Rasmussen, M. L. & J. D. Litzgus (2010): Patterns of maternal investment in spotted turtles (Clemmys guttata): Implications of trade-offs, scales of analyses, and incubation substrates. – Ecoscience 17 (1): 47-58.

Das Muster der mütterlichen Investitionen bei Tropfenschildkröten (Clemmys guttata): Auswirkungen von Abwägungen, Maße zur Analyse und Inkubationssubstrate.

Rataj, A. V., R. Lindtner-Knific, K. Vlahovic, U. Mavri & A. Dovc (2011) Parasites in pet reptiles. – Acta Veterinaria Scandinavica 53 (1): 33.

Parasiten bei Reptilien in der Tierhaltung.

Rasmussen, C., M. C. Allender, C. A. Phillips, J. Byrd, T. Lloyd & C. Maddox (2017): Multi-drug resistance patterns of enteric bacteria in two populations of free-ranging Eastern box turtles (Terrapene carolina carolina). – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 48(3): 708–715; DOI: 10.1638/2016-0194.1.

Das Vorkommen von multiplen Antibiotikaresistenzmustern bei den Darmbakterien von zwei wildlebenden Populationen der Östlichen Dosenschildkröte (Terrapene carolina carolina)

Gram-negative Isolate (n = 84) aus 71 % der wildlebenden östlichen Dosenschildkröten, (Terrapene carolina carolina) in Illinois und Tennessee, USA, zeigten sich resistent gegenüber mindestens einem Antibiotikum, während schon 30 % Resistenzen gegenüber zwei oder mehreren Antibiotika aufwiesen. Es gab Resistenzen gegenüber Cefoxitin, Amoxicillin-Clavulansäure, Cefazolin, Ampicillin, Ticarcillin, Cefovecin und Ceftiofur. Gram-positive Bakterien wurden aus 49 Schildkröten isoliert, wobei in allen Fällen Resistenzen gegenüber mehreren Antibiotika gefunden wurden; dazu gehörten Resistenzen gegenüber Penicillin, Cefoxitin, Oxacillin, Clindamycin, Amikacin, Enrofloxacin, Cefovecin, Ceftiofur, Cefazolin, Marbofloxacin, Gentamicin, Erythromycin, Trimethoprim-Sulfamethoxazol und Chloramphenicol. In Bezug auf die diagnostischen Gesundheitsparameter wie dem Hämatokrit, der Gesamtzahl der weißen Blutzellen (Leukozyten) der Gesamtmenge an festen Blutbestandteilen (TS) und beim Gewicht zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Schildkröten mit unterschiedlichen Antibiotikaresistenzmustern. Allerdings stellten wir eine Absenkung der Leukozytenzahl und der TS-Werte bei den Schildkröten fest, was einherging mit der Zunahme der Anzahl an Antibiotika gegenüber denen eine Resistenz bestand.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich eigentlich um eine alarmierende Untersuchung, denn diese Arbeit legt nahe, dass die Behandlung von Schildkröten mit Antibiotika, die anschließend wieder ausgewildert werden, ein hohes Risiko birgt antibiotikaresistente Erregerstämme zu verbreiten, da solche Bakterien durchaus auch bei der Kopulation von einem Tier auf das andere übertragen werden, da sich wohl immer entsprechende Darmbakterien in der Kloake befinden (siehe z. B. Sack et al. 2017). Es mag auch kein Zufall sein, dass gerade Arten aus der Gattung Terrapene so hohe multiple Resistenzwerte aufweisen, wenn man sich die häufigsten Erkrankungen und deren Behandlungsstrategien mal verdeutlicht (siehe dazu auch Sack et al. 2017). Auch die Übertragung per Kot auf andere koprophage Tiere ist nicht auszuschließen. Man sollte aber dabei auch nicht ganz vergessen, dass solche Antibiotika auch in der Landwirtschaft bei der Tiermast eingesetzt werden, sodass durchaus auch die Möglichkeit besteht, dass solche multiresistenten Bakterienstämme mit dem Mist und der Gülle bei der Düngung ins Freiland und ins Oberflächenwasser gelangen (siehe dazu auch Lambrecht et al. 2017; Solliec et al. 2016; Xiong et al. 2015). Hier besteht wirklich ein hohes Risiko mit multiresistenten Erregern in Kontakt zu kommen. Diese Gefahr besteht nicht nur für den Menschen. Auch die Behandlung von in menschlicher Obhut gepflegten Schildkröten ist davon bedroht, da Sie ohne vorhergehendes Antibiogramm eigentlich gar nicht mehr sicher sein können, welches Antibiotikum Ihrer erkrankten Schildkröte noch helfen könnte. Die Liste der dort angeführten Antibiotika, gegen die Resistenzen – wohlgemerkt bei der Mehrzahl der wildlebenden Individuen – gefunden wurden, liest sich so, als handele es sich um den Gesamtbestand einer gut bestückten Klinikapotheke. Da stellt sich auch die Frage, ob wir mit der Auswilderung solcher Schildkröten ihnen und der Natur wirklich einen Gefallen erweisen? Auf alle Fälle sollte uns diese Arbeit wirklich dahingehend wachrütteln, einmal Ursachenforschung zu betreiben, um herauszufinden, wie sich die Tiere diese multiresistenten Erreger aneignen. Und wenn sich herausstellen sollte, dass sich schon wechselwarme Amphibien und Reptilien mit multiresistenten Erregern aus der Landwirtschaft infizieren, dann sollte es wirklich an der Zeit sein, einmal über den Einsatz von Antibiotika als auch Pestiziden und Herbiziden (siehe Héritier et al. 2017) ernsthaft und praxisorientiert nachzudenken. Wir haben ja ansonsten auch vor allem Angst und reden uns die Köpfe über Stickoxide und Feinstaub im Straßenverkehr heiß, während wir auf der anderen Seite der Agrarwirtschaft und vielleicht auch der Veterinärmedizin den fast sorglosen Umgang mit Medikamenten erlauben, die sich im Endeffekt als Gefahr für uns und unsere Mitlebewesen erweisen können.

Literatur

Abstract und Kommentar stehen in der Rubrik Wissenschaft im Fokus in Schildkröten im Fokus 15(1): 15-17, 2018.

Héritier, L., D. Duval, R. Galinier, A.-L.,Meistertzheim & O. Verneau (2017): Oxidative stress induced by glyphosate-based herbicide on freshwater turtles. – Environmental Toxicology and Chemistry DOI:10.1002/etc.3916 oder Schildkröten im Fokus 14(4): 16-23.

Lambrecht, E., E. Van Meervenne, N. Boon, T. Van de Wiele, P. Wattiau, L. Herman, M. Heyndrickx & E. Van Coillie (2017): Characterization of Cefotaxime- and Ciprofloxacin-Resistant Commensal Escherichia coli Originating from Belgian Farm Animals Indicates High Antibiotic Resistance Transfer Rates. – Microbial Drug Resistance; DOI: 10.1089/mdr.2017.0226.

Sack, A., E. Butler, P. Cowen & G. A. Lewbart (2017): Morbidity and Mortality of Wild Turtles at a North Carolina Wildlife Clinic: a 10-year Retrospective. – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 48(3): 716–724; DOI: 10.1638/2016-0053.1 oder Schildkröten im Fokus 15(1): 14-15.

Solliec, M., A. Roy-Lachapelle, M. O. Gasser, C. Coté, M. Généreux & S. Sauvé (2016): Fractionation and analysis of veterinary antibiotics and their related degradation products in agricultural soils and drainage waters following swine manure amendment. – Science of the Total Environment 543(Pt A): 524–535.

Xiong, W., Y. Sun, X. Ding, M. Wang & Z. Zeng (2015): Selective pressure of antibiotics on ARGs and bacterial communities in manure-polluted freshwater-sediment microcosms. – Frontiers in Microbiology DOI: 10.3389/fmicb.2015.00194.

Rawski, M., B. Kieronczyk, J. Dlugosz, S. Swiatkiewicz & D. Jozefiak (2016): Dietary Probiotics Affect Gastrointestinal Micro­biota, Histological Structure and Shell Mineralization in Turtles. – PLOS ONE 11(2): e0147859; DOI: 10.1371/journal.pone.0147859.

Probiotische Ernährung hat Auswirkungen auf das Mikrobiom im Magendarmtrakt, die histologische Struktur und auf die Minera­lisation des Panzers bei Wasser­schild­kröten