Oonincx, D. G. A. B., Y. Stevens, J. J. G. C. van den Borne, J. P. T. M van Leeuven & W. H. Hendriks (2010): Effects of vitamin D3 supplementation and UVB exposure on the growth and plasma concentration of vitamin D3 metabolites in juvenile bearded dragons (Pogona vitticeps). – Comparative Biochemistry and Physiology – Part B Biochemistry and Biology 156: 122-128.

Die Auswirkungen von Vitamin D3-Supplementierung und UVB-Exposition auf das Wachstum und die Plasmakonzentration von Vitamin D3-Metaboliten bei juvenilen Bartagamen (Pogona vitticeps).

Untersucht wurde Die Effektivität von mit der Nahrung verabreichtem Vitamin D3 und von UVB-Bestrahlung auf die Vitamin D3-Metabolite im Blutplasma in wachsenden Bartagamen (Pogona vitticeps). Insgesamt wurden 84 (40 Männchen und 44 Weibchen) frisch geschlüpfte Bartagamen in sechs Gruppen aufgeteilt. Diese wurden mit sechs unterschiedlichen Dosen von oral verabreichtem Vitamin D3 supplementiert (0-400 %) oder erhielten eine UVB-Bestrahlung von unterschiedlicher Dauer (2-12 Stunden). Im Alter von drei und sechs Monaten wurden Blutproben entnommen, und es wurden für jedes Tier die Titer für 25-Hydroxyvitamin D3 [25(OH)D3] und 1,25 Dihydroxyvitamin [1,25(OH)2D3] gemessen. Im Alter von drei Monaten waren die Plasmakonzentrationen für 25(OH)D3 mit zunehmenden Vitamin D3-Gaben nicht angestiegen, im Gegensatz zur 1,25(OH)2D3-Konzentration. Im Alter von sechs Monaten waren die Plasmakonzentrationen für beide Werte mit zunehmender Vitamin D3-Supplementierung angestiegen. Allerdings lagen bei den mit UVB bestrahlten sechs Monate alten Tieren die Plasmakonzentrationen für 25(OH)D3 18 mal höher (178.4+/-9.0 vs. 9.9+/-1.3 nmol/L) und für 1,25(OH)2D3 5,3 mal höher (1.205+/-0.100 vs. 0.229+/-0.025 nmol/L) als bei mit dem Futter supplementierten Tieren. Diese Studie zeigt, dass 2 Stunden UVB Bestrahlung ausreichen, um wachsenden Bartagamen die Möglichkeit zu geben, einen für sie adäquaten physiologischen Plasma-Vitamin-D3-Spiegel einzustellen. Die orale Gabe von Vitamin D3 ist bezüglich der Anhebung der Plasmakonzentrationen für 25 (OH)D3 und 1,25(OH)2D3 ineffektiv im Vergleich zu den Konzentrationen, die bei Bestrahlung mit UVB erreicht werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch wenn es hier nicht direkt um Schildkröten geht, ist diese Arbeit dennoch sehr interessant für die Reptilienhaltung. Zum einen zeigt sie, dass es zumindest bei Bartagamen eine altersabhängige Regulation gibt, da drei Monate alte Tiere anders auf Vitamin-D-Gaben ansprechen als ältere. Zum anderen zeigt die Arbeit, dass die Bestrahlung mit UVB immer noch wesentlich effektiver ist als die orale Gabe von Vitamin D3-Präparaten. Darüber hinaus liefert die Arbeit eine Tabelle mit dem Vitamin-D-Gehalt der Futtertiere. Außerdem wurde gezeigt, dass junge Bartagamen, obwohl sie sowohl mit Futtertieren als auch mit pflanzlichem Futter versorgt wurden, zu Beginn nur tierische Kost wählten, und auch die älteren Jungtiere nutzten durchschnittlich nicht mehr als 0,44 % pflanzliche Kost (bezogen auf das Trockengewicht der aufgenommenen Nahrungsmenge). Als UVB-Strahler wurden Lampen von Reptisun 5.0 UVB, Zoomed Laboratories, Inc. San Luis Obispo, CA, USA im Abstand von 29 cm eingesetzt. Als Vitamin-D-Supplement diente in Erdnussöl mit Vitamin E gelöstes Davitamon D mit 0,029 mg Vitamin D3/ml, Chefaro Niederlande BD, Rotterdam. Allerdings muss man sich bei dieser Art der Vitamin-D-Verfütterung fragen, wie gut junge Bartagamen als eigentlich Karnivore Erdnussöl verdauen und aufnehmen können. Denn als fettlösliches Vitamin bleibt das Vitamin D natürlich so lange im Öl, wie das Öl im Darm vorhanden ist. Sollten also Bartagamen mit der Verdauung und Aufnahme von Erdnussöl Schwierigkeiten haben, wäre es durchaus möglich, dass das Öl und damit auch das meiste des Vitamin D3 den Darm mit dem Kot verlässt. Das könnte zumindest eine Erklärung für die schlechte orale Aufnahme von Vitamin D sein. Insofern sollte man durchaus einmal darüber nachdenken, ein ähnliches Experiment mit einer wasserlöslichen Formulierung wie von Merck angeboten zu wiederholen, die eventuell eine bessere Vermischung mit dem anderen Futter bzw. Trinkwasser gewährleisten würde und somit auch zu einer höheren Aufnahme führen könnte. Ein weiteres Ergebnis dieser Studie war, dass die Autoren auch zeigen konnten, dass die UVB bestrahlten Gruppen mit höheren Vitamin D-Spiegeln signifikant besser wuchsen. Siehe auch Kommentar zu Purgley et al. (2009).

Literatur

Purgley, H., J. Jewell, J. E. Deacon, R. M. Winokur & V. M. Tripoli (2009): Vitamin D3 in Captive Green Sea Turtles (Chelonia mydas). – Chelonian Conservation and Biology 8 (2): 161-167 oder Schildkröten im Fokus 7 (2) 2010.

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