Rafeliarisoa T., G. Shore, S. Engberg, E. Louis & R. Brenneman (2006): Characterization of 11 microsatellite marker loci in the Malagasy big-headed turtle (Erymnochelys madagascariensis). – Molecular Ecology notes 6 (4): 1228-1230.

Charakterisierung von 11 Mikrosatelliten Markerloci bei der madagassischen Großkopfschildkröte (Erymnochelys madagascariensis)

Die madagassische Großkopfschildkröte (Erymnochelys madagascariensis) ist die einzige ihrer Gattung, die in den Seen, Flüssen und Überschwemmungsgebieten des westlichen Madagaskars lebt. Die Art ist durch übermäßige Entnahmen aus den natürlichen Populationen zu Nahrungszwecken der einheimischen Bevölkerung stark gefährdet. Elf nukleäre Mikrosatelliten Loci wurden aus einer genomischen Datenbank isoliert, die von einer wild lebenden, madagassischen Großkopfschildkröte aus der Region Beroboka (Classified Forest, Madagascar) stammte. Die populationsgenetischen Parameter wurden an Proben von 10 Individuen aus den Ampijoroa und Andranohobaka Flüssen, Madagaskar, bestimmt, wobei es erst einmal das Ziel war, die Brauchbarkeit der Marker zu testen und vorläufige Basisdaten für das zukünftige Studium von Populationen in diesen Flusssystemen zu erhalten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Solche zukunftsweisenden Studien zur Populationsanalyse und der darin bestehenden Verwandtschaftsbeziehungen sind viel versprechend und sie zeigen uns eigentlich heute schon, wie die moderne Inventarisierung der Lebewesen auf unseren Planeten in Zukunft aussehen wird. Dabei lassen sich nicht nur Informationen wo, wann und zu welcher Zeit was gelebt hat oder noch lebt, erfassen, nein, diese Datensätze zeigen auch Verwandtschaftsbeziehungen wie z. B. Populationszugehörigkeit, vielleicht sogar direkte Abstammungslinien. Aber diese Daten sind auch weltweit in Datenbanken gespeichert und abrufbar. Damit könnte jeder Zoo oder auch Privatmann in nicht allzu ferner Zukunft die Populationszugehörigkeit der gehaltenen Tiere überprüfen lassen. Ebenso ließe sich anhand von einer winzigen Blutprobe die Herkunft von Importtieren bestimmen. Je dichter das Datenmaterial wird, desto lückenloser werden diese Datensätze sein und wie auch diese Arbeit zeigt, solche Datensätze sind derzeit schon für viele Spezies vorhanden. Im Grunde genommen ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich ein Labor darauf spezialisiert, solche Analysen und Untersuchungen anzubieten. Ich denke, dass wir wahrscheinlich in nicht weniger als 10 Jahren die Mikrosatellitenmarker für alle CITES Anhang I und II gelisteten Spezies verfügbar haben. Die Technologie dazu ist so einfach, dass sie selbst den Universitäten ärmerer Länder dieser Erde heute schon für den humanmedizinischen Sektor zur Verfügung steht und wie etliche Arbeiten (siehe Abstract-Archiv, Thema Genetik) zeigen, dass sie auch zunehmend für den Natur- und Artenschutz eingesetzt wird.

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