Xiao, F., C. Yang, H. T. Shi, J. C. Wang, L. Sun & L. Lin (2016): Background matching and camouflage efficiency predict population density in four-eyed turtle (Sacalia quadriocellata). – Behavioural Processes 131: 40-46.

Der Abgleich mit dem Hintergrund und die Camouflageeffizienz liefern Vorhersagen über die Populationsdichte bei der Pfauenaugensumpfschildkröte (Sacalia quadriocellata).

Die Farbanpassung an den Hintergrund ist ein wichtiger Bestandteil der Tarnung und ist deshalb bei Tieren weitverbreitet. Im Freiland gibt es allerdings nur wenige Studien die speziell diese Anpassung an den Hintergrund adressieren und es gibt bislang keine Studien zur Tarnungseffizienz für Süßwasserschildkröten. Hier untersuchten wir die Farbanpassung an den Hintergrund und die Tarnungseffizienz bei der Pfauenaugensumpfschildkröte, Sacalia quadriocellata, in Bezug zu drei Mikrohabitatabschnitten im Hezonggou-Bach indem wir die Carapaxkomponenten für CIE L*a*b* (Internationale Kommission für Beleuchtung; Helligkeit, Rot/Grün und Gelb/Blau) des Farbraums (Spektrums) maßen, und wir bewerteten die Tarnungseffizienz durch den Einsatz von menschenlichen Jägern. Die Ergebnisse zeigten, dass der Farbunterschied (Delta E), die Helligkeitsdifferenz (Delta L*), und der Farbtonsättigungsunterschied (Delta a*b*) zwischen Carapax und Substrathintergrund im Mittellauf des Baches signifikant niedriger waren als im Oberlauf oder im Unterlauf, was letztendlich anzeigte, dass die Carapaxfärbung bei der Pfauenaugensumpfschildkröte am ehesten mit dem Bodengrund im Mittellauf des Baches übereinstimmte. In Übereinstimmung mit diesem Ergebnis erzielten die Schildkröten die im Mittellauf des Baches lebten die beste Tarnungseffizienz. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die Pfauenaugensumpfschildkröten ihre Tarnung wesentlich verbessern indem sie Mikrohabitate auswählen die farblich ihrer Carapaxfärbung entsprechen. Dieses Ergebnis könnte eine Erklärung dafür sein, dass man die höchsten Populationsdichten für Pfauenaugensumpfschildkröten im Mittellauf des Hezonggou-Baches findet. Nach unserem Wissen ist diese Studie die erste, die quantitative Daten zur Tarnung von wild lebenden Süßwasserschildkröten liefert und die somit Basis für zukünftige Untersuchungen zur Funktion und den Mechanismen der Tarnung für Süßwasserschildkröten darstellt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Studie die verdeutlicht wie Schildkröten sich farblich ihrem Lebensraum anpassen. Allerdings bleibt dabei bislang unklar, ob die Schildkröten sich aktiv ihrer Umwelt anpassen. Letzteres würde eine durchaus als hoch einzustufende kognitive Befähigung zur aktiven, adaptiven Plastizität nahelegen oder ob sie sie sich nur passiv anpassen können indem die Tiere die mit einer für ein bestimmtes Habitat zu auffälligen Färbung geboren werden Beutegreifern anheimfallen, sodass nur jene mit ererbter optimaler Farbanpassung überleben. In dieser Beziehung scheint zumindest die Pfauenaugensumpfschildkröte ein gutes Studienobjekt zu sein, um zu untersuchen, ob die Schildkröten aktiv z. B. den Mittellauf des Baches aufsuchen sobald dort ein Territorium für sie frei geworden ist. Denn man müsste ja davon ausgehen, dass die Exemplare im weniger tarnenden Ober- und Unterlauf dann jene sind die aus welchen Gründen auch immer das Optimalhabitat nicht besiedeln können und sich deshalb einer erhöhten Gefährdung aussetzen müssen.

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