Walde A., M. L. Harless, D. K. Delaney & L. L. Pater (2006): Gopherus agassizii (Desert Tortoise) diet. – Herpetological Review 37(1): 77-78.

Nahrung der Wüstenschildkröten Gopherus agassizii

Die Autoren berichten, dass sie in der Mojave Wüste eine adulte weibliche Wüstenschildkröte beobachteten, wie sie gezielt den Kot von einem Kaninchen (Lepis californicus) fraß. Ebenso wurden bei zwei weiteren Schildkröten des Untersuchungsgebiets Kaninchenkotpellets sogar noch in den Kotproben der Schildkröten nachgewiesen. Zusätzlich zu ihrer normalen pflanzlichen Nahrung wurden Schildkröten beobachtet, wie sie Knochen, Steine und Erde gezielt aufnahmen. Es wird dann noch Literatur anderer Autoren zitiert, die in den Kotproben der Wüstenschildkröten Vogelfedern, Haare von Säugetieren und Schuppen von Echsen nachgewiesen haben. Ebenso wird berichtet, dass der Kot von Wollratten (Neotoma lepida) gefressen wird. Die Autoren schließen daraus, dass diese zusätzlichen Nahrungsbestandteile wichtige Mineralien und Stoffe zur Nahrungsergänzung enthalten. Die Autoren diskutieren dann Literaturdaten, die besonders hervorheben, dass der Kot von Kaninchen sehr nährstoffreich ist (Wallis DeVries 1996, J. Appl. Ecol. 33: 688ff) – Diese Arbeit beschreibt sogar, dass Rinder Kaninchenkot fressen und dass allein sein Nährwert unbeachtet der besonderen Inhaltsstoffe dem des Wintergrases gleichkommt. Gleiches ist für die Texas-Gopherschildkröte, G. berlandieri bekannt. Im Weiteren wird dann noch beschrieben, dass auch Schildkrötenkot aufgenommen wird, und es wird die Literatur zur Intra-Spezies-Coprophagie diskutiert, für die nachgewiesen ist, dass sie auch bei Reptilien dazu dient, Mikroben für die Darmflore zur besseren Verdauung aufzunehmen, was gerade für Schlüpflinge eine bedeutende Rolle spielt. Für G. polyphemus ist bekannt, dass sie ihren eigenen Kot und den von Füchsen sehr gern frisst. Aber auch für die Wüstenschildkröte ist bekannt, dass sie in Bezug auf Kot auch den vieler anderer Arten nicht verschmäht, wobei der von Echsen und dem Halsband-Pekari auch ganz oben auf der Speiseliste steht.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Durchaus eine interessante Kurzmitteilung, die einmal zusammenfasst, was die von so manchem als rein herbivor bezeichneten Schildkröten so nebenbei im Biotop verzehren. Zugegeben, dabei handelt es sich nicht um Mengen, die man als Hauptmahlzeiten bezeichnen sollte, aber eben um eine anscheinend gezielte Ergänzung der Hauptnahrung. Nun möchte ich niemanden zum Verfüttern von Kot überreden, aber sollte man sich nicht ernsthaft fragen, warum die Schildkröten das machen, wenn sie es doch nach der Meinung einiger Schildkrötenhalter angeblich nicht brauchen? Denn gleiches kann man ja auch bei unseren Europäischen Landschildkröten beobachten. Ist für die Katzen-, Hunde- oder Kaninchenkot nichts anderes als ein Stück Schokolade für uns Menschen? Wenn dem so wäre, dann kann man drauf verzichten! Aber ist das wirklich so??? Ich denke, da sollte sich die veterinärmedizinische Ernährungsphysiologie einmal Gedanken drüber machen. Sicher in manchen Situationen werden unsere eigenen Kinder auch mit einer Schüssel Reis pro Tag groß, und verlernen dabei oft noch nicht mal ihr Lächeln und das Spielen, würden Sie aber daraus den Schluss ziehen, die brauchen nicht mehr, oder ein Frühstücksei würde sogar schaden?

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