Paez, V. P., A. Lipman, B. C. Bock & S. S. Heppell (2015): A Plea to Redirect and Evaluate Conservation Programs for South America's Podocnemidid River Turtles. – CHEChelonian Conservation and Biology, 14: 205–216.

Eine Bitte zur Umgestaltung und zur Evaluierung der Erhaltungsprogramme für südamerikanische podocnemidide Flussschildkröten.

Wir überprüfen hier die derzeitigen Praktiken in den Erhaltungsprogrammen für podocnemidide Schildkröten in Südamerika, und fassen die direkten und indirekten negativen Auswirkungen, die einige dieser Praktiken für die Populationen zeitigen, die wir managen wollen, zusammen. Wir argumentieren hier dafür, dass Programme, die nur auf den Transfer von Nestern und auf Headstart-Maßnahmen als Erhaltungsstrategie ausgerichtet sind, neu ausgerichtet werden sollten, indem der Schutz und das Überwachen der subadulten und adulten Flussschildkröten in den Vordergrund gerückt werden sollte. Ebenso sollten Erfassungsmaßnahmen zur Anwendung kommen, die den Nutzen der Managementpraktiken wirklich erfassen. Außerdem geben wir Vorschläge für andere Wege des Managements für podocnemidide Flussschildkrötenpopulationen, die Verbesserungen bringen, ohne auf so unzureichende manipulative ex situ Praktiken zurückgreifen zu müssen, die mehr Schaden als Nutzen mit sich bringen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun, dieses Abstract bleibt sehr wage in Bezug auf die Veränderungen. Aber wenn wir uns daran erinnern, welche Probleme Headstart Programme allein schon bei der Unterbringung und Fütterung mit sich bringen und oft einer Massentierhaltung gleichen (siehe auch Boede & Hernandez 2004, Tavares-Dias et al. 2009), sind solche Zweifel angebracht. Zudem sollte man die neuen Erkenntnisse darüber, dass zumindest für einige Arten bekannt wird, dass die Schildkrötenmütter die Schlüpflinge „führen“ (Ferrara et al. 2013, 2014) dahingehend berücksichtigt werden, dass diese Führung durchaus für das spätere Langzeitüberleben der Tiere eine Bedeutung haben kann. Und diese Erfahrung fehlt den Tieren aus Headstart-Programmen komplett. Zumal gerade für langlebige Arten die negativen Auswirkungen solcher Maßnahmen erst sehr spät bekannt werden können, wenn sie zum Beispiel ausschließlich negative Rückwirkungen auf das Verhalten der Adulttiere zeigen.

Literatur

Boede, E.O. & O. Hernandez (2004): Diseases in arrau sideneck turtle, Podocnemis expansa, kept in Venezuelan farms. – Revista Cientifica Facultad de Ciences Veterinarias 14: 395-403 oder Abstract-Archiv.

Ferrara, C. R., R. C. Vogt & R. S. Sousa-Lima (2013): Turtle Vocalizations as the First Evidence of Posthatching Parental Care in Chelonians. – Journal of Comparative Psychology 127 (1): 24–32 oder Abstract-Archiv.

Ferrara, C. R., R. C. Vogt, R. S. Sousa-Lima, B. M. R. Tardio, & V. C. Diniz Bernardes (2014): Sound communication and social behavior in an Amazonian river turtle (Podocnemis expansa). – Herpetologica 70: 149–156 oder Abstract-Archiv.

Tavares-Dias, M., A. A. Oliveira-Junior, M. G. Silva, J. L. Marcon & J. R. M. Barcellos (2009): Comparative hematological and biochemical analysis of giant turtles from the Amazon farmed in poor and normal nutritional conditions – Veterinarski Arhiv 79 (6): 601–610 oder Abstract-Archiv.

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