Polich, R. L. & M. Barazowski (2016): Flight Initiation Distance in a Freshwater Turtle, Chrysemys picta. – Chelonian Conservation and Biology 15: 214–218.

Die Entfernung zum Auslösen des Fluchtreflexes bei einer Süßwasserschildkröte, Chrysemys picta

Viele wild lebende Tiere reagieren empfindlich auf Störungen durch den Menschen wobei es sich meistens um Störungen durch Freizeitaktivitäten handelt. Allerdings ist für viele Spezies unbekannt wie sich diese Störungen auf deren Fitness und Verhalten auswirken. Wir testeten ob Zierschildkröten (Chrysemys picta), eine gefährdete Süßwasserschildkrötenart dazu gebracht werden kann, dass sich Menschen näher an sie heran bewegen können in dem wir die Entfernung bis zum Auslösen der Flucht bestimmten und zwar unter regulärer Anwesenheit von Personen und bei solchen Tieren die in nicht vom Menschen genutzten Habitaten leben. Wir sammelten dabei Daten in einem Lebensraum indem regelmäßig menschliche Freizeitaktivitäten stattfinden und stellten fest, dass bei diesen Schildkröten die durchschnittlichen Fluchtdistanzen signifikant niedriger lag als jene bei einer Population die in einem für Freizeitaktivitäten gesperrten Bereich lebten. Die Fähigkeit der Schildkröten Menschen in ihrer Nähe dort zu tolerieren wo regelmäßig Freizeitaktivitäten stattfinden mag es Schildkrötenpopulationen ermöglichen mit dem Menschen dort zu koexistieren wo bestimmte Freizeitaktivitäten stattfinden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wieder eine Beobachtung die zeigt, dass Schildkröten lernen können. Etwas das wir Schildkrötenhalter ja durchaus auch bei unseren Pfleglingen beobachten können. Bei der Haltung kann das sogar so weit gehen, dass man Schlüpflinge die man von Anfang bei der Aufzucht regelmäßig handhabt vor dem „In die Hand genommen werden“ keinerlei Scheu zeigen. Erst wenn sie draußen im Freiland sind beobachtet man dann, dass sie sich erst vor dem sich nähernden Schatten erschrecken und erst wieder zutraulich aus dem Panzer kommen wenn man sie auf der Hand hat. Allerdings wenn man solche Exemplare mal behandeln muss und zwar auf eine Art die auch für sie unangenehm oder gar schmerzhaft ist kann es Wochen dauern bis sie wieder zutraulich werden. Im Grunde genommen zeigen einen solche eigenen Beobachtungen, dass man nicht immer auf die Wissenschaft warten muss um zu erfahren was Lebewesen können und was nicht. Allerdings kann diese Zutraulichkeit insbesondere dann zum Problem werden, wenn man solche Tiere mal auswildern will. Denn dieser Verlust an Scheue macht sie für viele Beutegreifer zur einfachen Beute.

Literatur

Rodriguez-Caro, R. C., E. Gracia, J. D. Anadon & A. Gimenez (2013): Maintained effects of fire on individual growth and survival rates in a spur-thighed tortoise population. – European Journal of Wildlife Research 59: 911–913 oder Abstract-Archiv.

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