Nijman, V. & C. R. Shepherd (2007): Trade in non-native, CITES-listed, wildlife in Asia, as exemplified by the trade in freshwater turtles and tortoises (Chelonidae) in Thailand. – Contributions to Zoology 76 (3): 207-211.

Handel mit nicht-einheimischen bei CITES-gelisteten Wildtieren in Asien, exemplarisch dargestellt am Beispiel am Beispiel von Süßwasserschildkröten und Landschildkröten (Chelonidae) in Thailand

In 1973 wurde die Convention in International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES) gegründet, um den internationalen Wildtierhandel zu regulieren und um zu verhindern, dass Arten (ökonomisch und biologisch) aussterben. Der Handel mit Süßwasserschildkröten und Landschildkröten ist in Asien sehr hoch, wodurch das Überleben vieler Arten bedroht ist. In 2006 und 2007, während dreier Überprüfungen in den Märkten von Chatuchak und Bangkok, Thailand, dokumentierten wir einen signifikant hohen Anteil von nicht einheimischen Arten von Schildkröten im Heimtierhandel, die bei CITES gelistet sind. Wir dokumentierten insgesamt 688 Individuen aus 19 Spezies aus verschiedensten Regionen dieser Erde, von denen viele als global vom Aussterben gefährdet gelten. Am häufigsten fanden wir drei Arten aus Madagaskar und Afrika, z. B. die Strahlenschildkröte, Geochelone radiata, die Spornschildkröte, G. sulcata und die Pantherschildkröte G. pardalis. Fünf der nachgewiesenen Arten waren bei CITES auf Anhang I gelistet, so dass für diese Arten der internationale Handel ausgeschlossen sein sollte, zusätzlich waren sechs weitere Arten auf Anhang II oder Anhang III gelistet, die eigentlich nur unter regulierten Bedingungen gehandelt werden dürften und eine registrierte Einfuhr solcher Arten nach Thailand hat es offiziell während der letzten sechs Jahre auch nicht gegeben. Die CITES I gelisteten Arten waren nicht teuerer als solche, die in CITES Anhang II und III gelistet sind, es gab auch keine Beziehung zwischen dem Verkaufspreis und der Anzahl angebotener Arten und Exemplare. Diese hohe Anzahl an verfügbaren illegalen Tieren macht deutlich, wie unzureichend die Kontrollen der Händler durch die jeweiligen Gesetzgeber in den exportierenden Ländern und in Thailand sind. Wir schließen daraus, dass der Handel mit diesen Arten und in diesem Volumen für die Arterhaltung bedenklich ist, so dass wir dafür plädieren, die Effektivität von CITES dadurch zu erhöhen, dass die Unterzeichnerstaaten das Ausmaß des internationalen Handels mit Süßwasser- und Landschildkröten endlich zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ein Thema und Anliegen, das seit Jahren diskutiert wird und wohl nie befriedigend gelöst werden wird. Warum? Zum einen sicherlich weil in der dritten Welt und den Schwellenländern zur Kontrolle die Ressourcen fehlen und eine andere Einstellung zum Umgang mit den Kreaturen herrscht. Zum zweiten weil auch in den entsprechenden Gremien, die für die Schutzbestimmungen zuständig sind, zu viel Uneinigkeit herrscht und wirtschaftliche Eigeninteressen, wenn auch nur inoffiziell im Vordergrund stehen und zum dritten weil es an vernünftigen Konzepten mangelt, insbesondere in den Ländern der dritten Welt und den Schwellenländern, Naturschutzmaßnahmen sinnvoll und vor allem auf einer langfristig und auf der einheimischen Bevölkerung basierend zu koordinieren. (siehe Fordham, D. A., A. Georges & B. Corey (2007): Optimal conditions for egg storage, incubation and post-hatching growth for the freshwater turtle, Chelodina rugosa: Science in support of an indigenous enterprise – Aquaculture 270 (1-4): 105-114 oder Abstract-Archiv) Aber auch die Systematik trägt zu dieser inkonsequenten Uneinigkeit bei, denn wenn ich gerade die jüngste Kurzmitteilung von Le, M., W. P. McCord & J. B. Iverson (2007): On the paraphyly of the genus Kachuga (Testudines: Geoemydidae). – Molecular Phylogenetics and Evolution 45: 398-404 (Zusammenfassung im Abstract-Archiv) ansehe und über die darin geäußerten Empfehlungen nachdenke, frage ich mich, ob diese Art der Systematik wirklich der Erhaltung von Schildkrötenarten dient oder ob sie die Sache nur bewusst so verwirrend machen will, dass sich keine offizielle Stelle mehr damit in konsequenter Weise im Sinne einer Handelskontrolle auseinandersetzen kann. Von rein wissenschaftlicher Seite mag es zwar ein berechtigtes Interesse geben, diese biologisch-systematischen Sachverhalte aufzuklären, aber dann sollte man das wissenschaftsintern angehen. Rein praktisch für die Erhaltung von Schildkröten messe ich dem eine weitaus geringere Rolle bei, denn auch Hybridisierungen scheinen zur normalen Biologie von Schildkröten zu gehören (siehe Bowen, B. W. & S. A. Karl (2007): Population genetics and phylogeography of sea turtles. – Molecular Phylogenetics and Evolution 16 (23): 4886-4907 oder Abstract in SiF 5 (1) 2008). Wenn man aber diese Ergebnisse als Empfehlung zur Suche uneindeutiger Arten öffentlich macht und zudem darauf verweist, dass bezüglich der betroffenen Arten taxonomische Uneinigkeit besteht, ist das für den praktischen Naturschutz und die Handelskontrollen klar kontraproduktiv, denn Zollbeamte und Gesetzeshüter, die sich praktisch mit der Umsetzung von Schutzbestimmungen auseinandersetzen müssen, brauchen Klarheit. Jegliche Art der systematischen Uneindeutigkeit kann ja von den Anwälten der Händler dazu benutzt werden, die CITES-Bestimmungen in letzter Konsequenz auszuhebeln. Gerade dieser letzte Punkt betrifft noch nicht einmal die Schwellenländer wie Thailand, nein hier sollte man auch auf die reichen Industrienationen verweisen, weil der größere Profit der in diesen Ländern zu erzielen ist, natürlich auch die entsprechenden Rechtsmittel mit einbezieht. Man sollte mal ernsthaft darüber nachdenken, ob in diesen Entscheidungsgremien – auch bei CITES – nicht auch Personen sitzen, die mit genau diesem Handel in der Vergangenheit gut verdient haben. Denn letztendlich sind es immer noch Neubeschreibungen (auch wenn sie zweifelhafter Natur sind) und Schutzstatuten, die die Preise in die Höhe treiben. Gerade weil für diese neuen Arten innerhalb solcher Komplexe (Artengruppen) die CITES-Bestimmungen ja noch nicht greifen (siehe dazu Rivalan, P., V. Delmas, E. Angulo, L. S. Bull, R. J. Hall, F. Courchamp, A. M. Rosser & N. Leader-Williams (2007): Can bans stimulate wildlife trade? Proactive management of trade in endangered wildlife makes more sense than last-minute bans that can themselves increase trading activity. – Nature 447: 529-530, oder Abstract-Archiv). Einmal ganz praktisch in Bezug auf die aktuelle Arbeit bezogen: Wie soll sich ein thailändischer Zollbeamter verhalten, wenn in seinen Richtlinien zur Amtsausführung Geochelone radiata als CITES Anhang I Spezies und Geochelone pardalis als CITES Anhang II Spezies gelistet sind, die offiziellen, gültigen Export- bzw. Importpapiere aber auf Astrochelys radiata bzw. Stigmochelys pardalis ausgestellt sind, die vielleicht auf seiner Liste der geschützten Arten noch gar nicht aufgeführt sind? Ich gehe mal davon aus, dass es blauäugig wäre zu glauben, dass die Leute, die am Geschäft interessiert sind diese Unsicherheitslücken bei der Artbezeichnung nicht ausnutzen und immer dann einen Im- bzw. Exportversuch starten, wenn neue Namensänderungen auftauchen, da sie genau wissen, dass es in Verwaltungen seine Zeit braucht, bis die Veränderungen bis zum letzten Gesetzeshüter durchgedrungen sind. Sind nicht auch einige froh, dass ein deutscher Systematiker mal G. platynota eine zeitlang als G. elegans platynota beschrieben hatte? Sicher sind die Systematiker mit ihrer Wissenschaft nicht schuld daran, dass Geschäftemacher ihre aktuellsten Erkenntnisse missbrauchen, aber dennoch entbindet das weder die Systematiker noch die Politiker davon, sich Gedanken zur praktikablen Lösung des Problems zu machen.

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