Molina, F. J. & G. C. Leynaud (2017): Thermoconformity strategy in the freshwater turtle Hydromedusa tectifera (Testudines, Chelidae) in its southern distribution area. – Journal of Thermal Biology 69: 178-183; DOI: 10.1016/j.jtherbio.2017.07.008.

Die Strategie zur Thermokonformität bei der Süßwasserschildkröte Hydromedusa tectifera (Testudines, Chelidae) in ihrem südlichen Verbreitungsareal.

Ektotherme Spezies sind nicht in der Lage metabolische Wärme zu erzeugen, deshalb gibt es bei ihnen verschiedene Strategien um die Körpertemperatur zu regulieren die von einer präzisen Grad-genauen Thermoregulation bis hin zu einer passiven Temperaturanpassung an die Umgebungstempertur (Thermokonformität) reicht. Bei Reptilien gehört Sonnenbaden zum meist genutzten Mechanismus der Wärmeaufnahme. Wie bei den aquatischen Reptilien ist auch bei Süßwasserschildkröten Sonnenbaden recht häufig. Hydromedusa tectifera ist aber eine der Süßwasserschildkröten die ausschließlich im Wasser lebt und zudem in ihrem großräumigen Lebensraum in Südamerika noch nachtaktiv ist. Wir studierten die Beziehung zwischen der Körpertemperatur (Tb) von H. tectifera und der Habitattemperatur und wir untersuchten den Einfluss des Geschlechts, des Lebensstadiums und der Körpergröße und Masse auf die Tb. Die Feldarbeit führten wir in zwei Flüssen in der Bergregion von Zentralargentinien durch. Wir bestimmten die Kloakentemperatur, die Größe und das Gewicht von 84 Schildkröten. Wir bestimmten zudem das Geschlecht der Individuen und deren Lebensstadium (Adult/Juvenil) Zur Bestimmung der Umgebungstemperatur maßen wir die Wassertemperatur an der Oberfläche (Tsurf) und bei der Tiefe bei der die Schildkröte gefangen wurde (Tdepth) sowie die Lufttemperatur vor Ort. Die mittlere Tb lag bei 18,58°C (Min = 10,20°C; Max = 25,70°C). Tsurf und Tdepth waren hochgradig korreliert. Eine Multimodellanalyse anhand des Akaike-Kriteriums ergab, dass die Tb sehr genau mit der jeweiligen Wassertemperatur assoziiert war während die Lufttemperatur und die Körpergröße und Masse keine signifikanten Auswirkungen darauf hatten. Es gab auch keine Auswirkungen des Geschlechts oder des Lebensstadiums auf diese Assoziation von Tb zu T-Wasser. Unsere Ergebnisse zeigen, dass H. tectifera eine eurythermale Art ist die sich als Thermokonformer verhält. Das nächtliche Aktivitätsmuster und die vollständig aquatische Lebensweise sind vermutlich die wesentlichen Faktoren die sie dazu zwingen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wieder eine schöne Studie die zeigt zu welchen Umweltanpassungen auch Schildkröten und wechselwarme Reptilien im Allgemeinen sind. Damit verhält sich Hydromedusa tectifera so ähnlich wie die asiatische Dickkopfschildkröte, Platysternon megacephalum (Zhang et al., 2009), nur dass sie anscheinend an noch tiefere Durchschnittstemperaturen angepasst ist. Natürlich können die Schildkröten wohl trotzdem eine thermokonforme Temperaturregulation betreiben in dem sie wahrscheinlich unterschiedlich Bachbereiche mit unterschiedlichem warmem Wasser nutzen. Was mich aber noch interessieren würde und dazu konnten mir die Autoren auch keine Auskunft geben, wäre die Inkubationstemperatur für deren Gelege, die ja an Land abgelegt werden, denn für P. megacephalum weiß man, dass die Gelege keine hohen Temperaturen vertragen und die Inkubation im Bereich der optimalen Körpertemperatur erfolgt (siehe auch Kommentar zu Shelmidine et al., 2016).

Literatur

Shelmidine, N., B. Murphy & K. Massarone (2016) Husbandry and probagation of the Chiniese big-headed turtle (Platysternon megacephalum) at the wildlife conservation society’s Prospect Park Zoo-Biology, doi:10.1002/zoo.21271 oder Schildkröten im Fokus, Bergheim 13 (2): 13–14.

Zhang, Y.-P., W. G. Du, J.-W. Shen & L. Shu (2009): Low optimal temperature for food conversion and growth in the big-headed turtle, Platysternon megacephalum. – Aquaculture 295(1–2): 106–109; DOI: 10.1016/j.aquaculture.2009.06.035 oder SiF 7 (1), 2010, S. 22.

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