Rahman, S. C., S. M. A. Rashid, R. Datta, P. Mro & C. J. Roy (2015): Status, Exploitation, and Conservation of Freshwater Turtles and Tortoises in Chittagong Hill Tracts, Bangladesh. – Chelonian Conservation and Biology 14: 130–135.

Status, Nutzung und Erhaltung von Süßwasserschildkröten und Landschildkröten in der Chittagong-Hügelkette, Bangladesh.

Die Chittagong-Hügelkette (CHT) besteht aus einer ausgedehnten Mittelgebirgslandschaft im äußersten Südosten von Bangladesch, angrenzend an Indien und Myanmar. Die CHT bedeckt mehr als 10 % der Landfläche von Bangladesch und sie liegt noch innerhalb des so genannten „Indo-Burma-Biodiversitätshotspots“. Durch die politische Instabilität des Landes und der Abgelegenheit der Region zählt sie zu den am wenigsten erforschten Gebieten Bangladeschs. Sehr wenig ist über die Schildkrötenfauna dieser Region bekannt. Wir untersuchten hier das Vorkommen, den Erhaltungsstatus und die Ausbeutung der Schildkrötenbestände im südlichen Teil der CHT innerhalb des Sangu-Matamuhuri Waldreservats und den angrenzenden Arealen von 2011 bis 2015. Während unserer Erhebungen sammelten wir direkte Nachweise für Exemplare folgender 8 Arten: Flache Erdschildkröte oder Arakan-Wald-Schildkröte (Heosemys depressa), Braune Waldschildkröte (Manouria emys), Gekielte Dosenschildkröte (Cuora mouhotii), Gelbkopfschildkröte (Indotestudo elongata), Assam-Dachschildkröte (1) (Pangshura sylhetensis), Blattschildkröte (Cyclemys spp.), Malaiische Weichschildkröte (Amyda ornata), und Indische Weichschildkröte (Lissemys punctata). Hier konnten wir die hochgradig bedrohte H. depressa und die bedrohte C. mouhotii erstmals für Bangladesch nachweisen. Für die bedrohte P. sylhetensis konnten wir den Erstnachweis für die Region des CHT erbringen. Ebenso konnten wir zwei isolierte Populationen von M. emys für das Sangu-Matamuhuri-Waldreservat lokalisieren. Wir konnten bislang noch keine Beweise für groß angelegte kommerzielle Absammelaktionen für die Untersuchungsregion aufzeigen, sodass der Schildkrötenfang zur Ernährung der Lokalbevölkerung die derzeit einzige Bedrohung für die Schildkröten dieser Region darstellen dürfte. Allerdings, ohne ein entsprechendes Eingreifen dürfte auch diese Form des Schildkrötenfangs zur weiträumigen Ausrottung von kleinen Populationen mit nur noch geringer Individuenzahl führen. Unter Anbetracht des Artenreichtums und den noch vorhandenen Möglichkeiten zur langfristigen Erhaltung dieser bedrohten Arten sollte man die CHT als Schutzregion mit hoher Priorität ansehen. Um das Schildkrötensammeln zu reduzieren empfehlen wir Erhaltungsmodelle, die die Lokalbevölkerung (Dorfgemeinschaften) mit einbeziehen und die auf Vertrauenswürdigkeit und das traditionell vorhandene ökologische Wissen der Bevölkerung aufbauen und die wissenschaftliche Ökologie begleitend mit einbeziehen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Publikation zeigt zum einen den erfreulichen Befund, dass es Populationen dieser bedrohten Arten auch noch an Orten gibt, die bislang unbekannt waren und somit für deren Erhaltung berechtigte Hoffnung besteht. Andererseits haben solche Publikationen aber auch den Nachteil, dass sie Vorkommen bekannt machen, die auch für jene, die am illegalen Handel verdienen, bislang noch unbekannt waren. Wie schnell solche Publikationen zum Zusammenbruch von Populationen führten ist auch aus jüngster Zeit belegt und wird sich gerade in solch armen Ländern nicht ohne Weiteres verhindern lassen. Siehe dazu auch: Vinke & Vinke (2015); Whitaker & Vijaya (2009); Hall et al. (2008); Rivalan et al. (2007), Stuart et al. (2006).

Literatur

Hall, R. J., E. J. Milner-Gulland & F. Courchamp (2008): Endangering the endangered: The effects of perceived rarity on species exploitation. – Conservation Letters 1 (2): 75-81 oder Abstract-Archiv.

Rivalan, P., V. Delmas, E. Angulo, L. S. Bull, R. J. Hall, F. Courchamp, A. M. Rosser & N. Leader-Williams (2007): Can bans stimulate wildlife trade? Proactive management of trade in endangered wildlife makes more sense than last-minute bans that can themselves increase trading activity. – Nature 447: 529–530 oder Abstract-Archiv.

Vinke, T. & S. Vinke (2015): Kann und darf Illegales in der Europäischen Union legal sein? – Schildkröten im Fokus, Bergheim 12 (1): 30–35.

Stuart, B. L., A. G. J. Rhodin, L. L. Grismer & T. Hansel (2006): Scientific description can imperil species. – Science 312: 1137.

Whitaker, N. & J. Vijaya (2009): Biology of the Forest Cane Turtle, Vijayachelys silvatica, in South India. – Chelonian Conservation and Biology 8 (2): 109-115. Oder Abstract-Archiv.

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