Snover, M. L. & A. A. Hohn (2004): Validation and interpretation of annual skeletal marks in loggerhead (Caretta caretta) and Kemp's ridley (Lepidochelys kempii) sea turtles. – Fishery Bulletin 102: 682-692.

Validierung und Interpretation von jährlichen Skelettmarkierungen (Zuwachsringen) bei Meeresschildkröten wie der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) und der Atlanik-Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii)

Zahlreiche Studien benutzten die Skelettchronologie zur Altersbestimmung bei Meeresschildkröten. Allerdings gab es für viele dieser Studien keine gute Validierung, so dass die Ergebnisse häufig in Frage gestellt wurden. Um diese Problematik abzuklären, untersuchten wir die Oberarmknochen von Meeresschildkröten deren Alter genau bekannt war (13 Atlantik-Bastardschildkröten und 2 Unechte Karettschildkröten), somit konnten wir die jährlichen Zuwachsmarkierungen an den Skelettknochen mit dem aktuellen Alter vergleichen. Wir konnten solche Zuwachsmarkierungen bei beiden Arten nachweisen. Ebenso konnten wir bei den Atlantik-Bastardschildkröten den Zuwachs vom Zeitpunkt des Todes bis zum letzten vollständigen Zuwachsring festlegen. Diese Daten wurden zudem an zusätzlichen Atlantik-Bastardschildkröten (n=76) überprüft. Es zeigte sich, dass bei den Bastardschildkröten, die tot an der mittleren und südlichen Atlantikküste der USA angeschwemmt wurden, ein Wachstumstopp während des Frühjahres eingetreten war. Für beide Arten, Unechte Karette und Atlantik-Bastardschildkröte ergab sich eine gute proportionale Beziehung zwischen Humerus-(Oberarmknochen)-Wachstum und Körpergröße (Carapaxlänge), die zeigt, dass man das Alter und die Wachstumsrate anhand der Beziehung zwischen der Größe der frühen Zuwachsmarkierungen und der Körpergröße zum Todeszeitpunkt abschätzen (kalkulieren) kann. Diese Befunde zeigen, dass man mit der Skelettchronologie zumindest das Alter von Atlantik-Bastardschildkröten und der Unechten Karette, die im Südosten der USA vorkommen, bestimmen kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Methode der Skelettchronologie ist oft angewandt worden und ist sicherlich bei jungen bzw. nicht zu alten Tieren einsetzbar. Allerdings versagt sie immer dann, wenn es sich um sehr alte Tiere handelt, die kaum noch Zuwachs zeigen. Da die Validierung der Methode anhand markierter Tiere mit bekanntem Alter vorgenommen wurde, fragt man sich natürlich, seit wann werden Meeresschildkröten markiert? Somit bleibt es offen, ob diese Methode nicht nur bei jungen adulten, sondern auch bei wirklich alten Exemplaren zuverlässige Ergebnisse liefern würde. Man fragt sich aber dann auch, ob diese Daten überhaupt noch gebraucht werden, denn wenn jetzt schon die markierten Jungtiere tot angespült werden, wie viel Zeit haben wir da denn noch, um überhaupt mal in die Situation zu kommen, Altersbestimmungen an wirklich alten Tieren vornehmen zu müssen? Die Skelette, die heute schon in den Museen der Welt stehen, für die lohnt sich der Aufwand kaum, denn dabei käme bestenfalls ein weiterer Eintrag auf einer der archivierten Karteikarten oder Computerdateien heraus. Das ist zynisch, zugegeben. Aber bei dem rapide fortschreitenden Rückgang der Populationen von Meeresschildkröten muss die Frage erlaubt sein, wie sinnvoll man die vorhandenen Ressourcen einsetzt.

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