Oonincx, D. G. A. B. & A. F. B. van der Poel (2010): Effects of diet on the chemical composition of migratory locusts (Locusta migratoria). – Zoo Biology 28: 1-8.

Auswirkungen der Nahrung auf die chemische Zusammensetzung von Wanderheuschrecken (Locusta migratoria).

Es wurde ein Experiment durchgeführt, um die Effekte der Nahrung auf die chemische Zusammensetzung von Wanderheuschrecken (Locusta migratoria L.) zu analysieren. Für das letzte Nymphenstadium sowie adulte mit drei unterschiedlichen Diäten gefütterte Wanderheuschrecken wurden Frisch- und Trockengewicht sowie die Anteile am Trockengewicht für Asche, Fett, Protein, Ca, K, Mg, Na, P, Cu, Fe, Zn, Retinol, Lutein, Zeaxanthin, Cryptoxanthin, Karotine, Lycopene und Gesamtenergie bestimmt. Die drei Diäten bestanden aus Gras oder aus Gras + Weizenkleie oder aus Gras + Weizenkleie + Karotten. Die Zugabe von Weizenkleie reduzierte den Proteingehalt und führte zum Anstieg des Fettgehalts (633 vs. 583 und 182 vs. 231 g/kg Trockengewicht). Die Zugabe von Karotten erhöhte den Fettgehalt noch weiter, von 231 auf 271 g/kg Trockengewicht. Die Konzentrationen für die Mineralien Ca, K, Mg und Na wurden signifikant von der Nahrungszusammensetzung beeinflusst. Die Konzentrationen von P, K, Cu, und Fe waren im letzten Nymphenstadium signifikant verschieden zu jenen in Adulten. Weizenkleie reduzierte auch den β-Carotingehalt, der sich übrigens auch nicht bei Zugabe von Karotten veränderte. Allerdings resultierte die Zufütterung von Karotten in höheren Mengen an β-Carotin. Die Retinolkonzentration erhöhte sich bei Zufütterung von Weizenkleie und Karotten im Vergleich zu der reinen Grasdiät. Diese Studie zeigt, dass die chemische Zusammensetzung von Wanderheuschrecken durch die Nahrungszusammensetzung manipuliert werden kann. Somit ermöglicht dieses Vorgehen die chemische Zusammensetzung von lebenden Futterinsekten zu verändern, um sie dem Ernährungsbedarf der Beutegreifer besser anzupassen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch diese Arbeit bietet wichtige Informationen für den Terrarianer. Es mag zwar banal klingen, dass man durch Zufütterung den Gehalt an Nährstoffen im Futtertier beeinflussen kann, aber es ist trotzdem interessant zu lernen, was sich in welche Richtung verändert. Oder hätten Sie gewusst, wie Weizenkleie wirkt, die ja gerade das Hauptfutter für die im Zoogeschäft angebotenen und gehälterten Futterinsekten ist? Oder gar, dass Karotten zwar wie zu erwarten den β-Carotingehalt erhöhen, aber zudem zu noch mehr Fett in der Futterheuschrecke führen? Insgesamt kann man den Tabellen entnehmen, dass die Zugabe von Karotten durchaus positiv ist, aber auch Weizenkleie ist zum Beispiel ausgezeichnet, wenn es darum geht, den Selengehalt der Futtertiere zu steigern, allerdings sollte man in dem Fall die Karotten weglassen. Insofern kann man hier an einem schönen Beispiel lernen, dass abwechslungsreiches Füttern nicht bedeutet, nach Möglichkeit alles in einem erledigen zu wollen! Und deshalb ist es durchaus sinnvoll, ab und zu Heuschrecken zu verfüttern, die nur Gras bzw. Weizenkleie als Futter genossen hatten, und dafür am nächsten Tag welche anzubieten, die eine weiter angereicherte Nahrung aufgenommen haben. Denn manche Kombinationen an Mineralien oder Vitaminen behindern sich gegenseitig bei der Aufnahme und können so zu Mangelerscheinungen beitragen. Abwechslungsreich zu füttern, bedeutet also nicht alles auf einmal, sondern die verschiedenen Bestandteile auch möglichst zu verschiedenen Zeiten oder Tagen anzubieten. Siehe auch Bidmon (2010) und die dort angeführte Literatur.

Literatur

Bidmon, H.-J. (2010): Karnivore Schildkröten: Was ist ihr handelsübliches Futter eigentlich wert? Oder: Die Bedeutung des Darminhalts der Futtertiere. – Schildkröten im Fokus 7 (1): 3-18.

Seitenanfang