Nikolić, S. & A. Golubović (2017): Confiscated Emys orbicularis (Linnaeus, 1758) Dying Out in a „Temporary“ Reception Facility in Serbia: a Case Study Showing the Urgency for a Regional Reptile Rescue Centre. – Acta Zoologica Bulgarica; suppl. 10: 115-120.

Das Versterben von beschlagnahmten Emys orbicularis (Linnaeus, 1758) die in einer temporären Auffangstation in Serbien untergebracht sind: Eine Fallstudie.

Im Dezember 2012 wurde eine illegale Lieferung bestehend aus 1300 lebenden Europäischen Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) an der Grenze zwischen der früheren jugoslawischen Republik Mazedonischen (FYROM) und Serbien beschlagnahmt. Alle Schildkröten wurden im Zoo von Belgrad (Serbien) temporär untergebracht bis die dafür zuständigen Bürokraten der beiden Länder einen Weg finden sollten sie an ihren Ursprungsort zurückzuführen. Die Schildkröten wurden in einem 300 m2 großen künstlichen Teich mit 1,30 m Tiefe gehältert indem schon vorher einige Europäische Sumpfschildkröten und Rotwangen-Schmuckschildkröten lebten. Zusammen mit dem immensen Stress für die Tiere waren diese Umstände geradezu ideal für die Übertragung von Krankheitserregern. Im Dezember 2017 waren die Schildkröten immer noch im Zoo und die Bürokraten hatten immer noch keine Maßnahmen ergriffen. In Folge der schlechten Lebensbedingungen verstarben sehr viele der Schildkröten und viele der noch lebenden waren an verschiedensten Krankheiten erkrankt oder verletzt. Aus diesem Grund können sie eigentlich nirgendwo mehr in die freie Wildbahn ausgewildert werden. Der Fall den wir hier beschreiben zeigt deutlich wie dringend die Etablierung vielfältiger nationaler und regionaler Kooperationsstrukturen benötigt wird, wozu auch ein bis mehrere Zentren zur Unterbringung von beschlagnahmten oder ausgesetzten Tieren gehören müssen in denen die Tiere untergebracht und behandelt werden können. Eine weitere wichtige Maßnahme wäre die Entwicklung von einer verbreitungsgebietsweiten DNS-Datenbank für die Reptilienspezies die durch illegale Entnahmen und Handel bedroht sind. Diese Erhaltungsmaßnahmen könnten zukünftig dazu beitragen, dass solche Tiere zeitnah in ihre Herkunftspopulationen zurückgeführt werden könnten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit die durchaus Weitblick erkennen lässt, denn von solchen Zuständen hört man ständig. Sicher mögen manche davon ausgehen, dass sich diese Problematik zumindest in Europa seit 2012 verbessert hat, aber global gesehen gibt es solche illegalen Entnahmen, Transporte und nachfolgende Beschlagnahmen immer noch (z.B. siehe Marginean et al., 2017). Ja selbst derzeit Juni 2018 kann man Arbeiten aus europäischen Ländern finden die diese Thematik adressieren. Insofern ist der Vorschlag es über genetische flächendeckende Zuordnungen zumindest für stark bedrohte Arten zu ermöglichen die Herkunft festzustellen durchaus sinnvoll. Allerdings schließt auch das nicht aus, dass sich solche transportierten illegalen Tiere auch schon während des Transports mit übertragbaren Erregern (Herpes, Mykoplasmen, etc.) infiziert haben und eventuell so nicht wieder ausgewildert werden können. Bislang hat sich aber gezeigt, dass unter entsprechenden hygienischen Bedingungen solche Krankheiten nicht auf die Jungschildkröten, die aus den Eiern solcher Individuen schlüpfen, übertragen. Für solche Fälle wären dann wirklich Auffang- und Zuchtzentren von großem Nutzen in denen solche bedrohten Schildkröten gezüchtet werden können und wo man die Jungtiere wirklich vom Schlupf an getrennt von den Alttieren aufziehen kann um sie als gesunde Jungtiere zur Aufstockung für dezimierte Wildpopulationen, aus denen ihre Eltern entnommen worden waren, zu nutzen. Solche Maßnahmen hätten dann wirklich das Potential zur Arterhaltung. Letzteres könnte sich dabei durchaus bewähren (siehe dazu auch Cilinger et al., 2017; Dresser et al., 2017). Diese Arbeit enthält aber auch noch andere interessante Angaben, nämlich eine Kostenaufstellung darüber wie viel an Geld und Mitteln die beschriebe ungelöste Unterbringungsaktion dem Steuerzahler koste. Da kann man schon hellhörig werden wenn man erfährt, dass sich die Summe in etwa mit der deckt die bislang für Schutzmaßnahmen in Europa angefallen sind. Wenn dem wirklich so ist, dann sollte man es wie ich finde auch so machen, dass etwas Sinnvolles dabei herauskommt.

Literatur

Çilingir, F. G., F. E. Rheindt, K. M. Garg, K. Platt, S. G. Platt & D. P. Bickford (2017): Conservation genomics of the endangered Burmese roofed turtle. – Conservation Biology doi: 10.1111/cobi.12921 oder Abstract-Archiv.

Dresser, C. M., Ogle, R. M. & B. M. Fitzpatrick (2017) Genome scale assessment of a species translocation program. – Conservation Genetics 18: 1191-1199 oder Abstract-Archiv.

Marginean, G.-I., E. Gherman & T. Sos (2018): The illegal internet based trade in European pond turtle Emys orbicularis (Linnaeus, 1758) in Romania: a threat factor for conservation. – North-Western Journal of Zoology 14(1): 64-70 oder Abstract-Archiv.

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