Palackdharry, S., B. M. Sadd, l. A. Vogel & R. M. Bowden (2016): The effect of environmental temperature on reptilian peripheral blood B cell functions. – Hormones and Behavior doi: 10.1016/j.yhbeh.2016.10.008.

Auswirkungen der Umgebungstemperatur auf peripheren B-Zell-Funktionen im Blut bei Reptilien

Jüngste Studien identifizierten phagozytische B-Zellen in einer Vielzahl von Arten. Allerdings ist bislang wenig zu deren Funktion bekannt und darüber wie sie durch schwankende Umweltbedingungen in einer natürlichen Umwelt wie zum Beispiel durch Temperaturwechsel beeinflusst werden. Phagozytische B-Zellen sind auch bei Rotwangen-Schmuckschildkröten, Trachemys scripta, die einer weiten Spanne an unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt sind vorhanden wobei es naheliegt, dass sie bei diesen Wechselwarmen die Immunität mitregulieren und die Umgebungstemperatur bei B-Zellen die Antikörperausschüttung sowie die Pagozytose beeinflusst. Wir untersuchten den Einfluss der Umgebungstemperatur auf die B-Zellfunktion in vitro unter Verwendung von Phagozytose- und ELISpot- Assays die wir bei biologisch relevanten Temperaturen einsetzten. Wir fanden einen signifikanten Einfluss der Temperatur auf die Antikörperausschüttung mit einer maximalen Antikörperausschüttung bei mittleren Temperaturen (wobei das ermittelte Maximum bei 28,8°C liegt). Es gab keine Auswirkungen der Temperatur auf die Phagozytoserate. Wir beobachteten aber Unterschiede bei der Phagozytoseeffizienz zwischen B-Zellen und nicht-B-Zellen. Interessanterweise sahen wir in den In vitro-Assays, dass phagozytische B-Zellen weit mehr fluoreszierende Partikel pro Zelle aufnahmen als die eigentlichen Phagozyten die keine Immunglobuline auf der Zelloberfläche exprimieren. Diese Arbeit erhellt einige der Funktionen phagozytischer B-Zellen und macht deutlich wie wichtig die Umwelttemperatur für das Verhalten von Reptilienimmunzellen ist. Letzteres kann eine Relevanz für die Fitness dieser Organismen haben.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Studie ist zwar vielleicht für die meisten Halter/innen von Schildkröten auf den ersten Blick weniger interessant. Dennoch verweist diese Studie wie ich meine auf zwei ganz entscheidende Faktoren. Zum einen macht sie deutlich, dass zumindest für diese Spezies eine optimale Antikörperausschüttung und Immunabwehr bei einer Temperatur von 28,8°C erfolgt was bezogen auf die Körpertemperatur also sehr nahe dem kommt was für etliche Schildkrötenarten in der jüngeren Vergangenheit als bevorzugte Körpertemperatur beschrieben wurde (mit Ausnahme von Platysternon oder Hydromedusa). Siehe dazu auch Dubois et al., (2008); Köhler, (2008, 2009), Ligon et al., (2009), McMaster & Downs (2013a, b). Ja und zum zweiten wird deutlich gemacht wie wichtig sowohl für die Phagozytose also das zelluläre Aufnehmen und vernichten von Krankheitserregern und die Antikörperproduktion und Ausschüttung das Immunsystem ist. Solche Antikörper sind Proteine nämlich Immunglobuline und wie schon früher erwähnt und des Öfteren diskutiert sind auch Schildkröten zumindest während ihrer Aktivitätsphasen von einer optimalen Proteinaufnahme abhängig, wenn sie gesund bleiben sollen. Sicher verbrauchen sie nicht so viele insbesondere schwefelhaltige Aminosäuren wie behaarte und das Fell wechselnde Säugetiere aber dennoch wäre es völlig falsch sie nur proteinarm zu ernähren und insbesondere aufzuziehen. Siehe dazu auch Kommentare zu Ritz et al. (2012), Roark et al. (2009), Zimmerman et al., (2010).

Literatur

Dubois Y, G. Blouin-Demers & D. Thomas (2008): Temperature selection in wood turtles (Glyptemys insculpta) and its implications for energetics. – Ecoscience 15 (3): 398–406 oder Abstract-Archiv.

Köhler, H. (2008): Aufzucht europäischer Landschildkröten-Babys: Vom Ei zum robusten Jungtier. – Augsburg (Schildi-Verlag), 180 S.

Köhler, H. (2009): Über Bewegungsradius und Ruhepausen wild lebender maurischer Landschildkröten. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 6 (1): 29–34.

Ligon, D. B., J. R. Bidwell & M. B. Lovern (2009): Incubation temperature effects on hatchling growth and metabolic rate in the African spurred tortoise, Geochelone sulcata. Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 87: 64–72 oder Schildkröten im Fokus, Bergheim 6 (3).

McMaster, M. K. & C. T. Downs (2013): Thermal variability in body temperature in an ectotherm: Are cloacal temperatures good indicators of tortoise body temperature? – Journal of Thermal Biology 38: 163–168 oder Abstract-Archiv.

McMaster, M. K. & C. T. Downs (2013): Thermoregulation in leopard tortoises in the Nama-Karoo: The importance of behaviour and core body temperatures. – Journal of Thermal Biology 38: 178–185 oder Abstract-Archiv.

Ritz, J., M. Clauss, W. J. Streich & M. Hatt (2012): Variation in Growth and Potentially Associated Health Status in Hermann’s and Spur-Thighed Tortoise (Testudo hermanni and Testudo graeca). – Zoo Biology doi: 10.1002/zoo.21002 oder Abstract-Archiv.

Roark, A. M., K. A. Bjorndal & A. B. Bolten (2009): Compensatory responses to food restriction in juvenile green turtles (Chelonia mydas). – Ecology 90 (9): 2524–2534 oder Abstract-Archiv.

Zimmerman, L. M., R. T. Paitz, L. A. Vogel & R. M. Bowden (2010): Variation in the seasonal patterns of innate and adaptive immunity in the red-eared slider (Trachemys scripta). – Journal of Experimental Biology 213: 1477–1483 oder SiF 8 (2) 2011.

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