Moore, M. C. & G. I. H. Johnston (2008): Toward a dynamic model of deposition and utilization of yolk steroids. – Integrative and Comparative Biology 48: 411-418.

Hin zu einem dynamischen Modell der Einlagerung und zum Gebrauch von Dottersteroiden

Die Entdeckung von Schwabl, dass mütterliche Steroidhormone in den Eidotter transferiert werden und dort Auswirkungen für den Phänotyp der Nachkommen haben, zeigte eine bis dahin unbekannte neue Möglichkeit, wie nicht-genetische mütterliche Einflussmöglichkeiten realisierbar sind. Das ursprüngliche Modell ging dabei von einem passiven Transfer aus. Man dachte, dass Steroide passiv im lipophilen (fetthaltigen) Dotter je nach dem Vorhandensein eingelagert werden, und anschließend gelangen sie passiv in den Embryo, wenn der Dotter im Laufe der Entwicklung aufgebraucht und metabolisiert wurde. Die nachfolgenden Untersuchungen zeigten allerdings, dass das System viel dynamischer ist. Hier erörtern wir Fragen, die sich darauf beziehen, wie dynamisch das System wirklich ist, wie: Ist der Transfer mütterlicherseits aktiv oder passiv reguliert? Wann im mütterlichen Reproduktionszyklus werden Steroide transferiert? Wie dynamisch sind die Dottersteroidhormonspiegel während des Reproduktionsgeschehens? Insbesondere für die potentiell störenden Steroide (z. B. Androgene in weiblichen Nachkommen; Glukokortikoide), können sie, wenn sie eingelagert sind, über die Zeit aus dem Dotter freigesetzt werden? Wie verändern sich die Dottersteroidspiegel während der Embryonalentwicklung? Können Steroide vom Dotter in den Embryo gelangen, bevor der Dotter verbraucht wird? Trägt der Embryo, während er sich entwickelt, aktiv zur Menge der Dottersteroide bei? Wir glauben, dass die zukünftige, umfassende Beantwortung dieser Fragen uns zu einem viel akkuraterem und vollständigerem Modell für den Transfer und Gebrauch von Dottersteroiden führen wird, das sich letztendlich auch viel dynamischer und aktiver darstellen dürfte, als das ursprünglich postulierte.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher, die meisten dieser Fragen werden zwar schon erforscht, aber sie sind längst noch nicht zufriedenstellend beantwortet, weshalb diese Arbeit, die auch Schildkrötenexperimente mit einschließt, einem noch kein neues komplettes Bild liefern kann, aber aufzeigt, welche Möglichkeiten es gibt, und wo oder bei welcher Spezies, was beobachtet wurde und die natürlich für all jene, die selbst forschen wollen, auch aufzeigt, wo noch Informationsbedarf und Beobachtungsbedarf besteht. Vielleicht auch eine gute Anregung für jene zoologischen und veterinärmedizinischen Doktoranden, sich interessanteren Themen zuzuwenden als z. B. jenes für das der diesjährige Ig-Nobelpreis letztlich verliehen wurde (siehe Nature 455 (9), S. 714; 2008), das sich der Frage widmete, ob Hundeflöhe weiter springen als Katzenflöhe. Siehe auch: Leblanc, A. M. & T. Wibbels (2008): Effect of daily water treatment on hatchling sex ratios in a turtle with temperature-dependent sex determination. – Journal of Experimental Zoology Part A: Ecological Genetics and Physiology DOI: 10.1002/jez.503 oder Abstract-Archiv.

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