Takano, A., K. Goka, Y. Une, Y, Shimada, H. Fujita, T. Shiino, H. Watabane & H. Kawabata (2010): Isolation and characterization of a novel Borrelia group of tick-borne borreliae from imported reptiles and their associated ticks. – Environmental Microbiology 12 (1): 134-146.

Isolation und Charakterisierung neuer von Zecken übertragener Borrelia-Gruppen aus importierten Reptilien und den assoziierten Zecken.

Die Mitglieder der Gattung Borrelia werden von Arthropoden übertragen, und sie sind für Wirbeltiere infektiös. Hier fanden wir Isolate und DNS von Borrelia turcica und einer noch unbekannten Borrelia Spezies bei importierten Reptilien und deren Ektoparasiten. Die Borrelia-Stämme wurden aus dem Blut und aus verschiedenen Organen von exotischen Landschildkröten isoliert, und wir konnten in Experimenten zeigen, dass sie infektiös für in Gefangenschaft nachgezogene Landschildkröten waren. Diese Daten lassen erkennen, dass die infizierten Schildkröten gute Kandidaten darstellen, die als Wirtsreservoir für diese Borrelia-Arten fungieren. In der hier vorgestellten Untersuchung konnten wir die Borrelia-Stämme auch aus den an den Schildkröten sitzenden Zecken der Gattung Amblyomma und Hyalomma isolieren. In einigen Fällen konnten wir auch mit Immunofluoreszenz-Imaging Analysen zeigen, dass die Borrelien, die Speicheldrüsen der Zecken besiedelt hatten. Anhand der Befunde muss man davon ausgehen, dass diese Zecken potentielle Vektoren für diese Borrelia-Arten darstellen. Sequenzanalysen für zwei Gene (flaB Gen, gyrB Gen und 16S rDNS Gen) und die 23S rRNS Gen-16S rRNS Gen Intergen-Spacer-Region zeigten, dass diese Borrelia-Stämme eine monophyletische Gruppe bildeten, die unabhängig von zwei anderen Borreliengruppen waren, den Borrelien der Lyme-Borreliose und den Borrelien, die rezidivierendes Fieber auslösen. An Hand dieser Ergebnisse können wir eine neue dritte Hauptgruppe der Borrelinae beschreiben, die bis heute bekannt geworden ist und die durch Arthropoden übertragen wird.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier wieder ein klarer Beleg dafür, welche Gefahren solche Wildfänge mit sich bringen. Bei diesen im Abstract nicht weiter spezifizierten Schildkröten handelte es sich nicht um ein paar seltene außergewöhnliche Spezies, nein es geht um eher häufig gehandelte Bekannte wie T. horsfieldii, T. graeca, S. pardalis etc. Ja auch Farmnachzuchten sind nicht frei davon oder haben Sie auf türkischen, afrikanischen oder mittelamerikanischen Zuchtfarmen im Freiland Schildkröten mit Zeckenhalsband gesehen? Ich glaube nicht, und selbst wenn die Tiere kurz vor dem Export mit einem Pestizidbad behandelt würden, das dafür sorgen würde, dass sich die Zecken fallen lassen, bedeutet das nicht, dass die Borrelien aus dem Blut und den inneren Organen der Schildkröten entfernt wären. Borreliose ist auch für den Menschen eine ernstzunehmende Erkrankung. Tja und unsere Veterinärämter scheinen solche Tests auch nicht durchzuführen, wobei man allein schon aufgrund der globalen Erderwärmung nicht ganz ausschließen kann, dass sich solche neuen Pathogene auch hier zunehmend etablieren könnten. Im Augenblick wird in Bezug auf Importe sehr viel über invasive Reptilien oder Schildkrötenspezies und deren Auswirkung auf das Ökosystem und die einheimischen Arten diskutiert, aber auf der anderen Seite zeigen uns solche Arbeiten, wie sich auch humanpathogene Krankheitserreger etablieren können, und dabei spielen nicht nur hartschalige Zecken eine Rolle, sondern auch Lederzecken dienen als Vektoren für Borrelien. Gerade der Afrikanischen Lederzecke kommt eine für die Schildkrötenhaltung bedeutendere Rolle zu, da sie nicht selten an Wildfängen von Chersina angulata oder Stigmochelys pardalis als Nymphen vorhanden sind. Da diese Zecken als Adulti nur zeitweise an den Tieren Blut saugen, aber ansonsten versteckt im Substrat oder sonstigen Spalten leben und nur nachts aktiv sind, sind sie besonders schwer zu bekämpfen und verseuchen ab und an ganze Anlagen zur Haltung tropischer Landschildkröten. Ein Umstand, der auch in Deutschland schon vorgekommen ist, wobei anscheinend auch die Schildkrötenhaltungen mancher Veterinäre nicht verschont bleiben, so dass es sogar schon zur Verbreitung solcher Zecken mit „Nachzuchten“ gekommen sein soll. Wobei ich persönlich beim Vorhandensein von Zecken oder deren Nymphenstadien an Schildkröten erst einmal auf Wildfänge schließen würde, vor deren Kauf aus den verschiedensten Gründen nicht oft genug gewarnt werden kann. Siehe auch: Siroky et al. 2004 und Albayrak et al. 2010.

Literatur

Albayrak, H, E. Ozan & M. Kurt (2010): Molecular Detection of Crimean-Congo Haemorrhagic Fever Virus (CCHFV) but not West Nile Virus (WNV) in Hard Ticks from Provinces in Northern Turkey. – Zoonoses Public Health 2010 Feb 16. [Epub ahead of print] oder Abstract-Archiv.

Siroky, P., M. Kamler & D. Modry (2004): Long-term occurrence of Hemolivia cf. mauritanica (Apicomplexa: Adeleina: Haemogregarinidae) in captive Testudo marginata (Reptilia: Testudinidae): Evidence for cyclic merogony? – Journal of Parasitology 90: 1391-1393 oder SiF 1 (3) 2004.

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