Trullas, S. C., J. R. Spotila & F. V. Paladino (2006): Energetics during hatchling dispersal of the olive ridley turtle Lepidochelys olivacea using doubly labeled water. – Physiological and Biochemical Zoology 79 (2): 389-399.

Der Energieumsatz während des Schlupfs und der Verteilung der Schlüpflinge für die Olive Bastardschildkröte, Lepidochelys olivacea, unter Verwendung von doppelt markiertem Wasser

Studien zum Metabolismus sind eine unabdingbare Voraussetzung zum Verständnis der Ökologie, des Verhaltens und der Evolution von Reptilien. Diese Studie ist auf eine bestimmte Lebensphase im Lebenszyklus, die Ausbreitung nach dem Schlupf fokussiert und gibt Auskunft darüber, welchen energetischen Bedingungen und Grenzen die Schlüpflinge unterliegen. Die Ausbreitung der Schlüpflinge ist eine sehr Energie verbrauchende Lebensphase im Lebenszyklus der Bastardschildkröten. Die Metabolischen-Raten (Field metabolic rates, FMRs) wurden mittels doppelt markiertem Wassers (DLW-Methode) bestimmt, wobei sich zeigte, dass das Ausgraben aus dem Nest einen fünffachen, das Laufen über den Sand einen vierfachen und das Anschwimmen gegen die Brandung einen siebenfachen Anstieg des metabolischen Energieverbrauchs zur Folge hatte, immer im Vergleich zum Verbrauch in Ruheposition (RMR). Der Energiebedarf beim Schwimmen lag 1,5 bzw. 1,8 mal über dem beim Ausgraben aus dem Nest und jenem beim über den Strandlaufen. Wir ermittelten, dass die Schlüpflinge auf dünnen Energiereserven schwimmen und diese aus Dotterreserven ziehen, die sie nach Erreichen des Ozeans nur noch für maximal 3 bis 6 Tage versorgen können. Wir verglichen die gemessenen RMR und FMR Werte und versuchten eine artübergreifende RMR-Masse-Beziehung zu skalieren, die auf breiterer Basis für viele Spezies aus der Ordnung der Testudines anwendbar ist, und fanden einen Skalierungsexponenten von 1,06. Diese aktuelle Studie zeigt die Brauchbarkeit der DLW-Methode zur Bestimmung des Energieumsatzes bei Schlüpflingen von Meeresschildkröten im Freiland und zeigt, dass solche metabolischen Untersuchungen auch für weitere Lebensphasen der Tiere notwendig wären.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher, diese Studie ist etwas kompliziert und Mancher mag sich fragen, was nutzt uns dieses Wissen? Dabei sollte man sich immer und insbesondere, wenn man sich für Naturschutz und Arterhaltung interessiert, vor Augen führen, dass jedes Lebewesen nur existieren kann, wenn es genug Energie in Form von Nahrung zur Verfügung hat. Das Beispiel ist eigentlich ganz einfach: Stellen Sie sich einfach die Frage: Gibt es bei uns noch so viele Mücken, Fliegen und Schmetterlinge etc. wie vor 200 Jahren, als es noch keinen Autoverkehr und keine chemischen Insektizide gab? Wenn Sie diese Frage mit Nein beantworten, müsste Ihnen auch einleuchten, dass es insgesamt weniger Nahrung (Energie) in der Nahrungskette für Frösche und für Amphibienlarven-fressende Reptilien wie vielleicht Emys orbicularis gibt. Insofern können die Populationsdichten gar nicht mehr so groß werden wie früher oder wie wir sie aus Au-Urwald ähnlichen unberührten Gegenden her kennen, weil wir ständig dafür sorgen, dass die Energiebilanzen (auch eine lästige Stechmücke ist Energie) sinken. Gleiches gilt auch für die Überfischung der Meere. Global gesehen rotten wir durch unser Tun nicht nur Arten aus – wir verschieben Energiebilanzen. Aber keine Sorge, auch Wärme ist Energie und zumindest sind warme Binnengewässer meist etwas produktiver als kalte, insofern kann auch die Globale Erwärmung zum Ausgleich von Energiebilanzen beitragen, ob uns als Spezies Homo sapiens damit das Leben leichter gemacht wird, ist fraglich, aber unter den niederen Lebewesen wird es sicher auch einige Profiteure geben. Einige kennen wir ja schon, denn steigt der Meeresspiegel, gibt's mehr Lebensraum für Algen, die das von uns in die Atmosphäre geblasene CO2 wieder binden und ins Meer bringen – auch hier letztendlich nur ein Verschieben von Energiebilanzen innerhalb eines globalen Systems.

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