Tamplin, J. (2009): Effect of age and body size on selected temperature by juvenile wood turtles (Glyptemys insculpta). – Journal of Thermal Biology 34 (1): 41-48.

Der Einfluss des Alters und der Körpergröße auf die ausgewählte Temperatur bei juvenilen Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta)

Innerhalb eines aquatischen Temperaturgradienten von 15-30 °C, wählen 3, 6, und 12 Monate alte juvenile Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta), die zuvor auf 20 °C akklimatisiert waren, die wärmste verfügbare Temperatur (30 °C), und sie mieden die kühlsten Wassertemperaturen von 15 °C und 18 °C. Die Durchschnittswerte für die Auswahl der Temperaturkammern unterschied sich deutlich zwischen den Kontrollen und den Testgradienten über alle Temperaturbereiche mit Ausnahme von 27 °C. Die Schildkröten aller Altersklassen wechselten die Temperaturkammern wesentlich seltener, wenn der Gradient vorhanden war, als unter Kontrollbedingungen. Sechs- und zwölf Monate alte Schildkröten selektierten häufiger 30 °C und wählten kühlere Temperaturen wesentlich seltener als die drei Monate alten Schildkröten, was vermuten lässt, dass die Fähigkeit zur Selektion einer Vorzugstemperatur bei älteren Jungtieren besser entwickelt ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Dass es bei der Temperaturselektion zwischen 27 °C und 30 °C keine signifikanten Unterschiede mehr gab, deckt sich mit den Befunden von Dubois Y, G. Blouin-Demers & D. Thomas (2008): Temperature selection in wood turtles (Glyptemys insculpta) and its implications for energetics. – Ecoscience 15 (3): 398-406. oder Abstract-Archiv. Die Feststellung, dass die jüngsten getesteten Schlüpflinge die Fähigkeit zur Temperaturselektion noch nicht entwickelt hatten, scheint mir aber eine falsche Schlussfolgerung zu sein, da nämlich unter natürlichen Bedingungen im Habitat frische Schlüpflinge erst terrestrische Habitate bevorzugen und dort auch kühlere Aufenthaltsorte (Mikrohabitate) bevorzugen (siehe Castellano, C. M., J. L. Behler & G. R. Ultsch (2008): Terrestrial movements of hatchling wood turtles (Glyptemys insculpta) in agricultural fields in New Jersey. Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 113-118.) oder Abstract-Archiv. Letzteres lässt den Schluss zu, dass es zu ihrer normalen Biologie und Physiologie gehört, kühlere Temperaturen zu selektieren als ältere Exemplare. Es ist zu begrüßen, dass zunehmend solche für die Physiologie wichtige Daten erhoben werden, aber manchmal frage ich mich nach den Jahren der Schildkrötenforschung – warum erst jetzt und warum auf einmal so gehäuft? Denn immerhin sind nun für Waldbachschildkröten allein in den letzten sechs Monaten drei Publikationen zur Temperaturselektion erschienen?

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