Walde, A. D., M. L. Harless, D. K. Delaney & L. L. Pater (2007): Anthropogenic threat to the desert tortoise (Gopherus agassizii): litter in the Mojave desert. – Western North American Naturalist 67: 147-149.

Anthropogene Gefährdung von Wüstenschildkröten (Gopherus agassizii) Abfall in der Mojave Wüste

Einleitend beschreiben die Autoren die vielfältigen Gefährdungen für die Schildkröten wie Straßenverkehr, Absperrungen, Geländefahrzeuge usw. Sie verweisen aber darauf , dass es in Bezug auf Abfall nur wenige Beobachtungen gibt, die sich meist, wenn es um Reptilien geht, auf Schlangen und Echsen beziehen. Gerade Kunststoffnetze, die über Böschungen als Erosionsschutz gespannt werden, führen oft dazu, dass sich Schlangen und Echsen darin verfangen und verletzen, insbesondere da sie sich nicht zersetzen und noch lange nach ihrer eigentlichen Verwendung in der Landschaft herum liegen. Für Alligatoren ist bekannt, dass der Schlupferfolg sinkt, wenn Abfall zum Bau der Nester genutzt wird. Hier berichten die Autoren, dass sie eine männliche Gopherschildkröte während der Feldstudien fanden, bei deren genauerer Inspektion noch Teile eines Luftballons aus dem Mund hingen. Nach einigen Bemühungen, da das Tier natürlich den Kopf einzog und den Mund schloss, gelang es den Autoren, den Ballon herauszuziehen als Anhang zogen sie dann in kleinen Schritten eine insgesamt 108 cm lange Schnur aus dem Tier. Teile der Schnur waren mit gut verdauten Kot versehen, was zeigte, dass die Schnur schon länger in der Schildkröte war und schon weit im Verdauungstrakt nach hinten gelangt war. Das ereignete sich in einer relativ unzugänglichen Region, die 40 km entfernt von der nächsten Ansiedlung und 8,5 km entfernt von der nächsten Straße lag. Dieses Gebiet ist ein spezielles Schutzhabitat und die Ranger sammelten alle Luftballons ab und erfassten dabei neue und alte Ballons. Anschließend wurden die neu eintreffenden Luftballons gezählt und zwischen März 2005 und November 2005 wurden insgesamt 178 neue Luftballons gesammelt. Die Herkunft der meisten Ballons war nicht bestimmbar, weil sie entweder ohne oder nur mit Aufdrucken zum Muttertag oder Geburtstagsgrüßen bedruckt waren. Allerdings einer zeigte einen Aufdruck von einer Firmenfeier und die Party hatte in San Diego etwas mehr als 270 km entfernt stattgefunden. Ein weiterer stammte von einem Schulfest aus Huntington Beach etwa 200 km entfernt. Da sowohl die Ballons als auch die Nylonschnüre sehr haltbar sind, sammelt sich diese Art von Ballonmüll über die Zeit an. Im weiteren werden noch unpublizierte persönliche Information zum Thema diskutiert, die bei Feldstudien anderer Wissenschaftler aufgefallen waren und letztendlich runden 23 Referenzen die Arbeit ab.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Einmal eine brauchbare zitierfähige Arbeit, wenn es darum geht, Personen und Veranstaltern solcher Feiern klar zu machen, was sie damit der Umwelt antun. Sicher, in Old Germany haben wir keine Gopherschildkröten, aber davon werden auch Vögel betroffen und vielleicht auch mal die eine oder andere Schildkröte im Garten.

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