaß der Polyandrie zu sein. Weil es schwer ist, das Paarungsverhalten von Meeresschildkröten auf offener See zu beobachten, ist es hilfreich, die genetische Vaterschaftsanalyse einzusetzen, um Einblicke in ihr Reproduktionsverhalten zu bekommen. Wir untersuchten anhand von vier hoch variablen Mikrosatellitenloci das Auftreten von multiplen Vaterschaften innerhalb der größten mediterranen Nistpopulation. Zusätzlich untersuchten wir den Zusammenhang zwischen der Anzahl der Väter und der Körpergröße der Weibchen. In 14 von 15 Gelegen verschiedener Weibchen wurde mehr als ein Vater festgestellt, wobei zwei der Gelege mehr als fünf Väter aufwiesen. In mehr als der Hälfte der Fälle war die Beteiligung der verschiedenen Väter zum Gesamtgelege nicht gleich verteilt. Die Anzahl der Väter pro Gelege stieg signifikant mit der Körpergröße der Weibchen an. Diese Beziehung lässt vermuten, dass Männchen große Weibchen mit höherem reproduktivem Potential bei der Paarung bevorzugen. Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass die Polyandrie zu einer Vergrößerung der effektiven genetischen Population beiträgt im Vergleich zu Arten, bei der sich die Weibchen mit nur einem Partner paaren, wobei der Beitrag der Männchen gleich bleibt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wieder eine Erkenntnis, die zu belegen scheint, wie wichtig für bestimmte Schildkröten der Genfluss innerhalb der Population zu sein scheint. Etwas, das man insbesondere bei Arterhaltungsprogrammen zu berücksichtigen hat. Dass es dabei unterschiedliche Strategien zu geben scheint, wird auch deutlich, wenn man einmal die für die verschiedenen Schildkrötenspezies bekannt gewordenen Befunde vergleicht. Siehe: Moon et al. (2006): Multiple paternity and breeding system in the gopher tortoise, Gopherus polyphemus. – Journal of Heredity 97 (2): 150-157 oder Abstract-Archiv; Roques et al. (2004): Microsatellite markers reveal multiple paternity and sperm storage in Mediterranean spurthighed tortoise, Testudo graeca. – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 82: 153-159 oder Abstract-Archiv; Bowen et al. (2005): Conservation implications of complex population structure: lessons from the loggerhead turtle (Caretta caretta). – Molecular Ecology 14 (8): 2389-2402; oder Abstract-Archiv; Roques et al. (2006): Sperm storage and low incidence of multiple paternity in the European pond turtle, Emys orbicularis: A secure but costly strategy? – Biological Conservation 129 (2): 236-243, oder SiF 3 (3) 2006; Johnston et al. (2006): Detection of multiple paternity and sperm storage in a captive colony of the central Asian tortoise, Testudo horsfieldii. – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 84 (4): 520-526, SiF 4 (1) 2007.

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