Xu, W., W. Dang, J. Geng & H. L. Lu (2015): Thermal preference, thermal resistance, and metabolic rate of juvenile Chinese pond turtles Mauremys reevesii acclimated to different temperatures. – J Therm Biol.; 53: 119–124.

Die Temperaturpräferenz, die Temperaturtoleranz und die Stoffwechselrate von juvenilen Chinesischen Sumpfschildkröten Mauremys reevesii, die an unterschiedliche Temperaturen angepasst waren.

Die Kapazität von bestimmten Spezies sich bestimmten Temperaturen anpassen zu können bestimmt wesentlich ihre Beständigkeit innerhalb sich verändernder Umweltbedingungen. Die Untersuchung der Anpassungsfähigkeit bei ökonomisch wichtigen Arten ist dahingehend von Nutzen, um ihre optimalen Haltungsbedingungen in der Aquakultur zu ermitteln. Hier untersuchten wir junge Chinesische Dreikielsumpfschildkröten (Mauremys reevesii), die an drei verschiedene Temperaturen (17, 25 oder 33 °C) für vier Wochen angepasst worden waren, um deren Reaktionen mittels bestimmter physiologischer Verhaltensweisen zu testen. Die Anpassung an eine bestimmte Temperatur beeinflusste signifikant die Temperaturresistenz (Temperaturtoleranz), nicht aber die Temperaturpräferenz (Vorzugstemperatur) bei jungen M. reevesii. Die Schildkröten, die an nur 17 °C warmes Wasser angepasst waren, zeigten die niedrigste Temperaturtoleranz gegenüber höheren Temperaturen als jene aus den Gruppen die an 25 °C und 33 °C angepasst waren. Allerdings erhöhte sich die Temperaturtoleranz gegenüber niedrigeren Temperaturen mit der Anpassung an eine niedrige Temperatur. Die Spannbreite der Temperaturtoleranz gegenüber einer kritischen Minimaltemperatur (CTMin) war schmäler als die Temperaturtoleranzspanne gegenüber einem kritischen Temperaturmaximum (CTMax) für die Schildkröten, die an eine Temperatur von 17 oder 25 °C angepasst waren, aber ein bisschen höher für jene, die an 33 °C angepasst waren. Die Spannbreite für die Temperaturtoleranz – also der Differenz zwischen CTMax und CTMin – war am breitesten für die Schildkröten, die an die intermediäre Temperatur von 25 °C angepasst worden waren, wohingegen die schmalste Toleranzbreite bei denen, die an 17 °C angepasst worden waren beobachtet wurde. Die metabolische Standardstoffwechselrate stieg mit zunehmender Anpassungstemperatur an und der Temperaturquotient (Q10) lag bei den Gruppen die an Temperaturen von 17 oder 25 °C angepasst waren höher als zwischen den Gruppen, die auf 25 und 33 °C angepasst worden waren. Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass junge M. reevesii eine größere Temperaturtoleranz zeigen, die bei milden Temperaturbedingungen gehalten werden, die ihren natürlichen Lebensräumen entsprechen, aber sie zeigen bessere physiologische Verhaltensweisen bei relativ warmen Temperaturen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Studie die eigentlich das bestätigt, was man für wechselwarme Reptilien der tropischen und gemäßigten Zonen erwarten würde und die eigentlich das bestätigt, was auch für andere Arten bekannt ist. Was mich dennoch überrascht hat ist die Möglichkeit, dass man die Schildkröten wirklich an niedrige Temperaturen anpassen kann und dass das ihnen auch ermöglicht noch tiefere Temperaturen zu tolerieren. Allerdings bestätigen diese Daten eine ähnliche Anpassungskapazität wie sie von Snover et al. (2015) für eine natürlich lebende Actinemys-Population gezeigt wurde.

Literatur

Snover, M. L., M. J. Adams, D. Ashton, J. B. Bettaso & H. H. Welsh Jr. (2015): Evidence of counter-gradient growth in western pond turtles (Actinemys marmorata) across thermal gradients. – FRESHWATER BIOLOGY, 60: 1944–1963 oder Abstract-Archiv.

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