Warwick, C., A. Pliny,  M. Jessop, E. Nicholas, P. Arena & A. Lambiris (2017): Future of keeping pet reptiles and amphibians: animal welfare and public health perspective. – Veterinary Record, doi: 10.1136/vr.j4640.

Die Zukunft der Haltung von Reptilien und Amphibien als Haustiere.

Teil 2/2

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher werden jetzt gleich wieder einige aufgeschreckt argumentieren der Artikel der obigen Autoren sei ungerechtfertigt oder gar polemisch, aber so einfach sollte man es sich dann doch nicht machen. Allein schon deshalb nicht, weil selbst die Editoren einer veterinärmedizinischen Fachzeitschrift die Argumente als nicht so aus der Luft gegriffen ansahen, dass sie die Veröffentlichung als zu unseriös abgelehnt hätten. Somit wird diese gesellschaftliche Diskussion sowohl national wie auf der Ebene der EU weitergeführt werden. Dennoch sollte man auf politischer Ebene die Fakten sorgfältig abwägen, denn wie Kuchling (2006) aus eigener Erfahrung mit dem restriktiven Vorgehen in Australien berichtet, verliert man damit auch jenes Fachwissen, das auf Privatinitiative beruht (siehe dazu Kommentar zu Kuchling, 2006; Barker & Barker, 2014). Zudem gilt es zu bedenken, dass sich der Gedanke der Arterhaltung und des Biodiversitätserhalts kaum für etwas realisieren lassen wird, dass - im wahrsten Sinne des Wortes - niemand mehr persönlich begreifen kann, wenn es schon im Vorfeld nur noch über Verbote oder nur institutionalisiert kommuniziert wird. Die meisten derer, die sich heute für den Naturschutz, Artenschutz und Biodiversitätserhalt auf wissenschaftlicher wie auf privater Ebene einsetzen, begründen ihr Handeln mit dem frühen Umgang mit solchen Tieren oder Pflanzen. Und nicht zuletzt gibt es zunehmend Anzeichen dafür, dass mehr und mehr Arten in ihrem vom Menschen veränderten Lebensraum nicht mehr überleben können (letzteres gilt auch für die EU; siehe dazu auch Kommentar zu Heritier et al., 2017), sodass die Haltung in menschlicher Obhut die einzige längerfristige Überlebenschance darstellt. Etwas was wir auch schon aus der Vergangenheit lernen mussten (Barker & Barker, 2014). Insofern gibt es auch heute noch gute Gründe dafür die Exotenhaltung nicht zu verbieten. Allerdings sollten sich auch die Exotenhalter/innen an bestimmte Regeln halten. Wie ich meine gehört dazu der massive Verzicht auf Importe von Wildfängen, aber eben im Gegenzug auch die Vermarktung von Nachzuchten um den Bedarf zu decken und das Interesse auf breiter Basis aufrecht zu erhalten. Denn solange Wissenschaftler sich gezwungen sehen die Lokalitäten für Neu- oder Wiederentdeckungen von Arten nicht mehr zu beschreiben (siehe Whitaker & Vijaya,2009) weil sie befürchten müssen, dass die Populationen sofort für den Sammlermarkt geplündert werden, solange kann man auch nicht damit rechnen, dass sich wirklich nachhaltiges, langfristiges Entgegenkommen auf nationaler wie internationaler politischer Ebene abzeichnen wird. Doch davon sind wir noch weit entfernt, zumindest solange solch Statements wie aktuell von Frau Prof. Litzgus immer noch in begründeter Weise abgegeben werden (siehe Salzberg, A. 2017; HerpDigest Vol. 19.). Sie verweist dabei klar darauf, dass nach ihrer ersten Veröffentlichung über eine ihrer Untersuchungspopulationen 70% der Tiere ohne sichtliche Anzeichen von Krankheit oder belegbar durch Todfunde verschwanden. Sie verweist sogar darauf, dass sie selbst die Erfahrung gemacht hat, dass Tierhändler wohl an wissenschaftlichen Kongressen teilnahmen um Erfahrungen über neue Fundorte zu erhalten. Auch die in Science beschriebenen jüngsten Plünderungen endemischer, höhlenbewohnender Arten vom Balkan verdeutlichen klar welche Blüten der so genannte Sammlermarkt immer noch treibt (siehe die Darstellungen in hochkarätigen wissenschaftlichen Publikationen wie Science; Simicevic, 2017).

Wir sollten diese Zeilen und die besinnliche Zeit zwischen den Jahren dazu nutzen über eine wirklich zukunftsweisende nachhaltige Strategie im Sinne der Terraristik nachzudenken!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein gesundes und interessantes Jahr 2018.

Literatur

Barker, D. G. & T. M. Barker (2014): The invisible Ark: In defense of captivity. – VPI Library, Boerne, TX, USA; pp. 1-165.

Calame, T. , T. N. E. Gray, M. Hurley, R. J. Timmins & K. Thongsamouth (2013): Field Observations of the Vulnerable Impressed Tortoise, Manouria impressa, from Southern Laos and Notes on Local Chelonian Trade. – Asian Herpetological Research 4: 151–154 oder Abstract-Archiv.

Daly, R. F., House, J., Stanek, D. & M. G. Stobierski (2017): Compendium of Measures to Prevent Disease Associated with Animals in Public Settings, 2017. – Journal of the American Veterinary Medical Association; 251 (11): 1269-1292.

Héritier, L., Duval, D., Galinier, R., Meistertzheim, A.-L. & O. Verneau (2017): Oxidative stress induced by glyphosate-based herbicide on freshwater turtles. – Environ Toxicol Chem , DOI: 10.1002/etc.3916, oder Schildkröten im Fokus 14 (4): 20-22.

Lafuente, S., J. B. Bellido, F. A. Moraga, S. Herrera, A. Yaguee, T. Montalvo, M. de Simo, P. Simon & J. A. Cayla (2013): Salmonella paratyphi B and Salmonella litchfield outbreaks associated with pet turtle exposure in Spain. – Enfermedades Infecciosas y Microbiologia Clinica 31: 32–35 oder Abstract-Archiv.

Pasmans, F., S. Bogaerts, J. Braeckman, A. A. Cunningham, T. Hellebuyck, R. A. Griffiths, M. Sparreboom, B. R. Schmidt & A. Martel (2017): Future of keeping pet reptiles and amphibians: towards integrating animal welfare, human health and environmental sustainability. – Veterinary Record; doi: 10.1136/vr.104296 oder Abstract-Archiv.

Salzberg A. (2017): The illegal turtle trade: Why scientists keep secrets. – Top 3 on Herpdigest – VOL. 19 ISSUE #62 10/28/17.

Simicevic, V. (2017): Poachers threaten Balkans’underground biodiversity. Scientists sound the alarm after finding hundreds of illegal traps in caves in three countries. – Science, 358 (6367): 1116-1117.

Türkozan, O., A. Özdemir & F. Kiremit (2008): International Testudo Trade. – Chelonian Conservation and Biology 8 (2): 269-274, Schildkröten im Fokus 6 (3) 2009.

Whitaker, N. & J. Vijaya (2009): Biology of the Forest Cane Turtle, Vijayachelys silvatica, in South India. – Chelonian Conservation and Biology 8 (2): 109-115 oder Abstract-Archiv.

 

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