O'Brien, S., B. Robert & H. Tiandry (2005): Consequences of violating the recapture duration assumption of mark-recapture models: a test using simulated and empirical data from an endangered tortoise population. – Journal of Applied Ecology 42 (6): 1096-1104.

Konsequenzen einer Verletzung der Wiederfangzeitraumsvoraussetzung bei Fang-Wiederfang-Modellen: Ein Versuch, der simulierte und empirische Daten einer Population von bedrohten Schildkröten verwendet

 

  1. Fang-Wiederfang-Methoden werden häufig genutzt, um Überlebensraten zu schätzen, welche für Wildtier-Managementstrategien genutzt werden. Fang-Wiederfang-Methoden setzen eine Null-Todesrate der markierten Exemplare während der Periode des Wiederfangs voraus, weshalb auch angenommen wird, dass diese Periode von vernachlässigbarer Dauer in Relation zum Intervall zwischen den Wiederfangereignissen ist. Diese „Wiederfangzeitraumsvoraussetzung“ wird häufig verletzt und ist sogar kaum getestet bezüglich des potentiellen Messfehlers bezüglich der Überlebensschätzungen. Wir untersuchten, ob eine Verletzung der Wiederfangzeitraumsvoraussetzung die Genauigkeit auf Kosten eines gestiegenen Messfehlers bei der Überlebensschätzung erhöhte.
  2. Indem wir sowohl Simulation als auch empirische Annäherungen verwendeten, wurden jährliche Überlebens- und Wiederfangraten geschätzt, sowohl unter Wiederfangzeitraumlängen, die der Wiederfangzeitraumsvoraussetzung genügten (also Zeitintervalle, die so kurz waren, dass Ausfälle durch Tod unwahrscheinlich sind), als auch unter denen, die sie verletzen. Empirische Daten wurden von einer Population der gefährdeten Madagassischen Schnabelbrustschildkröte, Geochelone yniphora, gewonnen.
  3. Schätzungen der Überlebensrate der Madagassischen Schnabelbrustschildkröte waren höher und hatten kleinere Standardabweichungen, wenn die Wiederfangzeitraumsvoraussetzung verletzt wurde. Weil das „wahre“ Überleben der Madagassischen Schnabelbrustschildkröte unbekannt war, wurde eine Simulationsannährung verwendet, um abzuschätzen, ob kurze oder lange Wiederfangperioden die verlässlichsten Schätzungen ergaben.
  4. Die Simulationsstudie zeigte, dass eine Verletzung der Wiederfangzeitraumsvoraussetzung die Genauigkeit ansteigen ließ, aber den Messfehler der geschätzten Parameter nicht erhöhte, selbst wenn bis zu 50 % der jährlichen Todesfälle unter den Tieren in die Wiederfangperiode fiel. Die präzisesten und am wenigsten abweichenden Überlebensschätzungen traten auf, wenn die Stichprobengröße (Anzahl der markierten Individuen) am größten war, das heißt, wenn sowohl Überlebens- als auch Wiederfangraten hoch waren. Messfehler bezüglich der Überlebensraten waren vernachlässigbar, solange die Wiederfangrate während der Wiederfangperiode nicht unter 0,2 sank. Wir schließen daraus, dass die exaktesten Parameterschätzungen für die Madagassische Schnabelbrustschildkröte erreicht wurden, wenn langfristige Wiederfanggelegenheiten genutzt wurden, welche die Wiederfangzeitraumsvoraussetzung verletzen.
  5. Synthese und Anwendung: Um die präzisesten und am wenigsten abweichenden Überlebensraten zu erhalten, empfehlen wir, die Wiederfangzeitraumsvoraussetzung zu verletzen und eine Wiederfangperiode zu wählen, welche die Stichprobengröße maximiert und eine Wiederfangrate von über 0,2 während der Wiederfangperiode erreicht. Wenn sowohl die Überlebensrate als auch die Wiederfangrate während der Wiederfangperiode relativ konstant bleiben, werden die Überlebensschätzungen vernachlässigbare Abweichungen haben. Wenn eine Überlebensrate von mehr als 0,2 während der Wiederfangperiode nicht erreicht werden kann, sollten andere Methoden als die Fang-Wiederfang-Methode benutzt werden, um die demographischen Werte zu quantifizieren. Diese Empfehlung gilt für alle Arten mit einer Überlebensrate von > 0,05.
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