Mui, A. B., C. B. Edge, J. E. Paterson, B. Caverhill, B. Johnson, J. D. Litzgus & Y. He (2016): Nesting sites in agricultural landscapes may reduce the reproductive success of populations of Blanding's Turtles (Emydoidea blandingii) – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 94: 61-67.

Nistplätze auf Agrarflächen können den Reproduktionserfolg bei den Populationen von Blanding’s Schildkröten (Emyoidea blandingii) verringern.

Fast alle Schildkröten nisten an Land und die mütterliche Nistplatzwahl stellt einen wichtigen Faktor für den Nisterfolg dar. Die Weibchen benutzen Schlüsselreize aus ihrer aktuellen Umgebung um Vorhersagen über die zukünftigen Konditionen für die Embryonalentwicklung zu ermitteln. Allerdings in gestörten, veränderten Landschaften kann der Zusammenhang zwischen den derzeitigen und den späteren Umweltbedingungen verloren gehen. Wir verglichen deshalb die Nistplatzwahl bei Emydoidea blandingii (Holbrook, 1838)) in einer relativ unberührten Parklandschaft mit jener in einer stark gestörten agrarwirtschaftlich genutzten Landschaft in Ontario, Kanada, wobei wir Messdaten aus dem Feld und Satellitenaufnahmen auswerteten. Die Umweltvariablen wurden miteinander verglichen indem wir logistische Regressionen und Akaike's Informations-Kriterium (AIC) basierend auf den Daten die wir in den Nestern und in zufällig gewählten Pseudonistplätzen direkt maßen. Die spezifischen Umweltbedingungen die sich im Zusammenhang mit der Nistplatzwahl ergaben schwankten zwischen den Arealen. Am deutlichsten schwankte und vergrößerte sich der NDVI (die normalisierte Differenz des Vegetationsindex ein ungefähres Maß für die Vegetationsbedeckung) signifikant während des Jahreszyklus auf den jeweiligen, lokalen Agrarflächen was einherging mit dem Wachstum der angebauten Pflanzen auf den jeweiligen Feldern. Keine solch drastischen Veränderungen wurden in der naturbelassenen Parklandschaft gefunden bei der die Pflanzen- bzw. Baumkronenbedeckung mehr oder weniger konstant blieb. Eine Zunahme der Vegetationsbedeckung kann aber die Nesttemperaturen absenken und die Bodenfeuchte verändern. In Kombination mit der zeitlichen Unvorhersagbarkeit für die Aussaat auf und das Abernten der Felder lässt sich vermuten, dass die landwirtschaftlich genutzten Flächen als ökologische Fallen fungieren und dass auch andere Spezies die dort ihre Eier abgelegen davon betroffen sind und denselben Gefahren ausgesetzt sind.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier wird ein altbekanntes Phänomen beschrieben das auch schon für Deutschland und die einheimischen Europäischen Sumpfschildkröten von Schneeweiß so artikuliert wurde. Dabei nutzen die Schildkröten gern im Frühjahr die warmen freien Feldflächen als Nistplätze aber meist inkubieren die Nester zu lange und werden schon beim Abernten oder erneuten umpflügen der Felder zerstört. Ja und wenn mal etwas schlüpft sind die abwandernden Schlüpflinge dem Risiko des Überfahrenwerdens ausgesetzt.

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