Schmidt, D. J., T. Espinoza, M. Connell & J. M. Hughes (2018): Conservation genetics of the Mary River turtle (Elusor macrurus) in natural and captive populations. – Aquatic Conservation: Marine and Freshwater Ecosystems 28: 115-123; DOI: 10.1002/aqc.2851.

Erhaltungsgenetik der Mary-Flussschildkröte (Elusor macrurus) in natürlichen Populationen und solchen in menschlicher Obhut.

Viele tausend Mary-Flussschildkröteneier wurden früher während der 1960iger und 1970iger Jahre gesammelt und im Tierhandel vermarktet ehe festgestellt wurde, dass es sich dabei um eine neue Art innerhalb einer eigenen Gattung handelt. Solche Haustierschildkröten und deren Nachkommen überleben noch heute in Sammlungen. Elusor macrurus gehört heute zu den stark bedrohten Arten nachdem es zu dramatischen Populationsrückgängen entlang dieses einzigen australischen Flusslaufs kam, der ihr gesamtes Verbreitungsgebiet darstellt. Eine erhaltungsgenetische Erhebung wurde veranlasst, um zu überprüfen ob es Unterteilungen innerhalb der verbliebenen wildlebenden Population der Mary-Flussschildkröte gibt und um zu vergleichen ob die Diversität der wilden Population mit der von Tieren aus dem Tierhandel die heute unter menschlicher Obhut leben übereinstimmt. Damit soll dann eine Grundlage für die Ermittlung der effektiven Populationsgröße (N-e) geschaffen werden die der zukünftigen Überwachung und zur Populationserholung dienen soll. Die Mikrosatellitenanalyse zeigte eine Durchmischung für das gesamte Einzugsgebiets des Mary-Fluss mit nur einer einzigen Ausnahme für einen weiter flussabwärts gelegen Zufluss – Tinana Creek (pop. Spezifische F-ST=0.154). Eine eigenständige Untergruppe zwischen der Tinana Creek- und Mary-Fluss-Population ist ein allgemein zu beobachtendes Phänomen für mehrere gleich verbreitete Süßwassertaxa einschließlich des gefährdeten australischen Lungenfisches und dem Mary-Fluss-Kabeljau. Die Mikrosatellitendiversität für die Adulten der wildlebenden Population war niedrig (Durchschnittliche H-S=0.554) und sie war nicht signifikant unterschiedlich zu den Proben von den Schildkröten in menschlicher Obhut, was nahelegt, dass die genetische Diversität bei den Tieren in Gefangenschaft erhalten blieb. Die mitochondriale DNS-Diversität war extrem gering mit nur zwei Haplotypen innerhalb der wildlebenden Populationen und nur einem gemeinsamen Haplotyp bei den Tieren in Gefangenschaft. Die Abschätzung der effektiven Populationsgröße N-e für die gesamten wildlebenden Exemplare der Art belief sich auf 136 oder auf 158 je nach Anwendung zweier verschiedener Berechnungsmethoden. Ein nicht unwahrscheinliches Managementziel sollte es sein die N-e über 100 zu halten um eine Populationserholung für die Art zu ermöglichen. Zusätzliche Empfehlungen beziehen sich darauf die Maryflussschildkröte als „hochgradig gefährdet“ einzustufen und darauf einen entsprechenden Erhaltungsplan zu erstellen der ein Headstart-Programm mit einbezieht wobei auf die in Gefangenschaft gehalten Exemplare zurückzugreifen ist, um mit deren Nachzuchten die wildlebende Population aufzustocken.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun ist das zwar ein gutes Ziel, nur vermisse ich eigentlich eine Erhebung darüber warum die natürliche Population so eingebrochen ist und warum sie sich nach den 1970iger Jahren nicht wieder erholt hat. Australien hat sehr strenge Tierschutzgesetze die eigentlich während der vergangenen 30 Jahre eine Populationserhöhung zugelassen haben sollten solange die Habitate intakt sind und eine höhere Population mit ausreichend Ressourcen versorgen könnten (siehe Kommentar zu Fordham et al., 2007; 2008). Populationsaufstockungen sind zwar hilfreich aber eben nur dann wenn auch ausreichend Ressourcen für mehr Individuen vorhanden sind. Ich habe aber hier das ungute Gefühl, dass am Flusslauf etliche Veränderungen während der letzten Jahre erfolgt sind, die essentielle Ressourcen wie Niststrände und Flachwasserzonen zerstört haben, sodass man sich wirklich fragen muss ob die derzeit noch verfügbaren Habitate mehr Schildkröten versorgen können oder ob mehr Exemplare nur zu mehr Stress und Mikrohabitatkonkurrenz bei den noch wildlebenden Exemplaren führen.

Literatur

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal of Animal Ecology 76 (6): 1231–1243 oder Abstract-Archiv.

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2008): Experimental evidence for density-dependent responses to mortality of snake-necked turtles. – Oecologia 159: 271–281 oder Abstract-Archiv.

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